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Tschechien OnlineTschechien Online | Rubrik: Reise | 1. Februar 2023, 18:22 Uhr

Prag - Die Reiseplanung beginnt bei der Auswahl von Route und Zeitpunkt und endet bei einer passenden Unterkunft und allen nötigen Unterlagen. Der Drahtseilakt während der Organisation: alle Faktoren müssen zum Budget passen. Gerade bei Rundreisen gibt es einige hilfreiche Tipps, die den finanziellen Einsatz schmälern und das Erlebnis trotzdem im vollen Umfang ermöglichen. 

Tipp 1: Das ideale Ziel für die Rundreise

Eine gute Vorbereitung spart Reisekosten und erleichtert den Roadtrip. Zunächst ist das Urlaubsziel zu wählen unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten und Strecken. Reiseziele innerhalb Europas sind deutlich günstiger als eine Fernreise auf einen anderen Kontinent. Trotzdem haben die Orte vor der eigenen Haustür mehr zu bieten, als zunächst gedacht. Am besten sollten verschiedene Länder und Regionen miteinander verglichen werden. Vom Urlaub an der Küste, Wandertouren durch Gebirgsregionen, bis hin zum Sightseeing durch ein bestimmtes Land hat Europa alles zu bieten. Etwas näher gelegene Reiseziele überzeugen mit kurzen Anfahrtswegen oder meist einer guten Verkehrsanbindung. Statt eines teuren Flugs gibt es günstige Tickets für Bus oder Bahn. 

Tipp 2: Reisen in der Nebensaison

Die Nebensaison bietet sich für einen Low-Budget-Urlaub förmlich an und bringt viele weitere Vorteile mit sich. Die meisten Unterkünfte und Hotels haben zwischen November und März Sonderpreise für die Gäste. Auch die Eintrittspreise für Sehenswürdigkeiten werden in dieser Zeit günstiger. Dabei können Reisende nicht nur am Budget sparen, sondern begegnen deutlich weniger Menschenmassen. Die Städte als auch die Einwohner wirken authentischer, als zur Hauptsaison. 

Außerdem sollte die Reisedauer im groben Rahmen bestimmt werden. Gerade bei Rundreisen ist vorher festzulegen, wie viele Tage pro Stadt oder Gebiet benötigt werden. Wer nichts dem Zufall überlassen will, bucht bereits die Verkehrsverbindungen zwischen den einzelnen Stationen der Reise und spart vorab. Der Nachteil: ein fest vorgeschriebener Plan hält aber nicht viel Spielraum für spontane Ausflüge bereit. 

Tipp 3: Urlaubskredit abschließen

Je nach Reisedauer oder persönlichen finanziellen Verhältnissen kann über ein Urlaubskredit nachgedacht werden. Besonders großzügige Reisen oder ferne Ziele sind gerade für Studenten oder junge Paare nicht zu stemmen. Statt den großen Traum der Rundreise zu vergessen, hilft die kleine Finanzspritze weiter und deckt verschiedene Kosten ab. Faire Konditionen und individuelle Angebote bei guter wie schlechter Bonität gibt es über auxmoney.com. Selbst für Studenten, Selbstständige oder Azubis werde passende Kredite vermittelt. So steht beispielsweise einer größeren Rundreise durch Ägypten oder den USA nichts mehr im Wege. 

Tipp 4: Günstig wohnen und selbst kochen

Wer zusätzlich sparen möchte, sollte sich die Übernachtungsmöglichkeiten genauer anschauen. Statt das Geld in teure Hotels zu investieren, locken kleine Apartments oder Ferienwohnungen. Hier steht Selbstverpflegung auf dem Plan und ist dank der eigenen Küchen oder der Gemeinschaftsküche sogar möglich. Mit nur wenigen und vor allem regionalen Zutaten lassen sich leckere Gerichte zubereiten. Die Einkäufe können in einem kleinen Supermarkt in der Nähe vorgenommen werden. Urlauber lernen so mehr über die alltäglichen Abläufe des Landes kennen, bekommen ein Gefühl für regionale Preise oder probieren neue und vor allem frische Lebensmittel selbst aus. 

Tipp 5: Öffentliche Verkehrsmittel nutzen

Der Transport und die Strecke zwischen den Sehenswürdigkeiten gehören zu den wohl größten Ausgaben auf der Reise. Als Alternative zum Taxi oder Leihauto gibt es öffentliche Verkehrsmittel oder gar den Weg zu Fuß. Städte lernen Urlauber ohnehin am besten zu Fuß kennen und durch moderne Navigation sollte der Weg durch die Fremde kein Problem darstellen. Kleine und malerische Gassen fernab der touristischen Zentren bieten ihren eigenen Reiz. Zu Fuß sind viele individuelle Stationen möglich, die bei einer streng geplanten Reise mit dem Taxi nicht sichtbar geworden wären.

Auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln lernen Urlauber viel von dem Land, der Kultur und den Menschen kennen. Die größte Herausforderung ist hier, sich mit den Tarifen und den Fahrplänen auseinanderzusetzen. Finanziell gesehen ist diese Art zu reisen trotzdem günstiger. Mit einem Tagesticket lassen sich vielleicht mehrere Fahrten kombinieren. 

Tipp 6: Frühzeitig buchen oder Last-Minute?

Der Buchungszeitpunkt hilft zusätzlich beim Sparen. Dabei gibt es zwei Varianten: für Kurzentschlossene oder leidenschaftliche Planer. Beim rechtzeitigen Buchen bleibt viel Auswahl, was die Übernachtungsmöglichkeiten und die Verkehrsverbindungen betrifft. Für fast alle beliebten Reiseziele gibt es entsprechende Rabatte, wenn frühzeitig für die Hauptsaison gebucht wird. Dann muss der Urlaub auch nicht in der Nebensaison stattfinden. Die andere Möglichkeit sind die Last-Minute-Schnäppchen. Sogar Rundreisen können auf den letzten Drücker geplant und durchgeführt werden. Verschiedene Reiseportale bieten ihre Schnäppchen sogar mit Flugreise oder gut ausgestatteter Unterkunft. 

Tipp 7: Kostenfreie Aktivitäten prüfen und einplanen

Rundreisen haben nicht immer etwas mit teuren Eintrittsgeldern oder beliebten Sehenswürdigkeiten zu tun. Um Geld zu sparen, sollten auch kostenlose Aktivitäten geprüft werden. Dazu gehören Parks oder Museen in der Nähe. Auch Naturlehrpfade bringen die Region näher. Für Familien mit Kinder sind Spielplätze ein Anlaufpunkt für die Reiseroute. Ebenso sollten günstige Restaurants und Bars in der Gegend gespeichert werden. Teilweise liegt die einheimische Gastronomie nicht weit von den touristischen Gebieten entfernt, ist deutlich günstiger und bietet eine ebenso gute Auswahl. (dap)

prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Kultur, Musik | 13. Dezember 2022, 08:34 Uhr
Es weihnachtet bereits ziemlich bedrohlich, Zeit für eine Geschenkidee / Von Michael Magercord

Prag - Was wären die Feiertage ohne die richtige musikalische Untermalung? Ein klarer Fall für Böhmen, wo doch bekanntlich ein jeder Musikant ist - und in Mähren natürlich auch.

Den nächsten Horizont hatte Vilém Veverka bereits vor zwei Jahren in den Blick genommen. Mit seiner CD "Next Horizon" legte der versierte Solo-Oboeist, der sonst das Feld der ernsten Musik beackert, zusammen mit seiner Ultimate W Band eine swingige Alternative vor. Das war allerdings nur eine kleine Überraschung, denn unter seinen etlichen Alben mit klassischer Musik waren so manche, die nicht unbedingt auf den ausgelatschten Pfaden unterwegs waren, so etwa gemeinsam mit der Harfenistin Kateřina Englichová die schönen Bearbeitungen von Werken Maurice Ravel und Luboš Sluka, der sie extra für dieses Duo komponiert hat.

Dann war es wohl Zeit für etwas ganz anderes. Mit seiner Band und dem Komponisten und Arrangeur Martin Hybler (von M. Polák auf dem Klavier liegend in einem Ölgemälde verewigt) bastelte er zwei Jahre lang an dem Konzept für einen eigenen Sound. Der Studienfreund aus der Prager Musikakademie HAMU sorgte für die Notierung und steuerte ein Stück bei, und so swingte er sich siebzig Minuten von Bach über Piazzolla bis Led Zeppelin dem nächsten Horizont entgegen. Und nun, einmal dort angekommen, erscheint pünktlich zu Weihnachten das neue Album mit einer Zusammenstellung von beschwingt beswingter klassischen Werken.

Am Anfang stand die Frage: Was hört er selbst am liebsten zu Fest? Barocke Musik - und genau die macht auf der neuen CD "Christmas Album" den Anfang: Vivaldis  "L'inverno", das darauf zum ersten Mal überhaupt mit einer Oboe eingespielt wurde. Aber der Sound ist ja ohnedies nicht unbedingt jener von Vivaldi, und obwohl der Klang der Band schon ausgetüftelt war, standen die Musiker jetzt vor der Herausforderung, wie man Weihnachtswerke mit ihrer besonderen Stimmung ins Heute überträgt. Es sollte ja weder zu oberflächlich werden, noch wollte man sich dem Hergebrachten unterwerfen. Martin Hybler sorgte mit seinen Arrangements für den Mittelweg zwischen Familienfest und Swingparty. Etliche alte Bekannte sind mit von der Partie, so etwa die Sopranistin Patricia Janečková, und alle gemeinsam bringen neben Bach und Piazzolla das Adagio von Samual Barber oder ein traditionelles ukrainisches Weihnachtslied zum Schwingen. Unterm Weihnachtsbaum darf dann ruhig auch mal mitgeschnippt werden, bis sich am Ende dank des Ave Marias von Antonín Dvořák die festliche Seligkeit wieder einstellt.

Er, der Komponist der "Neuen Welt", war es ja, der gesagt haben soll, dass jeder Böhme ein Musikant sei. Dass das stimmt, belegt schon die große Bandbreite der Volksmusik im Lande, die bis heute vielerorts gepflegt wird, nicht zuletzt zu Weihnachten. Und so findet sich auf einer weiteren CD zum Fest genau diese wunderbar direkte und ungekünstelte Volksmusik, die, weil sie eben wirkliche Volksmusik ist, so gar nicht schnulzig daherkommt, wie sonst so oft der hochgestylte Klangbrei, der uns zur Adventszeit schon aus den Ohren trällert. Unter dem Titel "Cesta světla" hat Jiří Slavík, Jazzer mit unbändigem Drang zur Folklore, gemeinsam mit dem bewährten Orchester und Kinderchor des Ondráš Military Art Ensemble wahre böhmische und mährische Weihnachtslieder eingespielt. Sie sollen uns den Weg zum Licht weisen, hatte sich doch der junge Musiker in den dunklen Stunden des Corona-Lockdowns zur Stimmungsaufhellung der Volksmusik zugewandt. Dank der traditionellen Instrumentierung von Violine bis Zimbal ist daraus echte Hardcore-Folklore geworden - soll heißen: Volksmusik, wie sie dort erklingt, wo sie noch mit der Hand gemacht wird. Dass sie allerdings trotzdem hochprofessionell ist, hört natürlich jeder, der sich daran bereits selbst versucht hat - und wer hat das zumindest zur Weihnachtszeit nicht schon einmal getan? 

Klar, Weihnachten geht auch ganz anders, denn pünktlich zum Fest hat ein Altmeister der mährische Musikszene ein neues Album vorgelegt: Vladimír Václavek, der als Gitarrist der legendären Gruppe "Dunaj" quasi ein Urgestein des Brünner Undergrounds ist. In den späten 1980er Jahren legten die Systemverweigerer los und über die ein oder andere - wie man heute wohl sagen würde - Zeitenwende hinweg lebten sie ihren Traum von einer eigenen Welt. Ob es sich heutzutage im nicht mehr ganz so tiefen Untergrund immer noch wie im Traum anfühlt? Oder wenigstens anhört? Vladimír Václavek hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder was Neues ausprobiert und hat nun seine alten Mitstreiter Josef Ostřanský und Pavel Koudelka um sich versammelt, um nach sechsundzwanzig Jahren erstmals wieder eine gemeinsame Platte aufzunehmen. Ihrer Musik sind sie treu geblieben, wenn sie auch ein klitzeklein wenig sanfter erscheint, als jene, die noch aus den Brünner Untiefen schallte. Der Groove des harten und klaren Rhythmus, den kaum einer so exakt mit der Gitarre durchhält wie Václavek, ist aber geblieben, zusammen mit seinem dunklen und raunigen Gesang bringt diese CD die etwas andere Stimmung in die Weihnachtsstube.

Dann doch lieber was Besinnliches, das aber nicht unbedingt ausschließlich weihnachten muss? Da schafft das neue Album "Levitas" des Prager Saxophonisten und Klarinettisten Luboš Soukup und des deutschen Jazzpianisten Christian Pabst Abhilfe. Warme coole Musik, die niemals flach ist und doch nicht abgehoben.

Weihnachten kann also kommen, für jeden gibt es den passenden Soundtrack zur rechten Stimmung unterm Tannenbaum. Gemütlich, um es mit Karl Kraus zu sagen, sind wir dann schon selbst - oder mit der richtigen Musik im Ohr sogar von selbst? (mm)

 

Angaben zu den vorgestellten CDs (Bildnachweise):

Christmas Album - Vilém Veverka und die Ulimative W Band

Supraphon SU 4316-2
Bildnachweis: Supraphon

Path of Light - Cesta světla - VUS Ondráš und Jiří Slavík

Supraphon SU 4321-2
Bildnachweis: Supraphon

Hörbeispiele zu den beiden CDs unter: www.supraphon.com

Za vodou - Dunaj

Animalmusic ANI 112-2
Bildnachweis: Animalmusic

https://www.youtube.com/watch?time_continue=210&v=jC46BCuRbZc&feature=em...

Levitas - Luboš Soukup und Christian Pabst

Animalmusic ANI 106-2
Bildnachweis: Animalmusic

Hörbeispiele zu diesen CDs unter: www.animalmusic.cz

Infos über den Komponisten und Arranguer Martin Hybler finden sich hier: https://hyblermusic.eu/en/

Bildnachweis: Outsider Bohemian I (M.Hybler), Öl auf Leinwand 165 x 200 cm von M. Polách

Bildnachweis:
Supraphon, Animalmusic, Outsider Bohemian I (M.Hybler), Öl auf Leinwand 165 x 200 cm von M. Polách
Rubrik: Sport, Fußball | 7. Dezember 2022, 17:30 Uhr
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (4): Achtelfinale: Bis auf Spanien setzen sich alle Favoriten durch. Die wenigen Fußballfans in Deutschland, die noch die WM verfolgen, dürften das mit Genugtuung quittieren.

Fast alles lief nach Plan für die Favoriten: die USA, Australien, Polen, Senegal, Japan, Südkorea und die Schweiz sind nach Hause geschickt. Argentinien, Brasilien, England, Frankreich, Kroatien, die Niederlande und Portugal machen im Turnier weiter. Nur Spanien erlag dem Fluch der bösen Tat und schied gegen Wunschgegner Marokko im Elfmeterschießen aus. Nie hat eine Mannschaft, bestehend aus Profis der besten europäischen Ligen, schlechtere Elfmeter geschossen.

Waschmaschine statt England

Im Viertelfinale treffen neben den Niederlanden und Argentinien auch Brasilien und Kroatien sowie Frankreich und England nebst Marokko und Portugal aufeinander. Wieder habe ich nicht viel von England gesehen. Am Sonntagabend machte die Waschmaschine Probleme und ich war mehr mit ihr als dem Spiel gegen Senegal beschäftigt. Was ich gesehen habe, sah sehr souverän aus. England könnte einer der großen Favoriten sein, wenn... ja, wenn sie nicht auf Frankreich träfen.

Tipps der „Experten“

Am Dienstagmorgen, noch vor dem letzten Achtelfinalspieltag, tippte ich mit einem Bekannten den Rest der WM. Meine These lautete, 60 zu 40 für Frankreich. Er hingegen setzte auf England. Hat mein Tipppartner Expertise, muss ich mir Sorgen machen? Schließlich hat er auf Spanien als Weltmeister getippt, was sich einige Stunden später als Eigentor aus 50 Metern erweisen sollte. Ich sah das Spiel nebenher in der Arbeit und weiß absolut nicht, wer besser war, Spanien oder Marokko. Ich hielt es wie am Vortag beim Spiel der Kroaten gegen Japan. Von der Verlängerung erwartete ich nichts mehr und fuhr nach den 90 Minuten + x von der Arbeit nach Hause. Spanien wartete mit seiner einzigen Großchance auf mich und meinen Computer. Ein Schuss aus spitzem Winkel streifte den langen Pfosten. Das Adrenalin von dem Schreck, der den Torwart dabei durchfuhr, setzte dieser in drei abgewehrte Elfmeter um. Ein Spanier traf zusätzlich den Pfosten. Selbst Sergio Busquets, gestählt von hunderten Partien in der Champions League, der Primera Division, der Welt-und Europameisterschaften und neuerdings auch in einigen wenigen Spielen der Europa League, hatte Pudding in den Beinen und Schmetterling in den Nervenbahnen. Spanien schoss so schlecht wie der FC Barcelona zuletzt 1986 gegen Helmut Ducadam. Das war im Endspiel des Europapokals der Landesmeister, den der ruhmreiche FC Barca bis zu jenem Zeitpunkt noch nie gewonnen hatte. Ein paar Jährchen dauerte es dann auch, bis zum ersten Sieg.

Engel, Teufel, Nikoläuse

Das Elfmeterschießen am Vortag war ähnlich unspektakulär und bot wenig Spannung. Kroatien agierte höchst souverän, während bei Japan die Angst vor dem Erfolg die Beine lähmte. Nach dem letzten Elfmeter lief ich schnell in den Supermarkt, denn die Mutter hatte meiner Tochter eine Überraschung versprochen, die ich einhalten musste. Meine Tochter, selbst halbe Kroatin, quengelte die ganze Zeit herum, wollte von Fußball, Patriotismus und Spannung nichts wissen. „Ich kann jetzt nicht mehr länger warten“, ist ihr Leitspruch, der für mich zum Leidspruch wurde. Es war der 6. Dezember, trotz schauderhaften Wetters liefen auf der Straße Engel, Teufel und Nikoläuse herum. Also besorgte ich meiner Tochter Schokofiguren, ein Puzzle, eine Thermohose und einen Adventskalender. „War das schon alles?“, maulte sie sich später.

Brasilien tanzt eine Halbzeit

Rechtzeitig vor dem Anpfiff des Brasilien-Spiels war ich zurück. Meine Tochter erwartete mich bereits im Flur und durchstöberte meine Einkaufstasche. Während des Spiels – Brasilien machte eigentlich nach zehn Minuten alles klar – musste ich ihr beim Puzzle helfen und verpasste dadurch das zauberhafte dritte Tor durch Richar-dingens-son (sorry, das ist kein mangelnder Respekt, ganz im Gegenteil; der Spieler war mir bisher unbekannt und ich habe mir seinen korrekten Namen noch nicht gemerkt. Das wird aber sicher noch, schließlich habe ich Brasilien als Weltmeister getippt, trotz meiner Doktrin, Messi muss Meister werden).

Südkorea kommt glimpflich davon

Südkorea konnte einem in der ersten Halbzeit nur leid tun, Brasilien ließ es in der zweiten Hälfte wohl langsamer angehen. Ich bekam von dieser nicht viel mit, da ich das Kratzen im Hals und die Erkältung deutlich spürte und mich frühzeitig, vollgepumpt mit Knoblauch und Ingwer-Tee, ins Bett legte. Als meine Vorbereitungen zu Ende waren, stand es nur noch 4:1 und es waren noch zehn Minuten zu spielen. Ich machte den Computer aus und dachte, sollte jetzt noch Unerwartetes passieren, werde ich mich mein ganzes Leben lang ärgern. Ich legte mich unter meinen Schlafsack, geeignet für Hochgebirgstouren bis zu -21 Grad – nicht, dass ich jemals eine solche Tour mit Übernachtung im Freien unternommen hätte – und eine Daunendecke. Mitten in der Nacht wachte ich mit einem üblen Mundstuhl auf, musste dringend auf Toilette und Wasser trinken.

Extrem-Schwitzen, um rechtzeitig wieder fit zu werden

Dasselbe Programm wiederholte ich eigentlich auch am Dienstag, die Verlängerung von Spanien – Marokko ließ ich aus, sah zu Hause das Elfmeterschießen, ging zwischen den Spielen schnell in den Supermarkt, Brot und Ingwer-Nachschub besorgen und sah die erste Halbzeit von Portugal gegen die Schweiz. Portugal spielte ohne Cristiano Ronaldo und war gleich um zwei Klassen besser. Das 1:0 war schlichtweg phänomenal. Die Schweiz, die ich am Vormittag noch wagemutig ins Halbfinale getippt hatte, sah nur noch Seen und keine Berge und so ging ich nach der ersten Hälfte wieder ins Bett. Bis ich bettfertig war und den Computer ausschaltete, stand es bereits 4:1 und wieder fragte ich mich, ob ich nicht doch eine große Sensation verpasste. Vollgepumpt mit Knoblauch und Ingwer unterzog ich mich meiner Schwitzkur. Nach drei Stunden wachte ich zum ersten Mal auf, die Blase, und überprüfte das Ergebnis. Satte 6:1. Gehört Portugal jetzt zu den Favoriten? Als nächster Gegner wartet Marokko, der Wunschgegner Spaniens im Achtelfinale.

Ach ja, Viertelfinale, waren das noch Zeiten, als sich Deutschland mindestens bis dorthin bei einer WM rumpelte. Und wenn die Mannschaft dann ausschied, krachte es zu Hause. Und nun? Oliver Bierhoff ist seiner Entlassung zuvorgekommen und muss nun nicht mehr zum Rapport zu Neuendorf. Was wird aus Flick? Was aus Müller, Neuer und den Bayern-Bonus-Profiteuren? Während in Qatar fleißig am Ball trainiert wird, herrscht in Deutschland Ruhe vor dem Sturm.

Rubrik: Sport, Fußball | 4. Dezember 2022, 11:36 Uhr
Gerde Lemkes WM-Kolumne aus Prag (3): Favoritensiege im Achtelfinale, 1. Teil: NL – USA 3:1; ARG – AUS 2:1

Jetzt wird’s ernst bei der WM, jetzt ist jedes Spiel Tulpen oder Gladiolen, wie NL-Coach van Gaal mal sagte, in einer fernen Zeit, damals, als „Müller spielt immer“ noch neu und innovativ war. Heute ist das rückwärtsgewandt, wäre man froh, ein deutliches „Müller spielt nimmer“ zu vernehmen. Aber das ist ein anderes Thema.

Drohender Hagel über dem Tulpenfeld

Gleich nach zwei Minuten hätte Pulisic das Tulpenbeet gehörig verhageln können, scheiterte aber am reaktionsschnellen Wärter, der schnell noch eine Schutzplane über das Beet zog. Dann ging es metaphernfrei so weiter, wie man es von einem dreifachen Vizeweltmeister gegen einen übereifrigen Emporkömmling erwarten konnte, die Routine setzte sich durch, mit Effizienz zogen die Bloemenzüchter dem Schmelzkessel den Zahn.

Fußball wird unwichtig

Ich saß in meinem Wohnzimmer, verfolgte das Geschehen interessiert und ließ mir von meiner Schwester die Ereignisse um meine Mutter erzählen. Altersdemenz, jetzt ist es amtlich, ein Weiterwohnen in der eigenen Wohnung nicht mehr möglich. Ein Platz im Pflegeheim ist aber schon in Aussicht. Vielleicht das letzte Mal Weihnachten mit ihr und meiner Tochter, bevor der Vorhang des Bewusstseins ganz zugezogen wird. Man verzeihe mir, dass ich bei diesen Themen ein wenig die Konzentration aufs Spiel verlor. Beim ersten deutschen WM-Sieg war meine Mutter ein Backfisch, beim zweiten dreifache Mutter, beim dritten waren die Kinder aus dem Haus und beim vierten war sie Witwe und noch rüstige Rentnerin. Aus Fußball hat sie sich nie besonders viel gemacht, in ihrer Jugend war Feldhandball der populärste Sport im Dorf, dabei machte man sich nicht so schnell die Schuhe kaputt.

Kurze Spannung

Ach ja, NL – USA, für wenige Minuten kam nach dem Anschlusstor nochmals Spannung auf, doch dann war der Drops gelutscht. Der Favorit setzte sich schlicht souverän durch. (Übrigens sprach van Gaal im Original von „Tod oder Gladiolen“, das nur nebenbei, um der Korrektheit Genüge zu tun).

Abends versuchte ich mal wieder public viewing, ich hatte den Tipp bekommen, dass die Expats sich nicht mehr in Freds Bar, eigentlich ein Restaurant, treffen, sondern in einem umbenannten Laden, der nach einem amerikanischen Schriftsteller benannt ist, der ab den 1960er Jahren gerne über Saufen, schmutzigen Sex und Schlägereien geschrieben hatte. Ich schaute von außen rein, nichts deutete darauf hin, dass sich dort fußballtechnisch etwas tue. Ich wusste, es gab noch einen hinteren Raum, von der Straße schlecht einsehbar, wo die Gäste angeblich rauchen durften. Was ich jedoch sehen konnte, war Dunkelheit, gähnende Leere und WM-Boykott.

Messi in der Kaschemme

Also ging ich zwanzig Meter weiter in die Punk Kaschemme, in der ich 2018 einige Spiele gesehen hatte. Dort lief der Fernseher, es war wenig los und das Interesse an Messi mäßig. An diesem Abend stellte ich die Doktrin auf, Messi muss Meister m... (hm, machen?, mutieren?, malträtieren?, manufaktieren?), sonst hat mein Leben keinen Sinn. Wenn der Beste nicht endlich so auf seinem Thron Platz nehmen darf wie Infantino bei all diesen Spielen im Stadion, bleibt etwas in diesem Leben unerfüllt.

Das Spiel war durchwachsen, Australien weit dröger als die USA, Argentinien jedoch deutlich vorsichtiger als im Spiel gegen Polen. Ich musste zwei Meter näher treten, vor vier Jahren konnte ich die Spiele noch von der Bar aus betrachten, heute gab das meine Sehkraft nicht mehr her. Auch versuchte ich mich vergebens daran zu erinnern, gegen wen sich dieses schwache Australien in der Gruppe eigentlich durchgesetzt hatte. Durch logische Rückschlüsse kam ich darauf, dass es Qatar gewesen sein musste, die Mannschaft, die in diesem Turnier außer Konkurrenz mitspielen durfte. Also hat Australien Ecuador besiegt? Das erschien mir unwirklich, ich hatte keinen blassen Schimmer. Fängt das jetzt bei mir auch schon an?

Messi macht's

Messi, wer sonst, schoss das 1:0, später kam noch ein 2:0 hinzu, ein australische Zufallstor ließ Messis Mannen nochmals kräftig zittern, eine Glanzparade rettete sie in der drittletzten Sekunde vor der Verlängerung und es war überstanden. Also, das Achtelfinale. Doch so wird Argentinien, zwei Mal Weltmeister und drei Mal Vize, leider nicht weiter gewinnen. Am Ende, als es nochmals eng wurde, hat jeder die Verantwortung auf Messi geschoben – und Messi hat gedribbelt, vorbereitet, Sekunden geschunden. Das geht auf Dauer nicht gut.

Nach dem Schlusspfiff überlasse ich die Kaschemme den Trinkern und Rauchern, gehe am Bukowski's (s.o.) vorbei, wo mich eine Blonde heftig hineinwinkt. Ich vermute, eine Russin, winke erfreut zurück und gehe weiter. Zu Fred's Bar, wo ich mal von außen einen Blick hineinwerfen möchte. Eine Gestalt am Tresen erkenne ich von hinten und höre durch die dicken Wände, wie er mit halblauter wässriger Stimme die Zeremonie der Rechnungsbegleichung einleitet: Kip, amerikanisches Expat-Urgestein. Nach Radio Jason suche ich nicht, sondern gehe lieber nach Hause, wo ich mich zeitig zur Ruhe begebe.

Rubrik: Panorama | 3. Dezember 2022, 15:33 Uhr

Die Sanierungsarbeiten an der Gruftkapelle auf dem Friedhof in Buschullersdorf wurden im September offiziell abgeschlossen. Am 20. November 2022 um 13,00 Uhr segnete der Haindorfer Pfarrer Pavel Andrš die Kapelle, in der sich fünf Zinksärge mit den sterblichen Überresten der bedeutenden Familien Neuhäuser und Berger befinden.

Am 4. Dezember 1890 wurde die offizielle Genehmigung für den Bau des Friedhofs erteilt, und am 1. April 1891 begannen die Arbeiten. Die erste Beerdigung fand hier am 7. Juli 1891 statt. Beerdigt wurde Julia Pfeifer aus Haus Nr. 141. Am 27. August 1892 wurde die Leichenhalle mit einer Glocke ausgestattet, die von Robert Zelsmann aus Reichenberg geliefert wurde. Die Glocke ist zum ersten Mal bei der Beerdigung von Teresia Preibisch aus Haus Nr. 48 geläutet worden. Ein Jahr nach der Gründung des Friedhofs - im September 1892 - kaufte der Fabrikant Franz Neuhäuser die erste Gruftstelle.

Für die Wiederherstellung dieser Gruftkapelle, die sich jahrelang in einem erbärmlichen Zustand befunden und um die sich niemand gekümmert hatte und die nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei in Vergessenheit geraten war, setzte sich der Bürgerverein „Živo v Hájích“ (Leben in Buschullersdorf) ein. Außer der Gruftkapelle segnete Pfarrer Pavel Andrš noch fünf deutsche Gräber der Familien Köhler und Endler. 

Der Verein hatte mit der Friedhofssanierung einen Beitrag zur tschechisch-deutschen Aussöhnung geleistet, die nach wie vor ein aktuelles Thema ist. Der 2013 von der Buschullersdorfer Chronistin und stellvertretenden Bürgermeisterin Jiřina Vávrová mitbegründete Verein organisiert seit dieser Zeit kulturelle Veranstaltungen und versucht, Buschullersdorf zu verschönern.

Die Sanierung der Gruftkapelle begann 2016 und war bis jetzt das größte Projekt des Vereins. Die Gemeinde Buschullersdorf, die tschechisch Oldřichov v Hájích heißt, befindet sich im Isergebirge, neun Kilometer nördlich von Reichenberg und hat rund 800 Einwoh-ner. Durch den Ort fuhrt die Straße von Reichenberg über Einsiedel nach Friedland und Raspenau. Der kleine Ort, dessen Geschichte man bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen kann, war Bestandteil der ehemaligen Herrschaft Friedland in Nordböhmen.

Pfarrer Pavel Andrš dankte der Feuerwehr und den vielen freiwilligen Helfern, die daran beteiligt waren, die Gruftkapelle in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Nachdem Pfarrer Andrš die nahezu 60 Besucher begrüßt hatte, erläuterte Vizebürgermeisterin Vávrová die Geschichte der Gruft. Trotz der seit Tagen herrschenden Kälte drängelten sich die vielen Besucher auf dem Platz vor der Gruft. Anschließend gab es für sie warmen Kaffee, Tee und Kuchen.

Glücklicherweise steht die Gruftkapelle - ein Vermächtnis von Menschen, die hier vor vielen Jahren gelebt haben - nicht unter Denkmalschutz. Sie ist Eigentum der Gemeinde. Der Verein hat sie von der Gemeinde für einen symbolischen Preis von einer Krone, für die Dauer von zehn Jahren, gemietet. „Ich glaube, dass die Gemeinde froh war, dass sie sich nicht mit der Renovierung befassen muss. Offenbar hat man erwartet, dass die Gruft eines Tages einstürzt oder dass sie jemand renoviert. Die Renovierungsarbeiten hat der Verein übernommen und traf eine Vereinbarung mit der Freiwilligen Feuerwehr, die uns half, weil der erste Kommandant der örtlichen Feuerwehr in dieser Gruft beerdigt wurde. Unter den Feuerwehrhelfern befanden sich auch Zimmerleute und Dachdecker, sodass die Gruft im Jahr 2017 ein neues Dach bekam. In den folgenden Jahren wurden der Innen- und Außenputz und der Innenstuck erneuert und die Reinigung der Umgebung durchgeführt“, sagte Jiřina Vávrová. 

Nachdem das Kupferdach von der Gruftkapelle gestohlen worden war, drohte das Gebäude einzustürzen. Ziel des Vereins war es, den weiteren Verfall zu verhindern. Im Dezember 2015 wurde das Dach der Gruftkapelle vorübergehend mit einer Plane abgedeckt.

„Wir können nicht so tun, als ob die deutschen Bewohner nie hier gelebt hätten. Es scheint menschenunwürdig, dass die Grabsteine der verstorbenen ehemaligen deutschen Einwohner in den Brennnesseln liegen und man darauf wartet, dass die Gruft des ersten Kommandanten der örtlichen Feuerwehr, Franz Neuhäuser, eines Tages einstürzt“, bedauerte die Chronistin Jiřina Vávrová.

An der Seite seiner Frau Thekla Berger, geborene Neuhäuser, die wegen ihrer Krankheit jahrelang besonders pflegebedürftig gewesen war und am 2. Dezember 1931 in ihrem 76. Lebensjahr starb, fand in der Familiengruft auch Franz Berger, der Kretscham- oder Dorfgasthofbesitzer, seine letzte Ruhe. Am 2. November 1937 hatte er noch im Kreis seiner Kinder und Enkel frisch und seinem Alter angemessen seinen 90. Geburtstag feiern können. Anlässlich des besonderen Geburtstags bekam der Jubilar an diesem Tag viele Glückwünsche.

Kurze Zeit danach - am 21. November 1937 - ist er seiner Frau Thekla, nach fast sechs Jahren, in die Ewigkeit gefolgt. Auf den zwei schwarzen Glasplatten, die sich an der Wand in der Grabkapelle befinden, sind die fünf Namen der Verstorbenen vermerkt, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Thekla Neuhauser, geborene Kretschmer (†7. Februar 1901), Franz Neuhäuser (*1825, †17. Dezember 1903), Richard Berger (*27. April 1914, †13. Dezember 1916), Thekla Berger, geborene Neuhäuser (*11. Juli 1856, †2. Dezember 1931) und Franz Berger (*2. November 1847, †21. November 1937).

Bei den Zinksärgen sind teilweise Beschädigungen erkennbar. Nach dem Krieg wurden viele deutsche Grüfte aufgebrochen, die Särge aufgerissen und die Leichen ausgeplündert. Die Spuren, die man bei der Eröffnung der Gruft entdeckte, lassen vermuten, dass auch in Buschullersdorf Diebe am Werk waren.

Franz Neuhäuser                                                                                                             

Der erste Verein, der in Buschullersdof ins Leben trat, war die Freiwillige Feuerwehr, die im März 1871 gegründet wurde. Die Anregung zur Gründung der Feuerwehr gaben Ferdinand Köhler aus Haus Nr. 184, Franz Neuhäuser aus Haus Nr. 6, Josef Peuker aus Haus Nr. 5, Karl Neuhäuser aus Haus Nr. 88 und Wilhelm Neuhäuser aus Haus Nr. 149. Mit einem Umlaufzettel zum Beitritt aufgefordert, meldeten sich in kurzer Zeit 70 Mann. Franz Neuhäuser wurde zum ersten Kommandanten gewählt. Er war ein prominenter und bedeutender Bürger und Geschäftsmann. Am 30. August 1896 feierte der Feuerwehrverein 25-jähriges, am 27. August 1911 40-jähriges, 1921 50-jähriges und am 7. Juni 1931 60-jähriges Bestandsfest.

Franz Berger

Wie damals berichtet wurde, war auch der Name Franz Berger nicht nur bei der damaligen Bevölkerung des Ortes, sondern auch im Bezirk Friedland ein bekannter Begriff. Heute kennt kaum jemand sein Schicksal. Seine Arbeit erstreckte sich nicht nur auf seinen Wohnort. Auch im öffentlichen Leben war er vielseitig tätig. Berger war jahrelang Mitglied der Bezirksvertretung und Mitglied mehrerer Berufsgenossenschaften und Organisationen. Auch im Verband der Feuerwehr war er ein äußerst aktiver Funktionär. Berger war Besitzer des Kretschams in Buschullersdorf, wohin er eingeheiratet hatte. Zuvor – am 3. April 1862 – hatte der Fabrikbesitzer Franz Neuhauser aus Haus Nr. 161, den Kretscham gekauft.

1904 überließ er den Kretscham mit der Gartenwirtschaft in Nr. 85 seiner am 11. Juli 1856 in Buschullersdorf geborenen Tochter Thekla, verehelichte Berger († 2. Dezember 1931), und deren am 24. November 1879 angetrauten Gatten Franz Berger. Dieser war am 1. November 1847 in Philippsgrund Nr. 4 als Sohn des am 18. Dezember 1873 verstorbenen dortigen Kretscham-Pächters  Franz Berger und dessen Frau Theresia, geborene Prokop aus Friedland, zur Welt gekommen. Nach der Eingliederung der Gemeinde Buschullersdorf in den Bezirk Reichenberg machte er sich auch dort nützlich. 

Berger war auch ein verdienter Feuerwehrveteran. Seit 1872 war er Mitglied der Feuerwehr Buschullersdorf, deren Ehren-Verwaltungsratsmitglied er war, und diente ihr 65 Jahre und zehn Monate. Wahrend dieser Zeit war er ein aktiver Förderer des Feuerwehr- und Rettungswesens. Auch der Bezirks-Feuerwehrverband Friedland, dessen Ausschussmitglied er durch Jahrzehnte war, ernannte Berger zum Ehrenausschussmitglied.

Aufgrund der bewilligten Satzungsänderung fand am Kommandantentag, am 21. Februar 1904, in Friedland die Neuwahl des Verbandsausschusses der Feuerwehr statt, bei der auch Franz Berger gewählt wurde. Der Landesverband für Feuerwehr und Rettungswesen überreichte ihm in Würdigung seiner Verdienste Ehrenabzeichen für 25, 40, 50 und 60 Jahre Treue. Aber auch in der Gemeindevertretung, in verschiedenen Gemeindekommissionen, im Turnverein, im Kameradschaftsverein und im Bund der Deutschen war er tätig. Besonders die Raiffeisenkasse, deren Obmannstellvertreter Berger 28 Jahre lang war, fand in ihm einen Förderer und Mitarbeiter. Sein ältester Sohn Richard fiel am 8. August 1917 an der russischen Front. Sein Name steht auf dem Gefallenendenkmal, das sich auch auf dem Friedhof gegenüber der Gruftkapelle befindet.

Die Mitglieder des Vereines waren sich einig gewesen, dass die Würde dieser Gruftkapelle, die ein Schandfleck auf dem örtlichen Friedhof gewesen war, wieder hergestellt werden müsse. Die Gruft bekam ihr ursprüngliches Aussehen zurück. Den Eingang schützt jetzt ein verschließbares Eisengitter. An die ursprüngliche deutschsprachige Bevölkerung, die das wirtschaftliche und kulturelle Leben in diesen Regionen bedeutend mitprägte, erinnern heute nur noch die Gruftkapelle und die wenigen Gräber mit der deutschen Schrift, die sich an der Friedhofsmauer befinden.

Nach dem letzten Transport der Vertriebenen im Oktober 1946 sind von den ursprünglich 1500 Einwohnern nur noch etwa 15 deutsche Familien im Dorf geblieben. Auf dem einst deutschen Friedhof zerstörten Kinder im Jahr 1967 insgesamt 116 deutsche Gräber. In den siebziger Jahren wurden die Reste der Gräber von dem Friedhof entfernt.

Dem Verein ging es nicht nur darum, den Friedhof schön aussehen zu lassen. Mit der Renovierung der Gruftkapelle gelang ihm auch, ein Stück unserer Heimatgeschichte zu erhalten. Die Renovierung bot auch die Gelegenheit, die Nachkriegsgeschichte in Buschullersdorf aufzuarbeiten und die ursprünglichen Vertriebenen mit den neuen Bewohnern zu verbinden. Jeder, der den Friedhof besucht, ist erstaunt über die großartige Arbeit, die der Verein hier leistete.

Dass die Gruftkapelle heute sorgfältig restauriert ist und von weitem strahlt, das ist vor allem dem Bürgerverein Leben in Buschullersdorf und der stellvertretenden Bürgermeisterin Jiřina Vávrová zu verdanken. Als Nächstes ist die Sanierung der Friedhofsmauer eingeplant.                                                                                      

Bildnachweis:
Stanislav Beran