Gesundheitsreport: Lebenserwartung der Tschechen

Die Tschechen leben immer länger, aber immer noch kürzer als EU-Bürger

Prag - Die durchschnittliche Lebenserwartung in Tschechien nimmt seit einigen Jahren ständig zu. Im Jahr 1996 lag sie bei Männern bei 70 Jahren. Diese Grenze überschritten die österreichischen Männer allerdings bereits im Jahr 1984 und die Männer in den EU-Ländern insgesamt sogar schon 1977. Zurzeit beträgt die mittlere Lebenserwartung der tschechischen Männer etwas über 72 Jahre, bei Frauen sind es 6 Jahre mehr.

Statistisch am längsten leben in Europa schwedische Männer mit einer Lebenserwartung von 77 Jahren und französische Frauen mit 82,7 Jahren. Die kürzeste Lebenserwartung haben dagegen die Russen (59,2 Jahre bei Männern und 72,4 Jahre bei Frauen). Die Tschechische Republik erreicht zwar hinsichtlich der Lebenserwartung keines der EU-Länder, hat aber von den mittel- und osteuropäischen Ländern die höchsten Werte.

Der dauerhafte Anstieg des durchschnittlichen Sterbealters begann in Tschechien bei Männern im Jahr 1990, bei Frauen sogar einige Jahre früher. Ursache der deutlich längeren Lebenserwartung, zu der es in der ersten Hälfte 90er Jahre kam, war nach Meinung von Fachleuten die Einführung moderner medizinischer Behandlungsmethoden, vor allem auf dem Gebiet der Herzerkrankungen. Ebenso schlagen sich aber auch positive Änderungen des Lebensstils in der Statistik mit einer längeren Nachhaltigkeit nieder.

"In Tschechien ist die Situation statistisch immer noch schlechter als in anderen Industriestaaten. Und das sowohl hinsichtlich der Häufigkeit von Erkrankungen als auch der Lebenserwartung, die hier immer noch vier bis fünf Jahre kürzer ist. Auch die Einstellung der Tschechen zum Alter ist allerdings anders und bei vielen fehlt die Bereitschaft und der Wille, diese Lebensjahre aktiv zu genießen. Nehmen wir beispielsweise mal die älteren amerikanischen Damen, wie sie in unerschrocken Trainingsanzügen joggen, oder die grauhaarigen Touristen, die noch ganz Europa durchqueren. Auch im hohen Alter heißt es aktiv zu sein und nicht nur auf dem Sofa zu sitzen. Doch auch in Tschechien scheinen in dieser Hinsicht allmählich bessere Zeiten anzubrechen", vermutet Prof. Dr. Eva Topinkova, Oberärztin der Geriatrischen Klinik der 1. Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag.

Quelle: Lidové noviny, 15.4.2003
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