Zwei Neuerscheinungen jeweils im Frühjahr und Herbst
Prag - "Die Tschechische Bibliothek ist ein Wegweiser durch die Literatur und Kultur unseres Nachbarn und lädt zu anregenden Wanderungen ein, die zu den Hauptwerken führen, aber auch und gerade auf geheimnisvolle Nebenpfade locken."
Diese Reihe tschechischer Literatur in deutscher Sprache in 33 Bänden erscheint seit 1999 in der Deutschen Verlags-Anstalt unter der Schirmherrschaft der Präsidenten der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland. Zu jedem Frühjahr und Herbst liegen jeweils zwei neue Bände vor. Bis zum Jahre 2007 soll die gesamte Reihe abgeschlossen sein.
In unserer Rubrik Literatur stellen wir Ihnen einige Bände dieser Reihe kurz vor.

Der mährische Autor Jan Èep (1902-1974) beleuchtet in seiner Prosa das Drama der menschlichen Existenz in seinem ganzen Umfang. Die meisten Erzählungen erscheinen zum ersten Mal auf Deutsch.
Erzählungen
Auswahl: Urs Heftrich
Übersetzung: Hanna Demetz, Peter Demetz, Bettina Kaibach
Nachwort: Bettina Kaibach
Erschienen: Frühjahr 2003, Tschechische Bibliothek der Deutschen Verlags-Anstalt
gebunden, 312 Seiten
ISBN: 3-421-05246-8
Preis: € 19,80
Bestellung bei DVA:
www.dva-buch.de
Tschechische Bibliothek
Website:
www.tschechische-bibliothek.de
Leseprobe:
Jan Èep - Der Mensch auf der Landstraße
Im Gras in der Lindenallee beim Dorf schlugen sie ihr Lager auf, schirrten die langschwänzigen Pferde ab, schoben zwei, drei Steine zu einem Herd zusammen, zündeten ein Feuer an und hängten einen riesigen schwarzen Kessel darüber. Gott weiß, was sie darin so rasch zu bereiten vermochten! Kaum hatte die geflüsterte Nachricht, die Zigeuner seien da, die Runde durchs Dorf gemacht, so sperrte man auch schon Tür und Tor zu und schob die Riegel vor; allein diese ungewöhnlichen Geschöpfe, besonders die Frauen und ihre Brut, waren schon im Dorf untergetaucht und erschienen, allen versperrten Toren und Riegeln zum Trotz, in den Obstgärten, im Hof und im Hausflur und bettelten um Heu und Stroh für die Pferde und um Milch und Brot für die Kinder. Ehe man sich's versah, vermochten die Zigeunerinnen die wachen Blicke auch der erfahrensten Hausfrauen zu täuschen, um eine Henne oder einen Hahn verschwinden zu lassen. Angeblich gebrauchten sie dabei besondere Köder und Praktiken; die eine Hand streckte sich nach der Brotscheibe oder nach dem Bündel Stroh aus, und mit der anderen versteckten sie die Beute geschickt unter ihrem weiten Rock.
Zwei oder drei Tage hielten sie das Dorf so in Alarmzustand, allgegenwärtig, geheimnisvoll, frech und unzugänglich. Nur die Kinder freuten sich über die unerwarteten und gefährlichen Gäste. Für sie war das alles ein schönes Abenteuer, ein Durchbruch in eine Welt, in der man den Duft wilder Freiheit, ja geheimer und grausamer Zauberei atmete; eine Welt, die halb tierhaft und halb menschlich war, vielleicht sogar mehr als menschlich.
(S. 299-230)
Stimmen:
Die Kraft dieser Prosa lebt unter anderem von der Fülle der wahrgenommenen Sinne, der Gerüche und der Farben.
Volker Strebel, Prager Zeitung, 02.10.2003
Eine barock anmutende Feier der Vergänglichkeit.
Jörg Plath, Frankfurter Rundschau, 23.12.2003
Den präzisen Spannungsaufbau auf kürzestem Raum hat Èep mit bewundernswerter Meisterschaft betrieben.
Br. Gerold Zenoni, Maria Einsiedeln, Juni 2003
Wie ein Landschaftsmaler beschreibt Èep das Innenleben seiner mit sich und den Versuchungen des Lebens ringenden Figuren, ohne in Voyeurismus gegenüber den Gefallenen abzugleiten.
Regina Einig, Tagespost Würzburg, 10.04.2004
Nicht Fatalismus ist es, der aus Èeps Prosa spricht, sondern eben jenes Gottvertrauen, mit dem er selbst überlebt hat.
Hans Christian Kosler, Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2003
Jan Èep - Der Mensch auf der Landstraße
Erschienen: Frühjahr 2003
gebunden, 312 Seiten
ISBN: 3-421-05246-8
Preis: € 19,80
Deutsche Verlagsanstalt
zur Rubrik LiteraturTschechien Online, 5.7.2005