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| | Kultur | 29.5.2014

Max-Brod-Konferenz

Vom 26. – 29. Mai 2014 fand in Prag eine internationale wissenschaftliche Konferenz zum Thema „Max Brod. Die >Erfindung< des Prager Kreises“ statt.

Der Name Max Brod fällt heutzutage meist im Zusammenhang mit Franz Kafka. So wundert es nicht, dass die Tagung mit einem Vortrag zu „Max Brod und Franz Kafka“ begann. Beiden war es gemeinsam, dass sie einer Prager deutsch-jüdischen Familie entstammten. Brod wurde 1884 geboren. Allerdings wuchs er im Gegensatz zu Kafka in einem bildungsbürgerlichen Elternhaus auf und wurde geprägt vom psychisch labilen Zustand der Mutter. Sowohl Brod als auch Kafka studierten an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität Jura. Doch bereits ihre erste Begegnung lässt unterschiedliche Lebensauffassungen erkennen: Nach einer Veranstaltung in der „Lese- und Redehalle der deutschen Studenten“ streifen Brod und Kafka durch die Prager Altstadt. Dabei ergreift Brod jeweils Partei für Schopenhauer; Kafka für Nietzsche. Brod hatte ein sehr entschiedenes Bewusstsein seiner literarischen Sendung. Seine Texte verfasste er anders als Kafka mit einer gewissen Leichtigkeit. Trotz dieser Unterschiede entwickelte sich zwischen beiden eine tiefe Freundschaft.

Bald gesellten sich Felix Weltsch und Oskar Baum hinzu. Diese Gruppe kann als „Prager Kreis“ im engeren Sinne verstanden werden. Ein Talent Brods bestand in seinem sicheren Urteilsvermögen. So erkannte er in vielen damals noch unbekannten Künstlern deren Potenzial. Aufgrund seines eigenen literarischen Erfolges und dem daraus resultierenden Einfluss schuf er um sich eine Vielzahl von Netzwerken bzw. Kreisen.

Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in die Tschechische Republik 1939 emigrierte Brod nach Palästina. Er gilt als Protagonist des sog. Prager Zionismus. Im Unterschied zum Weltzionismus hatte der Prager Zionismus nicht in erster Linie das politische Ziel, einen Judenstaat zu gründen. Vielmehr ging es ihm, um die Etablierung eines geistigen, jüdischen Zentrums, von dem aus richtungsweisende Impulse für das Leben in der Diaspora ausgehen. Brod nahm an Treffen der Studentenvereinigung Bar-Kochba teil, die diesem kulturzionistischen Anliegen folgte.

Auch im Alter kam Brod von seiner Heimatstadt Prag nicht los, „diese[m] Mütterchen mit Krallen“, wie es Kafka einmal nannte. Für Brod ist es eine Stadt, in der es nicht einfach ist, zu leben. Doch in Prag und besonders in den angrenzenden Wäldern fühlten sie eine Weltoffenheit und lebten im „Geist des Universalismus“, wie sich Brod später erinnerte.

Für den Anfang des 20. Jahrhunderts ist eine Infragestellung von Werten charakteristisch. Deshalb ist eine Sympathie für Nietzsche nachvollziehbar, letztlich bleibt aber Kafka nicht beim Nihilismus stehen. Rückblickend würdigt ihn Brod: „Er war ein großer Moralist und darin sehe ich seine Hauptbedeutung.“ Gleiches kann auch über Brod gesagt werden, der Kafka vielleicht nicht ohne Grund in diesem Sinne verstanden wissen will. Brod folgte in seinem Engagement als Autor, Komponist, Förderer und Politiker einem humanistischen Ideal.

Während der Konferenz hatte Max Brod selbst Gelegenheit, den Prager Kreis vorzustellen: es wurde nämlich ein Interview aus dem Jahr 1968 eingespielt. Außerdem wurden Kompositionen Max Brods durch den Pianisten František Kůda und die Sopranistin Kateřina Kachlíková interpretiert.

Externer Link: www.prager-literaturhaus.comwww.prager-literaturhaus.com

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