Mittelalterliche Küche in rustikalem Ambiente im Prager Burgviertel
Prag - Das in einer Seitenstraße der zur Prager Burg führenden Nerudová-Straße gelegene Restaurant U sedmi ©vábù genießt bei Kennern einen sehr guten Ruf wegen seiner altböhmischen Küche.
Wir sind bei klirrender Kälte und Schneefall dem Hradschin entgegengeklommen und haben auf halber Strecke die "Sieben Schwaben" für Sie besucht. In uriger Atmosphäre, gewärmt von Kaminfeuer und Honigwein haben wir uns mit altböhmischen Spezialitäten verwöhnen und von einem brandheißen Begleitprogramm unterhalten lassen.
Sowie beim Eintreten in die Gaststube der Vorhang hinter uns zufällt, so lassen wir die unwirtliche Außenwelt zurück und uns ganz vereinnahmen von der Atmosphäre, die in diesen alten Gemäuern herrscht.
Eine Ritterrüstung, rustikale Holzbänke und -tische, ein großer Kamin, dessen offenes Feuer weithin Hitze abstrahlt und die in dezenter Lautstärke wiedergegebenen Klänge mittelalterlicher Musik geben den Räumlichkeiten etwas gleichermaßen Anheimelndes wie unaufdringlich Authentisches.
Zur Begrüßung einen Becher Met

Wir haben reserviert, denn es ist Freitag Abend, was zudem bedeutet, dass uns neben dem Abendessen ein Begleitprogramm erwartet, auf dass wir ebenfalls gespannt sind. Der Kellner im Baumwollwams führt uns am Kamin vorbei hinunter ins Kellergewölbe zu unserem Tisch, auf dem bereits zwei Becher mit Honigwein für uns bereitstehen.
Met, vom slawischen Wort med (Honig), Medovina also wie die Tschechen sagen, war seit der Bronzezeit vor der Erfindung des Biers lange unangefochten die alkoholische Volksdroge Nummer eins. Und bevor wir uns der zeitgenössischen zuwenden, probieren wir also, wie es sich unsere Vorfahren besorgt haben: süß, aber nicht zu süß, Honig als Ausgangsstoff durchaus erkennbar, gefühlter Alkoholgehalt vergleichbar mit einem sehr milden Likör. Kurzum der Met mundet, meiner Begleitung so, dass sie später noch einen zweiten Becher bestellt.
Inzwischen hat unser Kellner, dem wir die Wahl der Gänge unseres Abendessens anvertraut haben, bereits eine ganze Reihe kalte Vorspeisen aufgetischt: eine Platte mit zwei Sorten Käsewürfeln, eine davon geräuchert, eine Wurst-Schinkenplatte, einen Topf mit hausgemachtem Griebenschmalz mit Zwiebeln, Sauerkrautsalat mit Meerrettich und dazu einen Korb Graubrot. Als Getränke haben wir helles und dunkles Kru¹ovicer Bier bestellt. Das Brot ist ganz frisch und die Verlockung groß, sich schon an den Vorspeisen satt zu essen. Ich wechsle mehrmals zwischen Schmalz mit Zwiebeln, Schinken und den geräucherten Käsewürfeln hin und her, die den ganzen Abend über zum Naschen einladen.
Es folgt eine Knoblauchsuppe mit Graupen, die ebenfalls ganz ausgezeichnet schmeckt. Knoblauchsuppe, Èesneèka, ist in Tschechien übrigens sehr beliebt (vielleicht weil sie als gutes Rezept gegen Kater gilt?) und wird in unterschiedlichsten Varianten auch am heimischen Herd gekocht. Man sollte aber nicht unterschätzen, wie scharf sie mitunter sein kann, wie etwa die hiesige.
Beim Begleitprogramm wirds brenzlig

Als wir mit Spannung den Hauptgang erwarten, werden wir vom Begleitprogramm überrascht, das wir schon beinahe vergessen haben. Eine in traditionelle Gewänder gekleidete Tänzerein führt einen interessanten mittelalterlichen Tanz vor, doch als nach Freiwilligen zum Mitmachen und Vorführen eines einfachen Gruppentanzes gesucht wird, ducken wir uns vorsorglich weg.
Glücklicherweise ist die große Gesellschaft am Nachbartisch schon länger zu Tische und am Met-Bechern und nimmt dieses Angebot freudig an.

Nach dem dieser Kelch an uns vorübergangen ist, kommt der Kellner mit einem großen Gulaschtopf, aus dem er uns in einen Napf dampfendes Hirschgulasch einschenkt, das mit Lorbeerblättern gewürzt ist. Gegessen wird es mit einem Löffel, als Beilage tunken wir das Brot ein.
Die Ankündigung eines Feuerschluckers und -spuckers lässt uns kalt und wir harren gelassen der Dinge, da uns hier die Gefahr, als Freiwillige mitmachen zu müssen, erheblich geringer erscheint als bei der Tanzeinlage. Warm wird uns dann allerdings bei der Vorführung doch, die erstaunlicherweise - aber bei einem Fakir eben selbstverständlich - keine Brandverletzungen hinterlässt. Beim Feuerspucken in dem niedrigen Kellergewölbe ist die Hitzewelle aber auch für uns deutlich zu spüren.
Bisher war unser mittelalterliches Menü ein voller Erfolg und als hätte sich unser Kellner vom Begleitprogramm inspirieren lassen, bringt er als weiteren Hauptgang einen großen Spieß für zwei Personen, den er bei uns am Tisch flambiert: Gegrillte Schweinelende, Hähnchenbrust, Rinderfilet, Zwiebeln und Trockenpflaumen. Als Beilage essen wir kaltes Sauerkraut, rote Bete und den vorzüglichen Krautsalat. Allmählich rächt sich, dass die Vorspeisen schon so gut waren. Aber wir nähern uns langsam aber sicher auch dem Ende unseres wahrlich opulenten Mahls.
Zum Nachtisch Bauchtanz und böhmische Liwanzen
Bei einem temperamentvollen Bauchtanz, an dem sich nun aber auch unsere Tischnachbarn nicht mehr beteiligen (können), probieren wir als Nachtisch mittelalterliche Hirseküchlein mit Dörrobst und Nüssen sowie böhmische Liwanzen, die mit Quark und einem kleinen Häubchen aus saurer Sahne serviert werden. Persönlich werde ich das nächste mal den Hirseküchlein den Vorzug geben.
Bevor wir aus der gemütlichen Schenke wieder in die Kälte zu einem wohlverdienten Spaziergang auf der Kleinseite aufbrechen - glücklicherweise geht es die Nerudová-Straße diesmal bergab - geben wir ein weiteres Mal unserer Neugier nach und trinken als Digestiv einen Altbrünner Bierschnaps, der tatsächlich aus Bier destilliert wird und in kaum einem Restaurant zu finden ist. Unser Urteil: sehr empfehlenswert - wie überhaupt das Restaurant U sedmi ©vábù.
Von Niels Köhler
Unser Menü - Abendessen für 2 Personen
Griebenschmalz mit Zwiebeln und Äpfeln
Sauerkrautsalat mit Meerrettich
Gemischte kalte Platte - Schweinebraten, Wurst, Schinken, Käse, Butter
Knoblauchsuppe
Hischgulasch
Großer flambierter Spieß mit Schweinelende, Hähnchenbrust,
Rinderfilet, Zwiebeln und Trockenpflaumen
Mittelalterlicher Hirsekuchen mit Dörrobst und Nüssen
Liwanzen mit Pflaumenmus, Quark und saure Sahne
Met
Dunkles Bier Kru¹ovice
Helles Bier Kru¹ovice
Bierschnaps Starobrno
Gesamtpreis: 1900 CZK (etwa 65 Euro)
Adresse: U sedmi ©vábù (Druckversion)
Jánský vr¹ek 14, 118 00 Praha 1 - Malá Strana
Lage: Stadtplan öffnen
Öffnungszeiten: Täglich 11.00 - 23.00 Uhr
Tel.: +420 257 53 14 55, Fax: +420 257 53 14 55
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