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Tschechien OnlineTschechien Online | 21. Juli 2021, 00:03 Uhr

Prag - Als Nachbarland von Deutschland gehört Tschechien zu den beliebten Urlaubszielen. Es handelt sich um ein Land, das oft erst auf den zweiten Blick seine Schönheit offenbart. Wer aber Interesse daran hat, diese Schönheit zu erkunden, der kann sich auf den Weg machen. Mit einem Kanu und Paddelzubehör kann es direkt auf die Flüsse gehen

Ideale Flussstrecken warten auf die Entdeckung

Wer gerne mit dem Kanu und dem Paddel unterwegs ist, der findet in Tschechien die besten Voraussetzungen. Die Flussstrecken sind hier sehr gut ausgebaut. Ein großer Vorteil ist, dass sich viele der Strecken auch von Deutschland aus gut erreichen lassen. Wer also direkt in Deutschland schon auf das Wasser gehen möchte, der kann das tun. In Tschechien selbst sind viele verschiedene Möglichkeiten zu finden. Höhenzüge treffen auf Ebenen und Täler. Es ist daher kaum verwunderlich, dass die Kamera eigentlich immer im Anschlag ist

Pausen sind so gut wie überall möglich

Bei der Planung von Touren auf dem Wasser dürfen natürlich auch die Pausen nicht fehlen. Hier ist Tschechien ebenfalls eine ideale Grundlage, denn viele der kleinen Städte liegen direkt am Wasser und behalten viel zum Entdecken bereit. Oft sind es eher kleine Städtchen, die eine lange Tradition haben und deren Kern noch aus dem Mittelalter stammt, wie zum Beispiel Český Krumlov in Südböhmen (Foto). Wer sich die Zeit nimmt und einige Besichtigungen einplant, wird das nicht bereuen. 

Die bekannteste Route in Tschechien 

Zahlreiche Flüsse ziehen sich durch Tschechien und einer der bekanntesten davon ist wohl die Moldau. Der Fluss wird weniger durch die Wasserschwankungen geprägt, die gerade bei den kleinen Flüssen einen großen Einfluss haben. Die Moldau kann normalerweise das ganze Jahr über befahren werden. Sie führt durch den Böhmerwald und auch durch Südböhmen und macht es möglich, die Teiche dort zu besichtigen. 

Wer gerne zum Rudern gehen möchte, der wird also für die Moldau, die in Tschechien Vltava genannt wird, zahlreiche Möglichkeiten finden. Bis zu 100 km sind es, die hier befahren werden können – auch mit Nebenflüssen. Es kann sich lohnen, nicht nur Tagestouren einzuplanen, sondern auch über mehrere Tage auf den Flüssen zu fahren und sich die Möglichkeiten offenzuhalten, öfter eine Pause zu machen und Besichtigungen durchzuführen. (dap)

Tschechien OnlineTschechien Online | 20. Juli 2021, 23:17 Uhr

Prag - Ein Urlaub in Tschechien ist nicht mit einer Fahrt mit einer Fähre nach Schweden gleichzusetzen. Bei einer Fahrt nach Tschechien taucht man ein in ein Land mit viel Geschichte, Kultur und Natur.
Viele Urlauber, die bereits in Tschechien Urlaub gemacht haben, meinen, dass sie in einem Märchenland mit vielen Bergen, Wäldern, Burgen, mittelalterlichen Städten und abwechslungsreichen Landschaften Urlaub gemacht haben.

Was kann man in Tschechien sehen?

Wer Urlaub in Tschechien macht, wird um die Hauptstadt Prag nicht herumkommen. Hier sollte man herkommen um eine der schönsten Städte Europas zu bestaunen. Prag war schon oft Kulisse bekannter Filme gewesen.
Neben der tschechischen Hauptstadt kann man Aktivurlaub machen: Es gibt zahlreiche Wandermöglichkeiten, Skigebiete, Naturparks, Kursstädte, Wellnessangebote und viele bemerkenswerte Städte, die gut erhalten sind.

Ein Land mit viel Geschichte

Tschechien überzeugt mit einer reichen Geschichte und Kultur. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Land eines der reichsten Länder Osteuropas. Die Industrie blühte auf und die Kulturszene war eine der lebendigsten in Europa. Es war nicht verwunderlich, dass die Tschechische Republik in der Vergangenheit ein großer Magnet für bekannte Künstler, Architekten und Schriftsteller war.

Das Land ist auch heute noch eines dieser Länder, welches man in seinem Leben besucht haben sollte. Die Hauptstadt Prag ist eine magische Stadt, welche eine der schönsten Metropolen in Europa ist.

Anreise in die Tschechische Republik

Zwar gibt es Flugverbindungen nach Prag, allerdings sind die Zug- und Busverbindungen so schnell, dass das Fliegen sich nicht lohnt. Mit der Bahn sind es von Nürnberg bis Prag nur 3,5 Stunden. Mit dem Bus ist man von Berlin 5 Stunden unterwegs.

Übrigens besitzt das Land ein sehr gutes Schienennetz. Von Prag aus kommt man mit der Tschechischen Bahn (České drahy) schnell in jede Region des Landes. Wo keine Bahn mehr fährt, kommt man mit einem lokalen Bus schnell voran.

Unterkünfte in der Tschechischen Republik

Wer auf Komfort setzt, wird in Tschechien keine Probleme haben ein angemessenes Hotel zu finden. Auch die Aktivurlauber werden in dem Land fündig. Es gibt zahlreiche Anbieter für Ferienwohnungen und Häuser, wo man mit der gesamten Familie inklusive Hund Urlaub machen kann. Alternativ kann man in kleinen komfortablen Holzhütten mitten in der Natur Urlaub machen. Diese Unterkünfte eignen sich ideal für Wandertouren. (dap)

Tschechien OnlineTschechien Online | 20. Juli 2021, 00:35 Uhr

Prag - Die tschechische Hauptstadt hat viel zu bieten. Wer jedoch nicht die nötige Zeit mitbringt, um alle Sehenswürdigkeiten und interessanten Plätze zu besichtigen, sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren. Diese fünf Stationen sollten bei einer Tagestour auf keinen Fall fehlen.

Station #1: Wenzelsplatz

Es gibt zahlreiche 3D Videos in den sozialen Medien, auf denen die Schönheit und Einzigartigkeit dieses Platzes online zu sehen ist. In echt wirkt der 700 Meter lange Platz dann aber doch noch einmal viel imposanter. Wer den Platz mit den zahlreichen Shops vom Nationalmuseum (Foto) aus entlangläuft, kommt irgendwann automatisch an der nächsten Station an. 

Station #2: Altstädter Ring

Am Altstädter Ring befindet sich der Rathausturm mit seiner beeindruckenden astronomischen Uhr. Vom Turm aus bietet sich eine schöne Aussicht über die komplette Altstadt. Wer möchte, kann in einem der zahlreichen Restaurants hier in der Gegend eine kleine Pause einlegen und sich mit einer deftigen Mahlzeit und einem guten Bierchen stärken, bevor es zur nächsten Station geht. 

Station #3: Karlsbrücke

Die Karlsbrücke gilt als eines der wichtigsten Wahrzeichen von Prag. Dementsprechend wird sie auch von Touristen frequentiert. Neben der beeindruckenden Architektur machen hier vor allem die Souvenirverkäufer und Straßenmusiker den Charme aus. Doch Vorsicht: Auch Taschendiebe gehen hier liebend gerne ihrem Geschäft nach. 

Station #4: Die Prager Burg

Wer nach der Brücke den „Königsweg“ entlanggeht, landet nach einem etwas längeren Spaziergang mit einem kleinen steilen Anstieg bei der Prager Burg. Ein Highlight bei der Burg ist das „goldene Gässchen“, in dem auf Nummer 22 der berühmte Schriftsteller Franz Kafka einst wohnte. Die Prager Burg selbst kann kostenlos besichtigt werden, gegen Aufpreis gibt es aber auch geführte Touren

Station #5: Die Moldau

Wer nach dieser ausführlichen Tour noch Zeit findet, sollte unbedingt eine Bootsfahrt auf der Moldau unternehmen. Die Touren werden an vielen unterschiedlichen Stellen angeboten und dauern rund eine Stunde. 
Das ist die ideale Gelegenheit, um den Tag in Prag bei einem gemütlichen Bier ausklingen zu lassen und dabei vom Fluss aus noch einmal einen Blick auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu werfen. Unter anderem kann hier die Karlsbrücke noch einmal ganz ohne Andrang aus einer anderen Perspektive genau unter die Lupe genommen werden. (dap)

prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Kultur | 14. Juli 2021, 09:06 Uhr
Neueinspielungen handschriftlicher mittelalterlicher Fundstücke aus tschechischen Archiven - eine Übersicht / Von Michael Magercord

Prag - In schöner Regelmäßigkeit werden in tschechischen Archiven mittelalterliche Handschriften gesichtet, oftmals Notenblätter von Liedern oder klösterlichen Chorwerken. Und ebenso regelmäßig erscheinen Neueinspielungen der Fundstücke – eine Übersicht.

Mittelalterliche Handschriften stammen aus einer fernen Welt, trotzdem senden sie ihre Signale in die Gegenwart. Ob sie in Mönchsklausen entstanden waren oder fürstlichen Schreibstuben, diese Manuskripte sind greifbare Dokumente ihrer Zeit und des regen geistigen Lebens an den Orten ihrer Entstehung. Und nicht zuletzt sollen sie viele Jahrhunderte später noch beweisen, auf welch tiefen Fundamenten die gegenwärtige Gesellschaft ruht.

In der tschechischen Geschichtsschreibung spielen die Funde von mittelalterlichen Schriftwerken eine besonders große Rolle. Vor allem in der Zeit der nationalen Erweckung im 19. Jahrhundert dienten sie als Zeugnis der Jahrhunderte alten tschechischen Kultur. Um schlagkräftige Beweise für ihre Geschichte zu liefern, waren diese Dokumente so wichtig, dass sie sogar gefälscht wurden. Bekannteste Beispiele sind die Königinhofer und die Grünberger Handschrift.

1817 „entdeckte“ der junge Slawist Václav Hanka in Dvůr Králové nad Labem / Königinhof eine Sammlung von Pergamentblättern aus dem Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts. Darauf fanden sich Gesänge und Lieder über das Heldentum der alten Tschechen im Kampf gegen ihre Feinde, die umgehend von Jan Tomášek neu vertont wurden. Noch bis 1886 galten sie als eines der ältesten Werke der tschechischen Nationalliteratur und dienten als Beweis, dass Tschechisch eine eigenständige Schriftsprache sei. Heute scheint klar: es war eine Fälschung. Unstrittig als Nachahmung wurde die ebenfalls 1817 vorgestellte Grünberger Handschrift entlarvt. Ihr Inhalt und ihre angebliche Datierung lag einfach zu weit zurück, handelte sie doch von der vorchristlichen Mythologie über die Fürstin Libussa.

Aber natürlich sind nicht alle Fundstücke gefälscht, selbst wenn man in den Zeiten ihrer Entdeckung Zweifel an ihrer Echtheit hegte. Das Alexander-Lied aus dem 13. Jahrhundert und die Chronica Boemorum von Cosmas aus dem 12. Jahrhundert sind heute weitgehend anerkannte Belege für die lange zurückreichende literarische Tradition der Tschechen. Trotzdem werden die Manuskripte immer wieder chemisch untersucht. Zu bedeutend für das tschechische Selbstverständnis scheinen diese Zeugnisse immer noch zu sein, als dass man sich dem geringsten Verdacht, Fälschungen aufgesessen zu sein, ausgesetzt sehen möchte. Für den tschechischen Mediävist Dalibor Dobiáš ist im Rückblick auf die kulturelle Erweckung im 19. Jahrhundert klar: „Unsere Geschichte wäre ohne die Handschriften ganz anders verlaufen“.

Unter den Manuskripten finden sich viele Niederschriften von Liedern und Chorwerken. Und wenn der Blick zurück schon so wichtig ist, dann liegt es nahe, die Musik der Epoche nun wiederzubeleben. Vor zwei Jahrzehnten bereits hat das Label Studio Matouš (http://www.matous.cz/stredoveka-hudba) eine Sammlung mit 2 CDs mit Liedern und Instrumentalmusik aus dem Hochmittelalter vorgelegt. Das Ensemble Ars Cameralis um den Musikhistoriker Lukaš Matoušek hat populäre polyfonische Werke aus der Karlsuniversität eingespielt, die von Studenten und Gelehrten gepflegt wurden. Eine weitere CD führt uns ins böhmische Weihnachtsfest der Spätgotik, darunter Kompositionen, die sich in der Handschrift des Codex Speciálník, der um das Jahr 1500 entstanden war, fanden.

Vor zwei Jahren dann knüpfte die Cappella Mariana unter der Leitung von Vojtěch Semerád mit ihrer von der Kritik hochgelobten CD “Praga Rosa Bohemiae” daran an. Diese Sammlung von Musik der Renaissance beginnt mit Stücken aus dem Codex Speciálník und spannt den Bogen in das Prag des Kaisers Rudolf. Böhmens Hauptstadt war ein kultureller Schmelztiegel, in dem die unterschiedlichsten Musikstile zur Geltung kamen, von italienisch inspirierter Polyfony bis zur franko-flämischen Stabat Mater von Josquin Desprez, deren einzige originale Aufzeichnung sich in der Musiksammlung der Literarischen Brüderschaft von Rokycany erhalten hat.

Ein Klangkörper, der sich besonders um die Wiederbelebung des musikalischen Erbes des Mittelalters verdient macht, ist das Tiburtina Ensemble und seine musikalische Direktorin Barbora Kabátková. 2011 sangen die elf Frauen drei Chorwerke über die christlichen Märtyrinnen Katharina, Barbara und Margarete auf ihrer ersten CD „Flos inter spinas”, Blüten unter Dornen. Die Motetten wurden im Spätmittelalter im benediktinischen Konvent von St. Georg auf der Prager Burg oft gesungen und haben sich im Bamberger Codex wieder auffinden lassen.

Zwei Jahre später wagten die Sängerinnen ein außerordentliches Projekt: Apokalypsis (http://www.omm.de/cds/etc/apokalypsis.html). Für das innovative Prager Jazz-Label Animalmusic entstand diese Crossover-Produktion mit dem Gitarristen DD und Saxophonisten XX. Grundlage ist der Codex Las Huelgas, eine Handschrift aus dem Nonnenkloster Santa Maria im spanischen Burgos. Die Tiburtinerinnen singen die polyfonen, über 600 Jahre alten und doch so frischen Kompositionen, die Jazzformation steuert dunkle Basstrommeln, Saxophonklänge und melancholische Gitarrenimprovisationen bei. Konnte das gut gehen? Ja, und wie!

Jetzt folgte im Juni die neue CD der mutigen Frauen, die zurückkehren zur böhmischen Liturgie aus dem frühen 15. Jahrhundert. Das handgeschriebene “Jistebnicer Hymnenbuch” enthält tschechische Texte, die aus dem Lateinischen übersetzt wurden, genauso wie originale tschechische Hymen aus der Zeit um 1430. Es ist die größte und wichtigste Quelle der hussitischen Liturgie und des profanen Gesangs in Böhmen, die heute im Prager Nationalmuseum verwahrt wird. 1872 hatte es der Student Leopold Katz im Presbyterium des südböhmischen Dorfes Jistebnice entdeckt. Kurz darauf fanden einige Melodien daraus Eingang in die symphonischen Gedichte “Tábor” und “Blaník” aus dem Zyklus “Mein Vaterland” von Bedřich Smetana.

Die allerneuste CD, die mittelalterliche Musik präsentiert, schließt quasi daran an und geht doch zumindest im musikalischen Stil weiter zurück. Die international renommierte Schola Gregoriana Pragensis bringt die Zeitspanne unmittelbar vor und nach den Hussitenkriegen zum Klingen. War zuvor die gregorianische Musik das Maß der Dinge, so versuchten danach die alten Institutionen der Kirche und Gelehrsamkeit mithilfe von gregorianischen Chorgesängen wieder an die glorreiche Zeit vor den Aufständen anzuknüpfen. Sie ließen ihre Mönche und Studenten die liturgischen Werke singen und hofften, damit auch ihre aufmüpfigen Gedanken in die alten Bahnen zu lenken.

Ob das gelang? Zeitgenössischen Berichten zufolge eher nicht, die Studenten gaben sich der flotten Volksmusik hin und frönten des verbotenen Tanzes. Politisch und religiös blieb Böhmen geteilt und unruhig, erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde es ein fester Bestandteil des katholischen Habsburger Reiches. Im 19. Jahrhundert gewann die Musik des Mittelalters und ihre handschriftlichen Aufzeichnungen im Zuge der nationalen Erweckung wieder an neuer Bedeutung. In unseren beschleunigten Zeiten wiederum mag die Wiederbelebung der Musik des Mittelalters und ihrer spirituellen Tragweite wohl eher der Muße und Erquickung der gestressten Seelen dienen – was beileibe nicht das Schlechteste ist. (mm)

 

Angaben zu den drei jüngsten Neuerscheinungen:

  • Cappella Mariana, Vojtěch Semerád: Praga Rosa Bohemiae - Musik der Renaissance aus Prag

2019 - SU 4273-2

https://www.supraphon.com/album/497394-praga-rosa-bohemiae-music-in-rena...

 

  • Tiburtina Ensemble: Jistebnický kancionál

April 2021 - SU 4291-2

https://www.supraphon.com/album/618480-jistebnicky-kancional

  • Schola Gregoriana Pragensis: Septem dies

Juni 2021 - SU 4282-2

https://www.supraphon.com/album/627977-septem-dies-music-at-prague-unive...

 

Weitere Informationen und Hörbeispiele unter: www.supraphon.com

Rubrik: Fußball | 12. Juli 2021, 10:55 Uhr
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004

Was soll man diesem Spiel noch groß hinzufügen? Alles gesagt, alles geschrieben. Erdbeer-Nick gewinnt 20 oder 30 Bier im Fraktal und hätte sonst was dafür gegeben, die Biere zahlen zu müssen. Sein masochistischer Tip: Italien schlägt England 3:2. Vollkommen korrekt, nach dem 1:1 nach Verlängerung fanden nicht mehr Elfmeter den Weg ins Ziel, drei von neun, wenn ich richtig mitgezählt habe. Dabei hätte England dieses Desaster locker verhindern können. Hätte, hätte, Kettenöl. Aber der englische Angsthasenfußball hat vollkommen zu Recht verloren, wer ab der zweiten Minute, dem überraschenden Führungstor, auf Zeit spielt, hat es nicht besser verdient. Das war die Essenz des gesamten Turniers, was England im Finale abgeliefert hat. Wenn man gewinnt, ist es taktische Reife. Wenn man verliert, ist es das, was man in England seit einem halben Jahrhundert weiß: Taktisch ist die Mannschaft vielen anderen unterlegen. Über Italien muss man gar nicht reden. Unfassbar, wie England nach dem Führungstreffer immer mehr in Schockstarre verfällt. Und dann die Elfmeter, die Auswechslungen kurz zuvor, Trainer Southgate, zu deutsch, Südtor, transportiert sein Trauma anno 1996 auf die gesamte Mannschaft. Mann, Mann, Mann, England kennt Italien nicht, die Macchiavelli-Schule, Chiellini und Bonucci, die notfalls eben auch vorne für das obligatorische Tor sorgen.

Sterling taucht ab und nie wieder auf

Was habe ich während des Spiels über Sterling geschrieen, Schwalbenkönig, was auf englisch „Taucher“ heißt. Erdbeer-Nick und Leicester-John mussten das über sich ergehen lassen, ich habe ihnen aufs Brot geschmiert, dass sie sich immer darüber aufregen, wenn er das in den Farben von Man City gegen Liverpool oder Leisester macht. Mein Gott, was für ein guter Fußballspieler und macht sich das durch seine Sturzmanie kaputt! Im Endspiel war dann aber Schluss mit lustig, der niederländische Referee Kuipers hat nur müde abgewinkt, das war die beste Schiedsrichterleistung seit langem, eindutig der beste Mann auf dem Platz!

Alles Kopfsache

Tja, England, den Titel haben sie auf dem Silbertablett präsentiert bekommen, doch vergessen zuzugreifen. Im Kopf werden solche Spiele entschieden, da hatte England nach dem Führungstor plötzlich etwas zu verlieren, nicht zu gewinnen. Italien hat das sehr klug gemacht, die Mannschaft hat sich ins Spiel zurückgearbeitet und irgendwann getroffen, nach einem Eckball, den Verrati – der Mann misst nicht einmal eins siebzig – an den Pfosten geköpft hat – wie zum Teufel kann der da überhaupt an den Ball kommen? Den Abpraller netzt Bonucci ein, wenn er es nicht gemacht hätte, hätte es Elfmeter geben müssen, Foul an Chiellini, den anderen italienischen Innenverteidiger Mitte dreißig. Das war die logische Konsequenz aus Englands Taktik der Spielverweigerung. Es ist nach wie vor für mich unfassbar, wie die Mannschaft dieses Spiel aus der Hand geben konnte. Schon nach einer halben Stunde musste ich sagen: „Das Tor ist gut für England, aber Gift für das Spiel.“

Frühes Tor – Gift für das Spiel

Später habe ich mich korrigiert, das Tor war nicht nur Gift für das Spiel, sondern vor allem für England, das dem Druck einfach nicht gewachsen war. 55 Jahre später war Wembley einfach zu groß, aber ich habe einen Trost für meine englischen Freunde, ein großes Team wächst durch große Niederlagen zusammen. In eineinhalb Jahren ist die WM in Katar, da gibt es kein Wembley, keinen Boris Johnson, der das Turnier zur eigenen Machtstärkung überhöht, da können die Spieler befreit aufspielen, vielleicht befreit sie Südtor auch endlich von diesen absurden Defensivfesseln, die er der Mannschaft aufgezwungen hat, in dem Wissen, dass so viel Offensivtalent irgendwann auch trifft.

Ja, damit ist auch endgültig die Ära Löw zu Grabe getragen, mit einem Weltmeister Italien, 2006, Löw noch als Co-Trainer, und einem Europameister Italien. Dazwischen die epische Niederlage im EM-Halbfinale gegen Italien mit Toni Kroos als Manndecker gegen Pirlo und einem Viertelfinalsieg in einem arg wackligen Elfmeterschießen (Glücksschütze Jonas Hector) 2016. Italien, das ist das Maß der Dinge im Fußball, dort wurde schon Fußball gespielt, als England noch christianisiert werden musste, von wegen, der Fußball kommt heim, das ist doch pure Geschichtsklitterung.

Italien – das wahre Mutterland des Fußballs

Mit Italien hat das beste Team des Turniers gewonnen, nun, vielleicht nicht das beste in allen Bereichen, aber das beste, wenn man die Gesamtleistung betrachtet. England bleiben ein paar Tränen und vielleicht danach ein bisschen Scham, nicht nur über die fußballerische Leistung, bei der das Team weit hinter den Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Vielleicht sollten die Spieler mal an Messi denken, der etwa 20 Stunden vor dem europäischen Finale seinen ersten Titel mit Argentinien gewonnen hat. Im Finale war Messi nicht der große Star, der Held, sondern einfach nur einer von elf Spielern auf dem Platz, der seinen Anteil am Großen und Ganzen beigetragenn hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So, Schluss mit der Corona-EM, dem absurden Turnier EM 2020 im Jahre 2021, der EM ohne Gastgeberland, aber mit England, das fast nur Heimspiele hatte, einer zynischen Politik von Johnson und Orban, die bedenklos die Stadien gefüllt haben, Spielen in Baku am Rande des Wahnsinns, einer EM, die sportlich um Längen besser war als das aufgeblähte Turnier vor fünf Jahren, England hat das Finale verdient verloren – aber hat es ins Finale geschafft. Meine Prognose: In den nächsten drei Jahren ist die Mannschaft für einen großen Titel reif, es sei denn, der Trainer macht den Löw (in seiner Spätzeit). Schluss, Vorhang, es hat Spaß gemacht, auf Wiedersehen.