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Rubrik: Kultur | 18.9.2015
Erstes Multimedia-Theater der Welt: die Sensation auf der Expo 58 in Brüssel
  • Laterna magika: Der zauberhafte Zirkus
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Die Laterna magika ist eine spezielle - zur Zeit ihrer Entstehung avantgardistische - Theaterform in Prag. Das Ensemble der Laterna magika ist heute dem Nationaltheater angeschlossenen und spielt im Gebäude Nová scéna (Neue Bühne).

Es handelt sich um eine Verflechtung von Film, Licht, Musik, Ballett und Pantomime.

Die Laterna magika stellte sich erstmals auf der Expo 1958 in Brüssel vor und wurde schnell zu einem Welterfolg. Der Intendant Alfréd Radok und der Bühnenbildner Josef Svoboda stehen am Anfang der Gründung dieses einzigartigen Theaters, bei dem Filmbilder in die Bühnendarstellung der Schauspieler und Tänzer integriert werden.

Nach der Gründung eines festen Ensembles und einer Bühne in Prag haben viele weitere Theaterschaffende das Prinzip der Verbindung zwischen Film und Tanz auf der Bühne weiterentwickelt - Intendanten, Choreografen, Künstler und Musikkomponisten.

Mehr als dreißig Bühnenstücke und verschiedene experimentelle Projekte wurden erfunden, beispielsweise zu nennen wären hier der Polybildschirm und der Kinoautomat, die mit Erfolg nicht nur in Prag, sondern in fast der ganzen Welt vorgestellt wurden.

Das Prinzip der Laterna magika

Die Laterna magika arbeitet mit einem breiten Spektrum an Mitteln, mit denen sie wegen ihrer langen Geschichte wahrscheinlich die größte Erfahrung hat, da sich jedes Stück auf ein anderes Prinzip der Verbindung zwischen Leinwand und Bühne stützt: statt Sprache wird eine Kombination von Projektionen, Tanz, Musik, Licht und Pantomime verwendet.

Diese Verbindung findet vor allem auf zwei Ebenen statt: die erste führt mit bewährten Tricks der Übergänge immer wieder von der Leinwand auf die Bühne und umgekehrt, was ein spezifisches und bekanntes Charakteristikum dieses Theaters ist. Die zweite Verbindung der Medien führt eher zur Auffassung des Theaters als visuelle Zusammenfassung der szenischen Imagination.

Josef Svoboda, der Gründer und spätere Chef der Laterna magika, schreibt in seinem Buch "Geheimnis des Theaterraums" über den den Ursprung der Prinzipien der Laterna magika:

"Der Ausgangspunkt für die Gründung der Laterna magika waren unsere langen Überlegungen über das polyphonische Theater, über die Beziehung zwischen dem Geschehen auf der Leinwand und auf der Bühne, und die Entscheidung, dass diese Beziehungen weder mechanisch noch illusorisch sein sollen, und dass wir weder bewegliche Kulissen noch den Anschein der Wirklichkeit schaffen wollten.

Der Film bleibt Film und die Bühne bleibt Bühne, wir werden nur eine Methode verwenden, mit der wir den Inhalt des Geschehens Tat auf der Bühne mit dem Inhalt des Geschehens auf der Leinwand verbinden.

Wir haben uns gefragt, ob die Zuschauer mehrere Handlungen, Bilder und Symbole auf einmal sehen können, ob es möglich ist, den Stoff des Films mit dem Stoff der Bühne willkürlich zu verbinden, ob wir den Film so einsetzen können, dass er die Handlung auf der Bühne beeinflusst und in welchem Maße es möglich ist, die Kombination verschiedener Projektionsleinwände zu vervielfältigen."

Josef Svoboda

Josef Svoboda gehört zu den größten Bühnenbildnern der Welt, er wurde berühmt durch die Gründung des sogenannten "szenischen Bühnenbildes", er ist Mitgründer der Laterna magika und Erschaffer des ersten Polybildschirms.

Dank seines spezifischen szenografischen Ansatzes hat er wichtige Spuren bei der Entwicklung dieses Kunstzweigs hinterlassen. In seinem Werk, etwa 600 Inszenierungen auf den größten Weltbühnen, ist es ihm immer gelungen, einen Raum zu finden, der mit dem Text, der Musik und der Darstellung der Schauspieler und Tänzer eine nicht da gewesene Harmonie schafft.

Von seinem internationalen Renommee zeugen viele Preise und Titel, die er nicht nur in Tschechien, sondern auch im Ausland erhalten hat, darunter die Auszeichnungen Dr. h.c. des Royal College of Arts in London (1969), International Theatre Award in New York (1976), Chevalier de l´ordre des Arts et des Lettres in Paris (1976), Doctor of Fine Arts an der Denison University und an der Western Michigan University in den USA (1978 - 84), den Preis V.S. Institute for Theatre Technology in den USA (1986), den Titel The Royal Industry Designer in London (1989).

Alfréd Radok

Alfréd Radok, Gründer der Laterna magika, ist einer der wichtigsten tschechischen und europäischen Intendanten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1945 - 48 arbeitete er im Theater Divadlo 5. května, 1954 - 59 und 1965 - 68 im Staatstheater, 1956 - 59 war er künstlerischer Leiter der Laterna magika, 1960 - 65 im Stadttheater in Prag. Mit seiner Poetik knüpfte er an die Avantgarde des Theaters an, vor allem an E. F. Burian.

Er versucht, alle Elemente der Bühne komplex zu nutzen, um eine wirkungsvolle Atmosphäre zu schaffen, oft mit Elementen der expressiver Seltsamkeit. Er führt die Schauspieler dabei zu einer überzeugenden psychologischen Ausgestaltung der Rollen. Er arbeitete fürs Theater, die Oper und die Operette. In den musikalischen Inszenierungen versucht er, die Musik auch durch das Bild auszudrücken. Sein Talent stellte er auch im Kino unter Beweis.

Weitere Infos: www.laterna.cz
Bildnachweis:
Laterna magika
Themen: Laterna magika, Alfréd Radok, Josef Svoboda, Theater, Medien
Zuletzt aktualisiert: 6.3.2016

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