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Rubrik: Reise | 23. April 2018, 10:53 Uhr
Hexentanz in den Mai: Traditionelle Feiern an der Ladronka und auf der Kampa

Prag - Wer am Vorabend zum 1. Mai überall in Prag Hexen, Zauberern und schwarzen Katzen begegnet, muss nicht ins Casting zu einem Märchenfilm geraten sein. Der kuriose Aufzug hängt eher mit der Walpurgisnacht zusammen, die überall in Tschechien gefeiert wird.

Das feuchtfröhliche Volksvergnügen findet im Freien statt, an offenen Feuern, die oft haushoch lodern.

In den Flammen werden Hexenfiguren verbrannt, wie auf einem Scheiterhaufen. Dies hindert deren Kolleginnen jedoch nicht daran, Besen schwingend fröhliche Reigen ums Feuer zu tanzen. Im Mittelalter, wo diese Tradition wurzelt, hätten sie das bestimmt bleiben lassen.

Anlässlich der Hexenfeuer finden vielerorts Konzerte oder Theatervorstellungen statt. Danach wird in der Regel getanzt und gefeiert, bis die letzte Glut erloschen ist, was bei einem ordentlich Scheiterhaufen bis zum Morgen dauern kann.

Die größten Walpurgisnacht-Spektakel in Prag steigen traditionell in dem Park vor dem ehemaligen Gutshof Ladronka in Břevnov (Prag 6) und auf der Insel Kampa (Prag 1), veranstaltet von den jeweiligen Bezirksrathäusern. Eine Břevnover Besonderheit ist die alljährliche Wahl der "Miss Hexe", bei der besonders gelungene Kostüme prämiert werden. Auch in Žižkov wird im Areal Pražačka wieder ein großes Feuer entzündet. Beliebt ist auch das Hexenfeuer im Zentralpark in Pankrác, meist spielen hier Ska-Bands auf einer großen Bühne.

Der am zentralsten und beliebteste Ort ist jedoch sicher die Kampa auf der Kleinseite, wo das Hexenfeuer dieses Jahr mitten im Park brennt. Wer lange genug durchhält, kann im Morgengrauen gleich mit einer anderen Prager Tradition weitermachen: Am 1. Mai, dem Tag der Liebe, gehen Paare auf den Laurenziberg (Petřín), um sich unter einem blühenden Kirschbaum zu küssen. (gp/nk)

Bildnachweis:
Carodejnicenaladronce.cz
Rubrik: Kultur, Theater, Oper, Tanz | 19. April 2018, 21:39 Uhr
Das Nationaltheater Prag, dem die Laterna magika angeschlossen ist, begeht dieses Jubiläum Ende April

Prag - Die Laterna magika, das erste multimediale Theater der Welt, erlebt in diesem Jahr ihr 60. Gründungsjubiläum. Das Theaterwunder, das auf der Weltausstellung Expo 58 in Brüssel entstand, ist eines der Symbole der Poetik und des Erfindungsreichtums des tschechischen Theaterwesens. Das Nationaltheater, dem die Laterna magika angeschlossen ist, begeht dieses Jubiläum Ende April. Die Zuschauer erwarten vom 28. bis 30.4. eine außergewöhnliche Vorstellung und viele Begleitprogramme auf der Neuen Bühne (Nová scéna) des Nationaltheaters. 

5 interessante Fakten zur Laterna magika:

  • 39 Premierenprojekte
  • 107 Auslandstourneen
  • Internationale Ausstellungen: Expo 58 Brüssel, Expo 67 Montreal, Expo 70 Osaka
  • Tourneen führten auch in weit entfernte Länder: Japan, Argentinien, Chile, Brasilien, Kanada, USA…
  • Die meistgespielte Inszenierung in Mitteleuropa war der Zauberhafte Zirkus: 6400 Reprisen in 17 Staaten

Zum Jubiläum und im Laufe des gesamten Jahres 2018 hat die Laterna magika viel vor. Die Zuschauer können sich auf ein Begleitprogramm zu beliebten Vorstellungen freuen, wo auch junge Künstler eingebunden sind, doch es sind auch Zeitzeugen zu erleben, in traditionellen und nicht traditionellen Räumen.

Am ersten Festabend, am 28. April, erwartet das Publikum eine Neuaufführung der legendären Öffnung der Brunnen von Bohuslav Martinů, Alfréd Radok und Zora Šemberová. Wir bereiten eine Videoinstallation vor, inspiriert am Phänomen der Laterna magika, die im Gebäude der Neuen Bühne des Nationaltheaters zu sehen sein wird. Im Mai findet eine weitere Videoinstallation statt, die im öffentlichen Raum des Platzes náměstí Václava Havla an die Laterna magika im Kontext des modernen Theaters erinnert. Das Jubiläumsjahr wird abgeschlossen von der Premiere der neuen Inszenierung "Zahrada" (Der Garten).

Aus der Geschichte der Laterna magika

Die Weltausstellung Expo 58 begann im Mai 1958, die Vorbereitungen der tschechoslowakischen Beteiligung aber nahmen mehrere Jahre Planung in Anspruch. Der Regisseur Alfréd Radok und der Bühnenbildner Josef Svoboda, die in den nächsten Jahren internationales Renommee erlangten, hatten die Aufgabe, eine neue und nicht abgedroschene Präsentation der tschechoslowakischen Kultur zu schaffen – so entstand ein Programm mit dem Namen Laterna magika. Sie schufen eine neue Form des synthetischen Theaters, wobei sie auf originelle Art Filmprojektionen, Bühnenaktion und szenische Technologie verbanden. Aus dem Programm, das ursprünglich zu Werbezwecken dienen sollte, entstanden eine poetische Vorstellung und ein Welthit.

Der Tschechoslowakische Pavillon erlangte damals die höchste Punktanzahl und die Auszeichnung Goldener Stern. In der Zeit, als das Programm auf der Expo aufgeführt wurde, und kurz nach dem Ende der Ausstellung erhielt die Laterna magika Angebote für Gastspiele in der UdSSR, in Syrien, Ägypten, den USA, England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Spanien und Israel, weitere Länder hatten Interesse an einer Lizenz. Die Laterna magika nahm in Prag am 9. Mai 1959 als experimentelles Ensemble des Nationaltheaters ihre Tätigkeit auf.

Lange Zeit griff die Laterna auf die Form der Revue zurück. Das Brüsseler Programm, erweitert um neue Nummern, wurde einige Zeit später von den Variationen oder Variationen 66 abgelöst, Abenden, die aus Nummern bestanden, von denen einige zum Beispiel auch zehn Jahre lang gespielt wurden. Ein Tänzer, dessen Partnerin auf der Leinwand tanzt, von der ihr Bild in einen Ring springt, den er in der Hand hält und zurück; ein Musiker, der mit fünf weiteren Filmmusikern musiziert, von denen wiederum er selbst jeder ist. Die Nummern, die in ihrer technischen Durchführung überraschten und zudem poetisch waren, haben sich unauslöschlich in das Gedächtnis der Zuschauer eingeprägt.

Im Jahre 1963 spielte sich in der Laterna magika auch der erste politische Skandal ab, als Regisseur Alfréd Radok die Kantate Öffnung der Brunnen von Bohuslav Martinů zusammen mit der Choreographin Zora Šemberová inszenierte (diese Tänzerin war u. a. die erste Darstellerin der Julia in Prokofjews Ballett Romeo und Julia im Jahre 1938 gewesen). Die Öffnung der Brunnen wurde auf der Vorführprobe für den Kulturminister verboten und konnte erst 1966 gespielt werden.

Die Laterna magika bereist die Welt

Die Laterna magika war ständig auf Reisen, es gab eine Zeit, da bestand sie aus vier Ensembles, die gleichzeitig spielen konnten. Lange Tourneen führten sie nicht nur in Länder des Ostblocks, sondern auch nach Deutschland, Frankreich, die skandinavischen Länder, in die arabischen Staaten, nach Israel, Japan, Mexiko, Chile und Argentinien, sondern auch in die Vereinigten Staaten – dort gelangte 1963 eine Nummer der Laterna magika, die Halsbrecherische Fahrt, sogar vor die Kameras der berühmten Ed Sullivan Show. Im Jahre 1967 trat die Laterna magika bei der Expo in Montreal auf, 1970 dann in Osaka.

In der Laterna entstanden aber auch ernstere Vorstellungen. Der bedeutende tschechische Komponist und Regisseur Václav Kašlík schuf dort in einer originellen Regie Hoffmanns Erzählungen, deren Teile mehr als zehn Jahre bei Tourneen sehr populär waren, zum Beispiel in Argentinien. Die ausländischen Besucher bewunderten seine Inszenierung Prager Karneval, die sich an mittelalterlichen Prager Sagen inspirierte. Sie ereilte allerdings ein ähnliches Schicksal wie die Öffnung der Brunnen – innerhalb eines Jahres wurde sie verboten. Im Jahre 1975 lud Professor Svoboda den Regisseur Evald Schorm in die Laterna magika ein, der zuerst eine neue Inszenierung zu den Prager Sagen schuf, vor allem aber stand er an der Spitze des Kreativteams der bekanntesten Vorstellung der Laterna magika, des Zauberhaften Zirkus. Seit 1977 wird er ununterbrochen gespielt, er bereiste 17 Länder der Welt und erlebte über 6.400 Reprisen.

Die Laterna magika entwickelte sich zu einem starken Tanzensemble weiter, für das einheimische Publikum entstanden dort experimentelle Schauspiele. Doch auch die Tourneen gingen rege weiter, am meisten mit der Inszenierung Zauberhafter Zirkus. Im Jahre 1987 konnte die Laterna mit der reich ausgestatteten Inszenierung Odysseus, dem wohl ambitioniertesten ihrer Projekte überhaupt, punkten.

Nach der Wende wurde die Laterna magika für zwanzig Jahre eine eigenständige Organisation, die teilweise aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde und die auch weiter ein multimediales Tanztheater produzierte, auch in Koproduktion mit dem Ausland: zum Beispiel die Legende der Argonauten, entstanden anlässlich der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Athen im Jahre 2004 oder die Inszenierung Rendez-vous in Koproduktion mit französischen Künstlern, die in einem zauberhaften Steinbruch in der Provence ihre Premiere feierte. Im Jahre 2010 wurde die Laterna wieder Teil des Nationaltheaters, unter dessen Fittichen sie einst auch entstanden war, und knüpft weiter an die Geschichte des multimedialen poetischen Theaters an.

Die Laterna magika heute

Für ausländische Zuschauer sind vor allem die Inszenierungen Human Locomotion und Cube geeignet, die mit einem dynamischen Lichtdesign, Projektionen, Video-Mapping und modernem Ausdruckstanz arbeiten. Einen Querschnitt durch die Prinzipien der Laterna magika bietet die Inszenierung Cocktail 012 – The Best of, die nicht nur eine Rekonstruktion jener berühmten Halsbrecherischen Fahrt, sondern auch die beliebtesten Tanznummern aus dem neuesten Repertoire der Laterna magika enthält. Und im Repertoire findet sich auch weiterhin der Fixstern Zauberhafter Zirkus. In den 41 Jahren seiner Existenz haben sich allein in den 4 Hauptrollen ganze 102 Solotänzer abgewechselt!

Mehr unter https://www.narodni-divadlo.cz/en/laterna-magika

Bildnachweis:
Laterna magika - Expo 58: Sylva Daníčková und Jiří Šlitr
Rubrik: Wirtschaft | 18. April 2018, 09:10 Uhr
Gefahr für den Standort: Fachkräftemangel und politische Instabilität - Dennoch: Tschechien erneut das attraktivste Land in MOE-Region

Prag – Die Wirtschaftslage in Tschechien ist die beste seit anderthalb Jahrzehnten, ganze 73 % der Investoren bewerten sie als "gut". Auch bei den eigenen Geschäftsaussichten herrscht kräftiger Optimismus, die Erwartungen beim Exportabsatz sowie die Investitionspläne der Unternehmen deuten auf Hochkonjunktur. Dies zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK), die seit 2002 die Stimmung unter Investoren in Tschechien erhebt. Doch das gute Stimmungsbild zeigt zunehmend Risse: der Fachkräftemangel und eine noch nie dagewesene Lohnkostensteigerung verderben die Laune. Zudem verweisen die Investoren den Standortfaktor "politische Stabilität" überraschend eindeutig auf den vorletzten Platz. Drei Viertel von ihnen rechnen mit instabileren und weniger berechenbaren politischen Verhältnissen. Im mittel- und osteuropäischen Vergleich jedoch hat sich Tschechien wieder Platz 1 als attraktivster Investitionsstandort gesichert.

Wirtschaftslage mit Spitzenwerten

Die Stimmung unter Investoren erreicht einen neuen Höchststand. Fast drei Viertel (73 %) bewerten die aktuelle Wirtschaftslage in Tschechien als "gut" und nur 2 % als "schlecht" - so wenig wie noch nie. Damit übertraf die Bewertung deutlich die Euphorie von 2004 ("gut": 64 %; schlecht: 4 %), das Jahr des tschechischen EU-Beitritts. Was die Aussichten für den Jahresverlauf 2018 betrifft, so glaubt nur ein Viertel der Unternehmen an eine weitere Verbesserung – ein Beleg dafür, dass sich die tschechische Wirtschaft einer Hochkonjunkturphase nähert.

Exporteure strotzen vor Optimismus

Bei den Aussichten für das eigene Geschäft rechnen die Investoren allerdings weiter ungebremst mit Wachstum. Ganze 53 % erwarten eine Steigerung des Exportabsatzes, das sind 12 % mehr als im Vorjahr, zwei Drittel der Unternehmen gehen auch von wachsenden Umsätzen aus. „Wie man sieht, hat das Ende der Währungsintervention die Exporteure nicht auf dem falschen Fuß erwischt. Mehr als die starke Krone, machen die personellen Engpässe bei vollen Auftragsbüchern den Unternehmen einen Strich durch die Rechnung“, meint DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer.

Krisenstimmung im HR-Bereich, Lohnkosten schnellen nach oben

Bereits zum dritten Mal in Folge verweisen die Investoren den Standortfaktor "Verfügbarkeit von Fachkräften" im Ranking auf den letzten von insgesamt 21 Plätzen. Gleichzeitig wollen die Unternehmen aufgrund der ausgezeichneten Auftragslage im Vergleich zum Vorjahr auch wieder mehr Mitarbeiter einstellen. "Die Vollbeschäftigung im Land wird zunehmend zu einem Problem!", meint auch der Commerzbank-Chef für Tschechien und die Slowakei, Michael T. Krüger.

Spiegel dieser Entwicklung sind die bereits im letzten Jahr in vielen Branchen rasant gestiegenen Lohnkosten, und dieser Trend setzt sich fort. Zwei von fünf Unternehmen rechnen mit einer heftigen Steigerung der Lohnkosten von mehr als 8 %, über die Hälfte stellt sich auf bis zu 8 % ein. Infolgedessen stürzt der Standortfaktor "Arbeitskosten" auf Platz 11 ab und zeigt damit, dass Tschechien diesen Wettbewerbsvorteil langsam einbüßt. Vor drei Jahren war der Faktor noch unter den Top 5. Immer unzufriedener sind die Manager auch mit der "Qualifikation der Arbeitnehmer" und dem "Berufsbildungssystem", das für Dauerkritik sorgt.

Fachkräftemangel als Treiber für Investitionen

So investitionsfreudig wie 2018 zeigten sich die Unternehmen in der Umfrage noch nie. 55 % der Betriebe rechnen mit steigenden Investitionsausgaben, ein Zuwachs von 14 % gegenüber dem Vorjahr. „Ein Gutteil dieser Gelder dürften Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung sein. Viele Betriebe erhoffen sich damit auch mehr Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt“, so Krüger.

Absturz beim Faktor "politische Stabilität", Czexit-Debatte beunruhigt

Die politische Hängepartie verunsichert die Unternehmen. Der Standortfaktor "politische Stabilität" verzeichnete gegenüber dem Vorjahr einen steilen Absturz von Platz 11 auf den vorletzten Platz (20). Über zwei Drittel der Unternehmer und Investoren stufen stabile politische Verhältnisse als wichtig oder sehr wichtig für das eigene Business ein. So ist der Befund alarmierend: Drei von vier erwarten, dass die politische Lage noch instabiler und unberechenbarer wird.

Dazu beigetragen hat auch die aktuelle Debatte um einen EU-Austritt des Landes. Insgesamt 83 % der ausländischen Investoren und sogar zwei Drittel der tschechischen Firmen beunruhigt die Debatte, wie die März-Umfrage der DTIHK zum Thema "Czexit" zeigen konnte. Und so ist auch in der aktuellen Konjunkturumfrage der Standortfaktor "EU-Mitgliedschaft" im Ranking erneut auf Platz 1 gelandet.

MOE-Vergleich: Tschechien wieder Nr. 1 

Tschechien genießt erneut den Spitzenplatz in der Rangliste der 16 mittel- und osteuropäischen Investitionsstandorte und baut den Vorsprung vor Polen, Estland  und der Slowakei sogar noch aus.

 

Zur Umfrage

  • Befragungszeitraum: Februar 2018
  • Teilnehmerkreis: Mitgliedsunternehmen der DTIHK und deutsche Unternehmen in Tschechien
  • Teilnehmerzahl: ca. 130
  • Beteiligung nach Sektoren: 56 % verarbeitendes Gewerbe, 25 % Dienstleistungen, 16 % Handel, 2 % Bauwirtschaft, 1 % Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung

Über die DTIHK

Die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer feiert 2018 ihr 25-jähriges Jubiläum. Sie gehört zum Netz der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) und ist mit ihren rund 680 Mitgliedern die größte bilaterale Auslandshandelskammer in Tschechien. Ihre Aufgabe ist es, das deutsch-tschechische Business und die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit beider Länder zu fördern. Die DTIHK verfolgt aktuelle Trends und beschäftigt sich intensiv mit denen, die das größte Potenzial für die deutsch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen haben. So stieß die Kammer 2015 in Tschechien eine breite Diskussion zu Industrie 4.0 an und organisiert seit 2016 den Wettbewerb "Connect Visions to Solutions", um etablierte Industrieunternehmen und Startups zusammenzubringen. Diese Aktivitäten vertiefte die Kammer 2017 durch das TopThema "Intelligente Infrastruktur". 

12. April 2018, 21:10 Uhr
Führung am 18. April 2018 um 18.00 Uhr

Wir möchten Sie herzlich zur kommentierten Führung durch die Ausstellung der deutschen Malerin ANTOINETTE mit dem Namen "Mythos Europa" einladen. Die Führung findet am 18. April 2018 um 18.00 Uhr auf Deutsch statt. Durch die Ausstellung führt die Kuratorin Prof. Dadja Altenburg-Kohl.

Anmeldung erbitten wir bis zum 16. April unter info@museummontanelli.com oder telefonisch unter +420 724 992 545.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland, S.E. Dr. Christoph Israng.

Die Ausstellung findet mit der finanziellen Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und des Staatlichen Kulturfonds der Tschechischen Republik statt.

Rubrik: Kultur, Bildende Kunst | 10. April 2018, 09:40 Uhr
Ausstellung in der Galerie Rudolfinum vom 10. April bis 8. Juli 2018

Prag - Ein Mitglied der YBAs, Young British Artists, genannten Gruppe in der ersten Hälfte der 90er Jahre zu sein bedeutete ein Teil der künstlerischen Gang zu sein, die zum Durchsetzen der britischen Kunst in der Welt beigetragen hat. Mat Collishaw gehörte zum Kern dieser Gruppe. Sein erstes Werk, das ihn berühmt machte – Bullet Hole – stellte er im Jahr 1988 auf Freeze aus, einer Ausstellung, die sein naher Freund Damien Hirst veranstaltete. Das Werk war brutal, riesig und den Kritikern nach wies es im besten Fall auf das religiöse Echo des ungläublichen Thomas' Motivs hin, im schlimmeren Fall rief es sexuell gefärbte Vorstellungen hervor. Die ganze Gruppe produzierte eine Art Kunst, die auf Horror, Schock und Skandal baute, also auf den künstlerischen Vorgehensweisen, die in tabloids, den Tageszeitungen mit großen Schlagzeilen, eine Paralelle und auch Unterstützung fanden. Kaum jemand hat aber damals bemerkt, dass ihr Schaffen eine tiefere und ernstere Bedeutung hatte. Mit der Zeit wurden die, die verharrten, ernster, ihre Werke verinnerlichten sich, die absichtliche Kontroverse war nach zwanzig Jahren schon ein Teil des künstlerischen Establishments, also nicht mehr interessant, Wege trennten sich, jeder suchte sein eigenes Thema.

Die Prager Ausstellung von Mat Collishaw (1966) mit dem kennzeichnenden Titel „Stehende Gewässer“ wird mit einem fast prophetischen und zugleich programmatischen Photo eingeleitet, dem Autoporträt Narcissus aus dem Jahr 1990, das einen jungen Künstler zeigt, der im Schlamm auf der Londoner Straße liegt und mit einer gewissen ironischen Hyperbel sein Gesicht in der schmutzigen Pfütze wohlgefällig betrachtet. Man sieht das Hohe und das Niedere, das ephemer Erhabene und den schlammigen Dreck, ausweglose Zeitlosigkeit und den Hinweis auf die antike Sage. Mit ein bisschen Übertreibung kann man sagen, dass Collishaws künstlerische Laufbahn, die er schon lange folgt, sich gerade in diesem Rahmen konsistent und ständig entwickelte.

Für die Ausstellung in der Galerie Rudolfinum wurde, bis auf ein paar Ausnahmen, der Querschnitt durch das aus dem vergangenen Jahrzehnt stammende Werk des heute fast zweiundfünfzigjährigen Künstlers ausgewählt. 

Zu der Ausstellung wird ein Katalog mit dem grundlegenden Essay vom Kurator der Ausstellung Petr Nedoma und dem Interview von Kurator der Nationalgalerie Otto Urban mit dem Künstler herausgebracht. Neben Reproduktionen von allen ausgestellten Werken beinhaltet der Katalog auch Aufnahmen aus der ganzen Ausstellungsinstallation. Diese wurden erst direkt vor der Eröffnung der Ausstellung gemacht, deswegen erscheint der Katalog erst am Anfang Mai.

Die Ausstellung "Mat Collishaw. Standing Water" ist dank der Unterstützung der Stiftung Nadační fond AVAST kostenlos zugänglich. (nk)

Bildnachweis:
Mat Collishaw, Albion, 2017, Courtesy the artist and BlainSouthern, Photo Peter Mallet