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| | Panorama | 15.11.2009

Beifall! Mauerfall.

Als die Mauer fiel war ich gerade mal zwei Jahre alt. Es bleibt mir also verwehrt, über Erinnerungen an die bewegenden Ereignisse von damals zu schreiben. Auch wenn ich mir das manchmal - insbesondere an Tagen wie letzten Montag - wünsche. Es berührt mich jedes Mal sehr, wenn ich Fotos und Videos vom 9. November 1989 sehe. Wenn ich schon nicht auf dem Megaevent in Berlin zum 20. Jahrestag sein konnte, so wollte ich den Mauerfall wenigstens in Prag feiern. Und was böte sich da besser an als eine Party, organisiert von der Deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut Prag?

Meine tschechische Tandem-Partnerin hatte mich eingeladen, mit ihr auf die Party zu gehen. Der Gedanke, zusammen mit einer Tschechin in Prag den Mauerfall zu zelebrieren, gefiel mir sehr gut. Gemeinsam fuhren wir mit der Tram nach Smíchov. Entfernt von der prunkvollen Architektur des Prager Zentrums bestimmen hier alte Fabrikgebäude das Stadtbild. In einer dieser alten Hallen fanden die Feierlichkeiten zum Mauerfall statt. Meine Tandem-Partnerin, die erst vor wenigen Wochen eine Freundin in der deutschen Hauptstadt besucht hatte, drehte sich beim Eingang nach mir um und lächelte: “Das ist Berlin.” Sie hatte Recht. Für einen Abend lang fühlte es sich zumindest so an. Mit Berlin verbinde ich, verbinden wir, Party, Kreativität, anders Sein. Eine alte Fabrikhalle, umfunktioniert in einen Club, den Elektrobeats zum Vibrieren bringen und ein alternatives Publikum in Ekstase, das ist Berlin. Kreativ und bewusst deutsch war die Deko des Abends. Papierflugzeuge schwebten an der Decke in Erinnerung an die Luftbrücke. Kleine Deutschlandflaggen hingen an silbernem Lametta. Küsschen über Küsschen waren auf Videoprojektionen zu sehen- zwischendurch mal Kohl und Honecker, mal Menschenmassen, die auf der Mauer feierten. Via Videoprojektion rannte auch der Deutsche Schäferhund an den Wänden entlang. Würste und Brezeln gab es zu unser aller Verköstigung, wenn auch leider keine Originalversion meines geliebten Laugengebäcks. Doch wer will meckern, wenn er Freibier kriegt?

Eröffnet wurde der Abend vom Deutschen Botschafter in Prag und dem Leiter des Goethe-Instituts. Nach einleitenden Worten zum Mauerfall wünschte der Botschafter uns Gästen vor allem eins, dass wir ganz im Sinne von Berlin heute Abend ausgelassen feiern. “Berlin ist eine Partystadt - und das ist gut so.” Na dann. Den musikalischen Auftakt des Abends lieferte die Prager Indie-Rock-Band “The Prostitutes”. So hat mich dieser Abend nicht nur der deutsch-deutschen Geschichte und dem Fall des Kommunismus sondern auch der Prager Musikszene näher gebracht. Sie gefällt. Seinen weiteren Verlauf und späten Ausklang fand das Fest - fast schon selbstverständlich - mit Berliner Elektrobeats. Meine Tandem-Partnerin und ich traten gemeinsam den Heimweg an und tauschten uns aus über ihr Erasmus-Jahr in Deutschland, mein Semester hier in Prag und unsere Reisen nach Berlin. Ein Beifall dem Mauerfall.

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