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| | Reise | 13.3.2013

Eine Katze an Kafkas Grab

Irgendwie habe ich mir das ganze unheimlicher vorgestellt, magischer. Ein kleines, weißes Schild zeigt die Richtung an, darauf steht Dr. Franz Kafka. Ich wusste gar nicht, dass er Doktor war und es will auch nicht in mein Kafkabild passen. Sein Grab wurde verlegt an den Rand des Friedhofs, damit die Anstürme von Pilgern und Touristen nicht mitten durch den Friedhof laufen. Wie hätte Kafka es wohl gesehen, dass sein Grab einmal zur Pilgerstätte verliebter Studenten und Praha-Drinking-Team-Touristen werden wird?

Der Tod kann ihm nicht egal gewesen sein, sonst hätte er Max Brod nicht damit beauftragt alle seine Schriften zu verbrennen und gleichzeitig glaube ich auch nicht, dass ihm der Ruhm egal gewesen war. Er hätte seine Schriften schließlich auch selbst verbrennen können und mit ruhigem Gewissen nach getaner Arbeit ableben können. Zum Glück hat Brod seine Schriften nicht verbrannt. Eine sehr seltsame Art von Ruhm ist das, die unserem Verstand nicht einleuchten will. Wenn wir doch sowieso tot sind, was kümmert uns die Welt? Wer soll uns eine Träne nachweinen? Warum ein Doktor auf den Grabstein meißeln?
Anders ist uns dieser Ruhm vielleicht sehr gut bekannt: in der Vorstellung unserer eigenen Beerdigung. Haben Sie sich schon mal ihre eigene Beerdigung vorgestellt? – Ich glaube jeder macht das mal. Ein unanständiger Gedanke. Wir beobachten die einen beim Weinen und die anderen beim Verzweifeln oder jemand sagt so etwas wie: “Das hätte er bestimmt nicht gewollt!” – Und wer trauert eigentlich nicht? – Die sind mir die Liebsten. Und wer macht sich eigentlich Vorwürfe? – Die sind mir auch die Liebsten!
Irgendwelche Zettel mit spanischen Wörtern drauf liegen auf dem Grab und Blumen und eine kleine Plastikfigur mit einem Fußball. Wie unpassend (die Blumen). Es ist ja doch ein jüdischer Friedhof, da kann man nicht einfach Blumen drauf tun.
Etwas magisches hat der Ort aber doch und das fällt mir schon von Weitem auf. Da schleicht eine Katze um Kafkas Grab!
Vor Faszination gebe ich ihr den Namen Franz. Ist doch egal, ob sie männlich oder weiblich ist. Sie ist schwarz und hat einen weißen Bauch, sieht aus wie ein Frack. Zwischen den Bäumen kommt ein bisschen Sonnenlicht durch. Ich verspüre eine natürliche Affinität zu Katzen. Das ist vielleicht der Grund dafür, dass ich immer ein wenig Katzenfutter dabei habe (ohne Scheiß!). Zu Hause in Leipzig gab es eine ganze Bande von Katzen, mit denen ich nachts um die Häuser gezogen bin. Sie haben mir ihr Revier gezeigt und ich habe ihnen beigebracht zu sprechen und wie man mit Messer und Gabel isst. Von einander wussten sie natürlich nichts. Katzen sind sehr eifersüchtige Tiere.
Ich habe mich also versucht an Franz anzuschleichen, aber sie hat mich natürlich längst bemerkt und so getan, als ob sie überrascht wäre, als ich zu laut auf einen Zweig trat. Dann begann das Katzenspiel: Ich komme zwischen den Grabsteinen auf sie zu, ganz langsam und sie läuft immer ein Stück und bleibt dann stehen und guckt mich an, dann läuft sie wieder vor. Erst in einer Reihe, dann zwischen den Grabsteinen. Ich auf den Wegen und sie zwischen den Steinen und ich sage: “Du brauchst gar nicht so zu schleichen, ich sehe dich sowieso!” – Und sie verschwindet dann ganz aus meinem Blickfeld. So habe ich mich wieder ein bisschen verliebt. Wenn ich nicht Alexandr wär, dann wäre ich am liebsten ein kleiner dicker Kater.

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