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| | Musik | 3.5.2011

Sie haben die Emo-Welle überlebt. Funeral For A Friend in der Futurum Music Bar

Leicht hatten es die fünf Waliser in den letzten Jahren nicht. Vor gut 10 Jahren fand die Emo/Screamo-Bewegung ihre ersten Anhänger in Europa. Die Jungs von Funeral For A Friend waren mit ihrem Album „Casually Dressed & Deep In Conversation“ ganz vorne dabei, als das Wort Emo zum ersten mal in Europa die Runde machte. Danach veröffentlichte die Band eher poppige Platten, die einige Fans der ersten Stunde enttäuschten. Doch wenn man heute auf diese eher unbeachteten Longplayer zurückblickt, bemerkt man, dass kein schlechtes Album dabei gewesen ist und die Band seit ihrem Debüt eine sehr positive Entwicklung durchgemacht hat. Die Begriffe Emo und Emocore wurde mittlerweile durch Melodic-Hardcore und Post-Hardcore endgültig ersetzt und auf die Böse-Wörter-Liste gesetzt. Ihre kürzliche Tournee, die sie durch Brasilien führte gibt dem Erfolg der fünf Jungs aus Bridgend Recht. Der Wechsel zum Major-Label Roadrunnerrecords und der Release ihrer EP „The Young And Defenceless „ sowie ihrem aktuellen Album „Welcome Home Armageddon“ zeigen deutlich in welche Richtung es wieder in Zukunft gehen soll. Mehr Hardcore und dabei auf keinen Fall den unverkennbaren Gesang von Matthew Davies-Kreye verlieren. Deshalb sollte das Konzert am 25.04.11 von Funeral For A Friend im Futurum etwas ganz Besonderes werden.

Mit im Gepäck hatten die Waliser Red Tape Parade aus Deutschland und ihre Kollegen von The Blackout, ebenfalls aus Wales. Das Futurum ist um 20 Uhr nicht wirklich gefüllt als Red Tape Parade die Bühne betritt. Ihre Songs sind sehr melodisch und eingängig und es macht sehr viel Spaß dieser jungen spielfreudigen melodischen Punk-Band zuzuhören. Als Vorband für Funeral For A Friend sind die fünf Deutschen definitiv geeignet, auch wenn sich heute nicht mehr viele Fans für dieses Genres finden lassen werden. Die Menge sieht sich das ca. 30 minütige Konzert bequem aus der Ferne an, während der Frontmann neidisch auf mein „Rocky T-Shirt“ blickt und wie jeder Rocky Balboa Fan klar macht, dass der 5. Teil auch nicht bei Red Tape Parade im Tourbus läuft.

Sänger Matthew von Funeral For A Friend schaut kurz vorbei und übernimmt einen Gesangspart des äußerst melodischen Sängers von Red Tape Parade. Natürlich sieht er dabei charmant gut aus und beweist mal wieder was für ein kleiner sympathischer Walise er doch ist. Trotz überzeugender Live-Performance, guten Songs und vielen Sympathiepunkten endet dieses Konzert der sympathischen jungen Band aus Berlin.

Bei The Blackout soll alles anders kommen. Die Band stürmt die Bühne, macht dem Publikum klar, dass es kein gemütliches Stehkonzert werden soll. Einer der zwei Sänger springt ins Publikum und performt die ersten Songs mit Mikro und Kabel in der Menge. Für ein paar Sekunden überreicht er sein Mikrophon mir persönlich, nachdem ich zuvor dankend abgelehnt hatte. Doch sein Schuhbändel verlangte danach gebunden zu werden. Ich entschied mich kurzfristig trotzdem dazu mein Gesangstalent unter Beweis zu stellen, auch wenn ich den Text und den Song nicht kannte. Für das erste Drittel des Auftritts von The Blackout hat der walisische Sänger die Aufmerksamkeit des Publikums, das sich anhand blitzender Digicams während der ersten Songs bemerkbar macht. Er scheint bei den jungen Mädels gut anzukommen. Die erste Hälfte läuft für The Blackout gut. Sie bewegen sich auf der Bühne gekonnt, haben Spaß an ihren Songs und wissen mit dem Publikum zu interagieren. Wie gesagt, später soll alles anders kommen.

In der zweiten Hälfte packen die Waliser ihre härtesten Songs aus und überraschen mit brutalen Breakdown-Parts. Der Sänger hat sich mittlerweile auf die Bühne verzogen um nicht Opfer des starteten Moshpits zu werden. Die jungen zerbrechlichen Konzertbesucher ziehen sich etwas zurück, denn hier wird ordentlich zugelangt und wer nicht aufgepasst hat, dem hats glatt die Schuhe ausgezogen. Doch wer lässt sich schon gern auf seinen guten Vans rumtanzen? Doch das Futurum hat genau darauf gewartet. Endlich Bewegung im Laden. Die Menge tobt und niemand wird verletzt. Nach ca. 30 – 40 Minuten ist leider auch hier Schluss. Die Erfahrung dieser jungen walisischen Band merkt man ihrer Live-Performance deutlich an. Als Support-Act haben sie alles richtig gemacht. Neue Fans für sich gewonnen, der Meute ordentlich eingeheizt und das Publikum brennt darauf Funeral For A Friend zu sehen.

Zu Beginn des Hauptacts sind schätzungsweise 200 Leute im Futurum eingetroffen. Platz für mehr hätte es auf alle Fälle gehabt. Es scheint niemanden zu kümmern, ob das Haus ausverkauft oder nur halb voll ist. Das Publikum will Funeral For A Friend, und zwar schleunigst. Das Licht geht aus, das Intro trällert und Funeral For A Friend stehen auf der Bühne. „Roses for the Dead“ bildet den Opener und es macht unheimlich Freude diesem Song zu lauschen. Es wird schnell klar, dass Sänger Matthew sich kürzlich erkältet hat und mit Stimmproblemen zu kämpfen hat. Anfangs scheint u.a. auch seine Laune darunter zu leiden, da er sein Mikro des öfteren kopfschüttelnd auf den Boden wirft. Die Funeral For A Friend Anhänger kennen natürlich jeden Song in und auswendig und unterstützen den Frontmann tatkräftig, sodass auch Sänger Matthew nach den ersten vier Songs wieder lächelt.

Die Setlist bietet neben sieben neuen Liedern vom aktuellen Album und ihrer letzten Ep einige Klassiker der ersten Stunde wie „Red Is The New Black“, „Rockie Of The Year“ und „Escape Artists Never Die“. Alle Songs punkten und jeder Song ist ein Hit. Das Publikum singt zu jedem Song, tanzt und freut sich über jedes gesprochene und gesungene Wort von Matthew. Hier sind wirkliche Die-Hard Fans am Werke, die sehr lange darauf gewartet haben, dass diese walisische Post-Hardcore Band wieder nach Prag kommt. Das Publikum ist mindestens so laut wie die Stimme von Matthew aus der Anlage. Man merkt den walisischen Jungs an, dass sie den einen oder anderen Song schon zig mal live gespielt haben, sie aber dennoch sehr viel Spaß daran haben neues Material zu präsentieren.

Das Konzert lebt hauptsächlich vom singenden Publikum und dem Sänger, der seine Fans für zwei Circle-Pits und zwei Wall of Deaths (von denen eine nicht funktioniert hat) begeistern kann. Nach siebzehn Hits ist leider Schluss und die Waliser machen sich aus dem Staub. An diesem Abend gibt es leider keine Zugabe. Es ist zwar sehr schade, doch es sei ihnen verziehen. Schließlich hatte Sänger Matthew unüberhörbar mit seiner Erkältung zu kämpfen. Diejenigen, die die Songs kannten und mitgesungen haben sind selbstverständlich auf ihre Kosten gekommen, sowie all anderen die sich von einer der meist unterschätzten Bands überraschen lassen wollten. Eine solide Leistung auch noch nach 10 Jahren und ein super Publikum mit vielen vielen treuen Fans.

Bildnachweis:
Uli Brechtold

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