Die Künstlergruppe Ztohoven hat sich ins tschechische Fernsehen gehackt - Videos eingebettet
Trutnov/Prag - Inmitten der Radar-Debatte in Tschechien hat eine Gruppe junger Künstler das Land mit einer tolldreisten "Performance" geschockt. Am Sonntagmorgen strahlte das tschechische Fernsehen ÈT2 (Prag) die Bilder einer vermeintlichen Atombombenexplosion im Riesengebirge aus (Foto).
Die Aufnahmen stammen nach Agenturmeldungen aus dem Atelier der Gruppe Ztohoven (deutsch etwa "Rausvonhier"). Ihre Autoren hatten sich ins ÈT-System gehackt.
Seither dominiert die wohl langweiligste Sendung Tschechiens ("Panorama") die Nachrichten.
Normalerweise sendet ÈT2 zu dieser Zeit Aufnahmen aus den tschechischen Erholungs- und Urlaubsgebieten, die von den Webcams eines privaten Anbieters eingespeist werden. Statt Bergidylle nebst Wetterprognose sah man kurz vor acht Uhr morgens einen Atompilz, der aus einem Tal im Riesengebirge aufzusteigen schien.
Über dem Bild war die URL der Ztohoven-Website eingeblendet, wie eine Art zeitgenössischer Bekennerbrief. So ermittelten ÈT-Leitung und Behörden die Urheber des Stücks schnell.
Sender erwägt Klage
Der Angriff der Gruppe hatte die maschinell betriebene Kamera im Tal Èerný dùl zum Ziel, erklärte ÈT-Sprecher Martin Krafl. Die übrigen Sendungen seien danach nicht betroffen gewesen. Nun erwägt der Sender eine Klage gegen die Urheber der Aktion. Im Falle einer Verurteilung drohen den Beteiligten Haftstrafen.
Die "Atombomben-Performance" ist nicht die erste Provokation von Ztohoven. Bereits im Jahr 2003 hatte die Gruppe um den tschechischen Künstler Roman Týc für Furore gesorgt. Damals vertauschte sie die Neonherz-Installation des Bildhauers Jiøí David zu Ehren des scheidenden Präsidenten Václav Havel durch ihr eigenes Symbol, ein Fragezeichen.
Zuletzt hatten Ztohoven im Frühjahr dieses Jahres zugeschlagen, als sie etwa 50 Fußgängerampeln in Prag umgestalteten. Statt der starren Männchen in Grün und Rot gaben comicartige Figuren in teilweise verfänglichen Posen die Signale (siehe Video-Dokument weiter unten, Anm. d. Red. ). Die Behörden ließen die essenden, trinkenden und pinkelnden Ampelsymbole umgehend entfernen.
Mit ihren provozierenden Aktionen, die stets auf zeitgenössische Formen der Kommunikation zielen, will die Gruppe nach eigenem Bekunden auf die Macht und den Einfluss der Medien aufmerksam machen.
Künstler-Kollege Jiøí David, der mit der Gruppe in Kontakt steht, lobt die Webcam-Performance als "zum Nachdenken anregend". "Das mit der Atombombe ist zwar ein bisschen Pop, aber die Aktion an sich ist interessant", sagte David der Nachrichtenagentur ÈTK (Prag).
Weniger Verständnis für die "Adrenalinkunst" (ÈT) haben die Kunden des Webcam-Betreibers, für die "Panorama" eine wichtige Werbeplattform darstellt. "Das ist eine Unverfrorenheit. Die Sendung steht im Dienst der Zuschauer, und wir bezahlen eine Menge Geld dafür", zitiert ÈTK einen Touristik-Manager aus dem Adlergebirge. Sein Unternehmen bezahlt für die Ausstrahlung der morgentlichen Landschaftsbilder jährlich 600.000 Kronen (mehr als 20.000 Euro).
Video: Atombomben-Sequenz in der ÈT-Sendung Panorama (1:01)
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