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Rubrik: Auto-Moto, Transport | 31.12.2015
Autodiebstähle und Autoaufbrüche in Tschechien: Prag ist die Hauptstadt der Autoknacker

Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Autodiebstähle in Tschechien ist seit Langem rückläufig. So erfasste die Polizeistatistik im Jahr 2003 landesweit noch 24.174 Autodiebstähle, im Jahr 2014 waren es nur noch 8.720 Fälle.

Dennoch bleibt der Autoklau nach wie vor gerade in Prag ein Problem. Jedes Dritte in Tschechien gestohlene Auto verschwindet in der Hauptstadt, im Jahr 2014 waren es täglich acht Stück.

Am gefährdetsten sind Autos auf den Parkplätzen der Plattenbausiedlungen, auf großflächigen Parkplätzen vor den Einkaufszentren (mit kurzen Zufahrtswegen zur Autobahn) sowie in schlecht beleuchteten Seitenstraßen in den Stadtteilen Žižkov und Vinohrady abgestellte Fahrzeuge.

Weitere Problemgebiete in Tschechien sind nach Statistiken des Innenministeriums die Region Mittelböhmen (insbesondere Mladá Boleslav und Praha – venkov), die Region Ústí nad Labem (insbesondere Teplice und Děčín) sowie die Region Mährisch-Schlesien (insbesondere Ostrava und Karviná).

Welche Automarken werden am meisten gestohlen?

Am meisten werden Autos der Hersteller gestohlen, deren Fahrzeuge am weitesten verbreitet und am meisten auf den Straßen unterwegs sind, im Jahr 2014 unangefochten an erster Stelle die tschechischen Škodas (4.131), gefolgt von Ford (685) und VW (634).

Der Grund dafür ist einfach: Nach Schätzungen der Polizei werden 60 bis 70 Prozent der Fahrzeuge ausgeschlachtet und anschließend zerlegt als Ersatzteile verkauft. Ersatzteile wiederum werden am meisten von den Fahrzeugtypen nachgefragt, die am weitesten verbreitet sind.

Langfristig einen steigenden Trend verzeichnen dabei übrigens gerade die Diebstähle von Autoteilen.

Luxuswagen werden nach Osten verschoben

Ein weiterer Teil der entwendeten Fahrzeuge wird jedoch auch mit gefälschten Papieren wieder "legalisiert" und so auf tschechischen Straßen weiter gefahren.

Etwa 10 bis 20 Prozent der gestohlenen Wagen, meist Fahrzeuge der Luxusklasse, gehen in den "Export". Die Diebesbanden führen sie über Polen hauptsächlich in die Ukraine und nach Russland aus.

Bei den ausländischen Marken liegen hier BMW, Audi und Mercedes an der Spitze, gefolgt von verschiedenen Off-Road-Typen der höheren Preisklasse. Die Autodiebstähle sind dabei gut organisiert und erfolgen oft auf Bestellung.

Es bleiben zwei Möglichkeiten, das Risiko zu minimieren. Die sicherere, aber wegen der Kosten eher kurzfristig zu empfehlende Variante ist, sein Auto auf einem bewachten Parkplatz abzustellen. Viele Hotels bieten ihren Kunden diesen Service übrigens standardmäßig oder gegen Aufpreis.

Die zweite, langfristige Alternative ist, sein Fahrzeug mit einem qualitativ hochwertigen Sicherheitssystem auszustatten. In Prag jedenfalls sind sogar die ältesten Rostlauben zumindest mit einem Lenkradblockiersystem versehen.

Sicherheit bieten solche primitiven Anti-Diebstahl-Systeme zwar nicht, aber sie zeugen vom subjektiven Unsicherheitsgefühl der Fahrzeughalter und können als Indikator dafür angesehen werden, wie das Problem "Autodiebstahl" von den Hauptstädtern selbst wahrgenommen wird.

Tschechische Polizei: "Ein Auto ist kein Tresor"

Autoaufbrüche und Diebstähle von Gegenständen aus den Autos gehen oft auf das Konto von Drogenkonsumenten und fallen in Bereich der Beschaffungskriminalität. Wie bei den Autodiebstählen ist auch hier die Tendenz langfristig deutlich sinkend: Von 65.867 Fällen im Jahr 2003 auf 22.976 Fälle im Jahr 2014. Brennpunkt bei Autoaufbrüchen ist ebenfalls die Hauptstadt Prag: 38 Prozent aller Diebstähle aus Autos wurden im Jahr 2014 in Prag gemeldet.

Die tschechische Polizei mahnt in ihren Polizeiberichten Kraftfahrer und Autohalter gebetsmühlenartig zu Vorsicht: Wertsachen und Ausweispapiere sollte man keinesfalls in abgestellten Fahrzeugen belassen.

Aufklärungsquote bei Autodiebstählen bleibt niedrig

Die Aufklärungsquote ist bei allen drei Deliktgruppen niedrig und bewegt sich bei Autodiebstählen langfristig zwischen 15 und 20 Prozent. Bei Diebstählen von Autoteilen liegt die Quote bei etwas über zehn Prozent und bei Diebstählen von Gegenständen aus dem Auto und Autoaufbrüchen etwas unter der Zehn-Prozent-Marke. 

Themen: Autoklau, Parken
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2016

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