Prager Top Ten: Das Klementinum

Eine Oase europäischer Gelehrsamkeit inmitten der Altstadt

Prag - Bücher, Bücher, Bücher - das Prager Klementinum vereinigt so viele gedruckte Werke an einem Ort wie wohl nur wenige andere Orte. Hier finden Studenten, Wissenschaftler und Bücherwürmer Zugang zur Nationalbibliothek und zur Technischen Staatsbibliothek. Dabei hat das Klementinum noch einiges mehr zu bieten und zählt nicht umsonst zu den beliebtesten Prager Sehenswürdigkeiten.

Mit einer Fläche von über zwei Hektar nimmt das Klementinum nach der Prager Burg die Position der zweitgrößten Gebäudeanlage in Prag ein und beinhaltet sechs Innenhöfe, zwei Kirchen und mehrere Kapellen. Ausgangspunkt des heutigen Gebäudekomplexes war die im 11. Jahrhundert errichtete Kirche des heiligen Clemens.

Mehr als hundert Jahre später folgte ein Dominikanerkloster, sowie im 16. Jahrhundert die Übernahme durch den Jesuitenorden. Dieser beabsichtigte den Bau eines Jesuitenkollegs, 1556 schließlich erfolgte die Gründung des von nun an Klementinum genannten Kollegs. Die Fertigstellung der Räume jedoch nahm unerwartet viel Zeit ein. Gut 200 Jahre verstrichen nach dem Erwerb der Gebäude, bis der Komplex, der am Ende bereits zahlreiche Unterrichtssäle, einen astronomischen Turm, Bibliothek, Druckerei, Theater und Sternenwarte, sowie die bekannte Spiegelkapelle umfasste, endlich fertiggestellt werden konnte.

Vom Klementinum aus erfolgte der Versuch der Rekatholisierung Böhmens durch die Jesuiten, die ab 1622 auch die Verwaltung der Prager Karlsuniversität übernahmen. Auch nach Verlassen des Klementinums durch die Jesuiten ab 1773 bestanden Universität und Bibliothek weiterhin fort. 1777 erhielt die Bibliothek des Klementinums durch Herrscherin Maria Theresa den Titel Kaiserlich-königliche öffentliche Universitätsbibliothek. Nur vier Jahre später wurde hier die Nationalbibliothek gegründet, die sich noch bis heute in den Gebäuden befindet und nahezu 6 Millionen Dokumente beherbergt.

Während Kirchen und Kapellen des Klementinums meist nur im Rahmen von Gottesdiensten geöffnet sind, können Besucher jedoch von dem Angebot einer Tour durch Spiegelkapelle, barocke Bibliothek, Observatorium und Turm Gebrauch machen. Die Investition in die rund einstündige Tour lohnt sich. Neben Informationen rund um das ehemalige Jesuitenkolleg wandelt man durch die prachtvollen Barockbauten, wo man sich bereits in der Spiegelkapelle in interessanten Deckengemälden und in den endlosen Reflektionen der Spiegel verlieren kann. Heute dient die Kapelle vor allem Hochzeiten, Konzerten und Ausstellungen.

Von der Spiegelkapelle die schmale Wendeltreppe hinauf steigt dem Besucher schon der Geruch alter Bücher in die Nase. Hier im Klementinum lagern in der alten Barockbibliothek tausende Originaldrucke und wertvolle Faksimiles, schwere, in Leder gebundene Wälzer. Ein Gang durch die Bibliothek ist nur noch Wissenschaftlern gestattet, Besucher müssen sich mit dem Anblick der Deckengemälde und prächtigen Regale, sowie einer Sammlung antiker Globusse aus wenigen Metern Entfernung zufrieden geben. Dennoch ist der Anblick der von Jan Hiebl kreierten Malereien sehenswert.

Noch einige Stufen weiter oben befindet sich das bis in die 1930er Jahre genutzte Observatorium. An keinem anderen Ort der Erde wurde die tägliche Aufzeichnung von Wetterdaten seit so langer Zeit betrieben wie es hier geschieht. Seit 1775 wird das Observatorium genutzt, heute können Besucher von der Spitze des Turmes aus bei gutem Wetter einen phantastischen Blick über die ganze Stadt genießen und sich im Gebäude von der Sammlung jahrhundertealter wissenschaftlicher Messinstrumente beeindrucken lassen.

Kathrin Thomas

Tschechien Online, 24.2.2009. Fotos: ÈTK


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