Aussicht, die inspiriert: Laurenziberg, Moldau und Karlsbrücke
Prag - Das Auge isst mit - kaum irgendwo trifft dieser Leitsatz mehr zu als im Parnas. Wer das Restaurant am rechten Moldauufer besucht, genießt einen der schönsten Ausblicke, den die tschechische Hauptstadt zu bieten hat.
Vor der ausladenden Fensterfront streckt sich die Karlsbrücke über die Moldau, darüber thront der Hradschin und links daneben der Hausberg der Prager, der Petøín.
Ein göttlicher Anblick, möchte man sagen. Auf die Unsterblichen nimmt das Parnas auch Bezug: mit seinem Namen, dem griechischen Götterberg Parnass entliehen. Und dann mit seiner Küche, die dem Parnas in Prag den Ruf eines Gourmet-Tempels eingebracht hat. Zu recht, wie wir an einem warmen Abend im Frühsommer feststellen konnten.

Wer das berühmte Prager Café Slavia kennt, wird beim Betreten des Parnas ein Déja vu-Erlebnis haben. Nicht nur, dass die Lokale sich im selben Palais an der Moldau gegenüber dem Nationaltheater befinden. Beider Interieur ist im Stil des tschechischen Art Déco der 30er Jahre gehalten, mit Teakholz-Intarsien, Marmor und matten Lüstern.
Wir bekommen einen Tisch an der Fensterfront und genießen ein Panorama, wie es vor mehr als hundert Jahren Bedøich Smetana tagtäglich sah. Der Komponist lebte in diesem Palais, und es wäre nicht verwunderlich, wenn gerade die majestätische Aussicht auf die Moldau ihn zu seiner berühmten symphonischen Dichtung "Vltava" (Die Moldau) inspirierte.
Klassische böhmische Gerichte und italienisch geprägte internationale Küche
Uns inspiriert hingegen die Speisekarte. Sie bietet, etwa zu gleichen Teilen, klassische böhmische Gerichte und italienisch geprägte internationale Küche, darüber hinaus Spezialitäten aus heimischem Fisch. Nachdem wir den Kellner zu Rat ziehen, entscheiden wir uns schließlich für die südländischere Variante, da uns die böhmische Küche zu dieser Jahreszeit etwas zu deftig ist.
Nach den Aperitivs - Martini und Sherry, nehmen wir den ersten Gang. Meine Begleitung bestellt warmen Ziegenkäse auf einem Salatbett mit Honigdressing. Herrlich passt dazu der mährische Veltiner, den uns die Bedienung empfohlen hat. Ich bekomme Carpaccio, das mit Weißbrot und Balsamico-Essig gereicht wird. Das hauchdünn geschnittene Kalbsfleisch schmeckt wunderbar mit der nussigen Rauke und ist ein viel versprechender Vorgeschmack auf die weiteren Gänge.

Bei der Wahl der Hauptgerichte haben wir uns für Gegrilltes entschieden. Ich bekomme zartes Lamm, Kotletts und Rücken, mit frisch zubereiteten Bratkartoffeln, in schmale Scheiben geschnitten - „sautierte Kartoffeln“ heißt es in der Speisekarte. Mein Gegenüber hat ein klassisches Steak vom Rind gewählt, mit Pfeffer-Sahnesauce und gestampften Kartoffeln mit Röstzwiebeln. "Mein bestes Steak in Prag", sagt er nach einigen Bissen ernst. Er lebt seit acht Jahren in der Moldaustadt. Wenn das kein Kompliment ist...
Zum Abschluss lassen wir uns Süßes empfehlen: Kaiserschmarren (tschechisch
trháèek, "Zerrissener") mit hausgemachtem Waldbeerenkompott und Zitronensorbee mit frischer Minze und Vodka. Dazu nehmen wir jeweils einen Espresso und genießen den Anblick auf Petøín, Moldau und Karlsbrücke: ein herrliches Drei-Gänge-Menü fürs Auge, vom Parnas-Koch gekonnt pariert.
Von Georg Pacurar
Unsere Wahl - Abendessen für zwei Personen
Martini bianco
Sherry
Warmer Ziegenkäse auf Salatbett mit Honigdressing
Carpaccio
Gegrilltes Lammfleisch mit frischen Bratkartoffeln, Salat
Rinder-Steak mit gestampften Kartoffeln
Zitronensorbee mit Minze und Vodka
Kaiserschmarren
0,7 Weißwein (Veltiner)
4 x 0,3 l Mineralwasser Mattoni
2 Espresso
Preis: etwa 2200 Kronen (etwa 70 Euro)
Adresse: Restaurant Parnas (Druckversion)
Smetanovo nábøe¾í 1012/2, 110 00 Praha 1
Lage: Stadtplan öffnen
Öffnungszeiten: Täglich 12 bis 23 Uhr
Tel.: +420 224 239 604, Fax: +420 224 218 493
E-Mail: info@restaurantparnas.cz, Website: www.restaurantparnas.cz