Gastronomischer Hot-Spot in Prag: Das Restaurant HOT

Saftige Steaks und feine Pasta am Wenzelsplatz - oder: Nomen est omen

Prag - Was der Kurfürstendamm in Berlin ist und die Champs-Élysées in Paris sind, das ist in Prag der Wenzelsplatz als Mittelpunkt der Prager Neustadt: nirgendwo wirkt die hunderttürmige Stadt mondäner. Scheint in den engen Gassen der Prager Altstadt der Geist des Mittelalters eingefangen, so steht der moderne Großstadtboulevard für das jugendliche und lebendige Prag.

Ein beliebter Treffpunkt ist die Reiterstatue des Heiligen Wenzels unterhalb des Nationalmuseums, dessen Neorenaissancebau den Platz nach oben abschließt und dominiert. Und obgleich der Heilige Wenzel nicht nur der Namenspatron des Platzes sondern gar der Schutzpatron der Tschechen ist, verabreden sich die Prager, wenn sie sich hier treffen wollen, etwas respektlos „u konì“ - beim Pferd.

In der Geschichte des Landes war der Wenzelsplatz immer wieder Schauplatz und Brennpunkt bedeutender politischer Ereignisse, wie im Jahr 1989 bei den Massendemonstrationen, die in der Samtenen Revolution gipfelten. Heute pulsiert hier mehr denn je das Großstadtleben, unzählige Cafés, Bars, Boutiquen, Geschäfte und Restaurants laden zum Bummeln und Verweilen ein.

Eines von ihnen, das Restaurant HOT, das vom Nationalmuseum in Richtung Mùstek kommend rechter Hand etwas unterhalb der Reiterstatue liegt, hat sich vor allem Steaks und Pasta auf die Pfannen geschrieben. Wir haben das Restaurant für sie besucht und bei einem ausgezeichneten Abendessen in coolem Art Déco-Interieur bei lausigem Winterwetter als heiße Alternative zum traditionellen Treffpunkt Reiterdenkmal entdeckt.

Lebendig und live: Hier spielt die Musik

Das gesamte Ambiente des stilvollen Restaurants, dessen Innenarchitektur vornehmlich in Weiß und Rot und rot gehalten ist, wirkt sehr weltläufig und in den großzügigen Räumlichkeiten wählen wir einen Tisch im hinteren Bereich des Restaurants. Hier entgeht uns zwar zugegebenermaßen der phantastische Blick durch die Panoramafront direkt auf den Wenzelplatz, dafür genießen wir unser Abendessen rauchfrei. Die kosmopolitische, etwas an Bilder von Edward Hopper erinnernde Atmosphäre wird untermalt von dezenter Live-Musik, zwei Musiker wechseln sich dabei an Flügel, Gitarre und der Bar ab.

Zwar wird im HOT auch klassische böhmische Küche angeboten, doch bei der Wahl unseres Menüs entscheiden wir uns für jeweils eine der beiden verlockenden Hauptrichtungen des Restaurants: Während meine Begleiterin den Pastagerichten zuneigt, ist mir klar, dass meine Wahl auf eines der Steaks fallen wird.

Meine Begleiterin entscheidet sich als Hauptgericht für die Fettuccine frutti di mare und bestellt als Vorspeise - der italienischen Küche auch hier treu bleibend - Carpaccio mit frischen Parmesankäse und Rucola. Bei den Steaks ist die Sache etwas verzwickter. Denn im HOT kann man sich praktischerweise sein ganz persönliches Steak-Programm aus drei Komponenten zusammenstellen: Man wählt zunächst die Fleischart, dann die Sauce und die Beilage. Meine Wahl fällt auf ein Sirloin-Steak aus der Lende, wobei es mir vor allem bei der Sauce schwer fällt, mich zwischen den zehn angebotenen Varianten zu entscheiden.

Der Kellner hat dafür jedoch Verständnis und wir bestellen erst einmal die Vorspeisen, in meine Falle Tigerkrevetten mit Lemon-Koriander-Dressing. Endlich steht auch mein Rindfleischmenü: die Rosmarin-Sauce setzt sich gegen die drei konkurrierenden Hauptfavoriten auf Pfeffer-, Pilz- und Blauschimmelkäsebasis durch, als Beilage macht die Backkartoffel das Rennen.

Unsere Wahl erweist sich als äußerst gelungen, meine Begleiterin kommt vor allem bei den Fettuccine ins Schwärmen - kein Wunder, denn an leckeren Meeresfrüchten hat der Koch nicht gespart, große Stücke Fisch, Calamares und auch ganze Tigerkrevetten sind nicht zu übersehen - letztere erinnern mich an meine feine Vorspeise. Das 300-Gramm-Steak ist medium, genau wie gewünscht, und die dunkle, sehr aromatische Sauce mit frischem Rosmarin, separat in einem Schälchen serviert, reichlich und sehr empfehlenswert.

Dem Koch über die Schulter oder den Passanten hinterher schauen

Neu in Prag, bietet das HOT, einem weltweiten beliebten Trend folgend, auch die Möglichkeit, am Tisch des Chefkochs zu speisen. Unterhaltung und gastronomisches Erlebnis werden dabei miteinander verbunden, denn man kann dem Chefkoch und seinem Team bei Ihrer Arbeit sozusagen auf die Finger oder über die Schulter schauen. Und für Kochbegeisterte gibt es sogar die Möglichkeit, Kochunterricht beim Chefkoch zu nehmen, um ihr persönliches Lieblingsgericht zu Hause kunstgerecht nachkochen zu können.

Ein weiteres Plus, das wir saisonal bedingt bei unserem Besuch nicht nutzen konnten, das aber einen Besuch in der warmen Jahreszeit lohnenswert macht, ist die große Sonnenterrasse mit Blick auf den Boulevard des Wenzelsplatzes. Denn was gibt es Heißeres, als an einem Frühlings- oder Sommertag sorglos in einem Straßencafé sitzend, das pulsierende Leben einer Metropole zu beobachten und um sich herumbrausen zu lassen?!

Von Niels Köhler


Unsere Wahl - Abendessen für zwei Personen

2x Martini Extra Dry
2x Mineralwasser Mattoni

Tigerkrevetten mit Lemonen-Koriander-Dressing
Carpaccio mit frischen Parmesankäse und Rucola

Fettuccine frutti di mare
Sirloin-Steak mit Rosmarin-sauce und Backkartoffel

Weißwein Reisten Ryzlink Rýnský, Kabinett 2004

Gesamtpreis: rund 2500 Kronen (etwa 90 Euro)





Restaurant HOT (Druckversion)
Václavské nám. 45, 110 00 Praha 1
Lage: Stadtplan öffnen

Öffnungszeiten: Täglich 6.30 - 1.00 Uhr
Telefon: +420 222 247 240
E-Mail: info@hotrestaurant.cz, Website: www.hotrestaurant.cz
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