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Tschechien OnlineTschechien Online | Rubrik: Reise | 4.5.2010
Ausstellung über den Stasi-Observationspunkt im Kirchturm von St. Nikolaus

Prag - Wer sich über die Karlsbrücke der Kleinseite nähert und dabei das malerische Barockensemble betrachtet, wird kaum auf den Gedanken kommen, dass hoch oben auf dem Turm der St.-Nikolaus-Kirche ein Mitarbeiter des Geheimdienstes sitzt und das Treiben unten genauestens beobachtet, und man sogar vielleicht selbst gerade ins Visier genommen wird.

Doch genau diese Szenerie muss sich während der Zeit des Sozialismus bis 1989 tagtäglich wiederholt haben, als der kommunistische tschechoslowakische Geheimdienst StB im Kirchturm einen Observationspunkt unterhielt.

Die Lage war geradezu ideal, um die umliegenden ausländischen Botschaften und deren Besucher zu beobachten. Dem StB entging so niemand, der die Vertretung der USA, der Bundesrepublik Deutschland, Italiens oder Frankreichs aufsuchte oder sie verließ.

Diesem Umstand widmet sich seit Anfang April eine Dauerausstellung direkt im Kirchturm von St. Nikolaus und ergänzt so das Besichtigungsangebot der Prager Türme um einen interessanten zeigeschichtlichen Aspekt. Neben den gewohnten Ausstellungsstücken rund um die Entstehungsgeschichte der Kirche wurde auch der Raum rekonstruiert, den die Staatssicherheit einst nutzte.

Im Zentrum des Zimmers steht der Tisch mit Schreibmaschine und Parteizeitung, von dem aus der Stasi-Mitarbeiter seine Arbeit verrichtete. Darüber hinaus sind eine Reihe von alten Spionagegeräten ausgestellt, mit denen man das Geschehen auf den Straßen im Detail fokussieren und belauschen konnte. Besonders interessant sind die großen Strahler, die an den Fenstern installiert wurden, um im Ernstfall gezielt Punkte zu beleuchten.

Aufschlussreich sind auch die vielen Wandtafeln, die auf Englisch und Tschechisch Informationen über die Entstehung und die Methoden des tschechoslowakischen Geheimdienstes geben. So erfährt man zum Beispiel, dass die Türen der Botschaften mit Kameras überwacht wurden. Sobald ein Diplomat das Haus verließ, begann die Arbeit des Mannes im Turm, der diesen nun auf Schritt und Tritt in die umliegenden Cafés und Restaurants verfolgte.

Der Arbeitsraum im Turm der St.-Nikolaus-Kirche ist einer von über siebzig Räumlichkeiten des tschechoslowakischen Geheimdienstes in Prag, aber der einzige dieser Art, der für den Besucher zugängig ist. Wer ihn besichtigen möchte, kann den richtigen Eingang kaum verfehlen: Am Bordstein steht ein orange-weißer Lada geparkt, wie sie die tschechoslowakische Polizei vor 1990 verwendete. (sim)

Themen: Hunderttürmiges Prag, Kleinseite, Kirchen und Sakralbauten
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