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| | Kultur | 13.3.2013

Pussy Riot "Kunstausstellung"

Ich bin beides, eine Befürworterin der modernen Kunst und eine Feministin,daher hörte sich die "Pussy Riot" Kunstausstellung für mich sehr vielversprechend an. Doch hohe Erwartungen können einen allerdings auch beißen. Wenngleich die "MeetFactory" als Galerie für die Ausstellung perfekt zu sein schien, war die halbe Stunde, die ich in dem abgelegenen Gebäude verbracht habe, völlige Zeitverschwendung (wäre ich doch mal lieber ins Kino gegangen).

Mit einer Gruppe von Freunden bin ich also zur Ausstellung. Wir kamen halb verfroren in der Lagerhalle an. Obwohl wir den Nachmittag gewählt hatten, waren außer uns nur noch zwei andere Personen anwesend (erstes Zeichen, welches wir nicht gedeutet haben). Die Halle stank vollkommen nach Zigarettenrauch – sollte dieser Gestank etwa zur Atmosphäre der Ausstellung beitragen? Nein, wir hatten auch das zweite Zeichen nicht erkannt.

Der Eintritt ist kostenlos (drittes Zeichen, welches uns entging). Drei Räume sind für die Ausstellung vorgesehen. Die erste Wand war von oben bis unten mit großen Bildern und Textabschnitten tapeziert. Alles in tschechischer und russischer Sprache, aber nun gut, der Inhalt wäre auf Deutsch genauso uninteressant gewesen, wie in jeder anderen Sprache auch. Die Bilder waren im Comic-Stil und wirklich gut gezeichnet, aber absolut nichtssagend. Nach der Hälfte der Wand musste ich allerdings aufgeben, ich befürchtete im Stehen einzuschlafen.

In der Mitte des ersten Raumes lag ein 2×3 Meter großes Spielbrett mit einem  Würfel. Das Spiel war nicht gerade einleuchtend, aber zum Spaß würfeln kann man ja mal – dachte ich. Das allerdings sah die Tante, die anfangs nur gelangweilt und unscheinbar in der Ecke hockte, ganz anders. Wie von einer Tarantel gestochen sprang sie auf, als ich den Würfel nur in die Hand nahm. Ich solle gefälligst vorsichtig sein, schließlich ist das alles Kunst.

Ich lächelte sie breit an und drapierte den Würfel wieder auf seinem Platz, mit einer Zärtlichkeit als wäre er aus Dynamit. Als ich genauer nachfragte konnte sie mir allerdings auch nicht erklären, wie das Brettspiel funktioniert und welchen Sinn es erfüllt – Kunst halt.

An der gegenüberliegenden Wand hing ein weiterer Comicstreifen, noch  sinnloser als der erste. Über diesem Streifen war eine riesige Regenbogenfahne aus verschiedenfarbigem Klebeband angebracht. Ein paar Augen und ein schreiender Mund schauen einen von der Fahne aus an. Ich fand es sah ganz cool aus und es war wahrscheinlich auch das einzige Ausstellungsstück, das für mich einen Sinn ergab.

In der nächsten Ecke stand ein überquellender Müllcontainer mit pro-Putin Wahlplakaten und überall hingen Monitore mit Diashows von Anti-Putin Demonstrationen (wobei man sagen muss, dass diese Demos aus jeweils etwa 10 bis 20 Leuten bestanden und nicht sonderlich beeindruckend waren). Im zweiten Raum hing eine große Leinwand auf die der Pussy Riot Kirchenauftritt projiziert wurde. Zu den Liedtexten wurden englische Untertiteln eingeblendet.

Abgesehen von weiteren Fernsehern und elektronischen Bilderrahmen, die irgendwann genau die gleichen Bilder zeigten, gab es in diesem Raum nichts zusehen. Auf den dritten Raum hätte man komplett verzichten können, denn ich kann mich beim besten Willen nicht an eine einzige Sache erinnern, die in diesem Raum eindrucksvoll gewesen wäre. Hätte man die Ausstellung auf nur die Regenbogenfahne und die Leinwand beschränkt, hätte man bei uns einen besseren Eindruck hinterlassen.

Kopfschüttelnd verließen wir die Meetfactory, wir hätten unsere Zeit so viel sinnvoller nutzen können. Andererseits war die Ausstellung so schrecklich, dass ich darüber reden muss wie schlecht sie war und wer weiß, vielleicht war genau das die Absicht des Künstlers.

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