Übergabe des Veitsdoms: Kirche spielt auf Zeit

Kardinal Vlk weigert sich, Konsequenzen aus Gerichtsurteil zu ziehen

Prag - Man habe „sachlich verhandelt“, bestätigten Vertreter des Prager Domkapitels und der Präsidentenkanzlei gestern vor der Presse.

Doch mit dieser Erklärung konnten die Verhandlungsparteien nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Streit um den Veitsdom derzeit so heftig ausgetragen wird wie schon lange nicht mehr.

Während die Präsidentenkanzlei schon vorgestern angekündigt hatte, sie werde den Dom am Dienstag wieder in Besitz nehmen, endeten die Gespräche gestern fast ergebnislos. Man konnte sich lediglich darauf einigen, die Verhandlungen am Freitag fortzusetzen. Der seit 14 Jahren andauernde Streit zwischen Staat und Kirche, wem denn nun die Kathedrale gehöre, geht damit weiter.

Ende Januar hatte der Oberste Gerichtshof ein früheres Urteil kassiert, das die in kommunistischer Zeit verstaatlichte Kathedrale der Kirche zugesprochen hatte. Doch die Kirche weigert sich bislang, die Konsequenzen aus dem Urteil zu ziehen. Dabei ist die Kirche nach Einschätzung von Rechtsexperten nach dem Urteil zur Rückgabe des Domes verpflichtet - weitere Gerichtsentscheide seien dazu nicht notwendig, so auch der Tenor einer gestern vom Obersten Gerichtshof veröffentlichten Erklärung.

Dass allen voran Kardinal Miloslav Vlk dennoch zögert, die Übergabe einzuleiten, wird auch in einem Kommentar in der Tageszeitung Lidové noviny (Prag) von Bob Fliedr kritisiert: "Es ist verständlich, dass es den Bischöfen unbehaglich ist, wenn sie aufgerufen sind, ausgerechnet eine Kirche dem Staat zu geben. Verständlich, dass sie die Polizisten provozieren, die in der Kathedrale plötzlich patrouillieren. Dass sie die Vorstellung weiterer Prozesse um ein Gebäude graust, das doch eigentlich einen und nicht trennen sollte. Dennoch: Die Kirche sollte die Spielregeln einhalten und den Dom ohne weiteres Hinhalten an die Burgverwaltung herausgeben. So aber hat sie eine Gelbe Karte herausgespielt und denjenigen Argumente geliefert, die der Kirche nicht gerade wohlgesonnen sind."


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Tschechien Online, 7.3.2007. Foto: ÈTK


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