Preiskampf der Lebensmittelketten drückt Qualität ins Bodenlose
Prag - Minderwertig oder sogar bedenklich ist die Qualität vieler Lebensmittel in Tschechien. Wie die staatliche Lebensmittelinspektion in einer breitgefächerten Kontrolle herausfand, entsprechen 15 Prozent der Lebensmittel nicht ihren Qualitätsansprüchen.
„Einige der Resultate lassen sich als alarmierend bezeichnen“, erklärte ein Sprecher der Inspektion.
Zu den größten Sünden gehören zu niedrige Obst- oder Fleischanteile in Marmeladen und Fertigprodukten, mit Wasser gepanschter Wein oder gefälschter Honig. „Da gibt es so enorme Unterschiede, dass wir dahinter Absicht vermuten“, so die Inspektion.
Richtig eklig wird es bei Wurstprodukten. So wurden in Salami oder verschiedenen Würstchen Reste zermahlener Knochen gefunden, ein sicheres Anzeichen dafür, dass minderwertiges Fleisch bei der Herstellung verwendet wurde. Schuld an der schlechten Qualität sei vor allem der Preisdruck großer Lebensmittelketten auf die Produzenten, warnen Verbraucherschutzorganisationen.
Im Vergleich zu Deutschland oder Österreich schneiden Lebensmittel auf dem tschechischen Markt langfristig schlechter ab. Und das sowohl qualitativ als auch preislich.
Das liegt auch daran, dass große Firmen für verschiedene Märkte verschiedene Produkte herstellen. „Der Tchibo Kaffee, der bei uns verkauft wird, wird in Polen hergestellt“, weiß Petr, der gelegentlich den Kaffee dieser Marke in Österreich kauft und sich schon über die Qualitätsunterschiede gewundert hat. „Auf meine Anfrage hin teilte mir die Firma mit, sie plane nicht, den in Deutschland verarbeiteten Kaffee in Tschechien zu verkaufen.“
Ist der tschechische Verbraucher ein Europäer zweiter Klasse? „Die EU kann Firmen nicht vorschreiben, dass sie für jedes Land das gleiche Produkt herstellen müssen. Ein Grund für die Unterschiede kann sein, dass der Geschmack der Verbraucher von Land zu Land anders ist“, sagt der EU-Kommissar für Verbraucherschutz, John Dalli.
Die tschechischen Behörden zucken angesichts der Qualitätsunterschiede auf dem europäischen Binnenmarkt ebenfalls mit den Schultern. „Das einzige, was der Verbraucher machen kann, ist ein Produkt zu wählen, dessen Qualität ihm mehr zusagt“, sagt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. (lz/rsc)
Aus unserem Partnerblatt
Landeszeitung (Ausgabe vom 10.1.2012).
Tschechien Online, 12.1.2012. Foto: Wikimedia Commons