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Reisen mit Kind und Kegel: Vorsicht! Kleinkindabteil

Kinder, Kinder... mit České dráhy im Zug von Dresden nach Prag

Wer kleine Kinder hat, weiß: Bahnreisen gleicht (wie so vieles andere) einer Logistikoperation allerersten Ranges. Was muss nicht alles eingepackt werden, an was muss nicht alles gedacht werden?! Wie schnell war man dagegen früher doch reisefertig! Koffer packen? Kein Problem, alles rein in den Seesack - und ab geht’s.

Vorbei die Zeit. Bei meiner letzten Bahnreise fühlte ich mich, endlich am Bahnhof angekommen und eingepfercht zwischen Trolley und Kinderwagen, wie ein Teil einer schwer bepackten und ebenso schwerfälligen Karawane.

Zwei reiselustige Kleinkinder in Begleitung ihrer Eltern erforderten als Gepäck offensichtlich unbedingt: einen Kinderwagen, ein Kinderwagen-Skateboard, zwei Koffer, einen Rucksack, eine wasserdichte Elektronik-Reisetasche (Fotoapparat, Baby-Überwachungskamera), eine Provianttasche und natürlich noch eine Wickeltasche.

Zum Glück gibt es für gestresste Eltern wenigstens das entsprechende familienfreundliche Angebot der Deutschen Bahn mit der wohlklingenden Bezeichnung “Kleinkindabteil”. Und tatsächlich, im ICE beinhaltete das:

- ein sehr geräumiges Abteil mit viel Platz fürs Gepäck und den Kinderwagen
- Türen mit Milchglas zum Sichtschutz für stillende Mütter
- ein aufklappbares Wickelbrett
- eine gepolsterte Sitzbank (gut zum Hinlegen)
- einen Tisch
- ein Schaukelpferd
- eine Art Wand-Memory
- einen Spielteppich-Fußboden (Straßen)

Soweit so gut, dachten wir in unserer Oase der Ruhe und blickten optimistisch der restlichen Wegstrecke entgegen. Denn sicherheitshalber hatten wir für den letzten Abschnitt unserer Zugreise nach Prag auch bei der Tschechischen Bahn (České dráhy) ein Kleinkindabteil reserviert. Als wir in Dresden in den Eurocity nach Prag stiegen, erlebten wir dann eine dolle Überraschung. Das Kleinkindabteil war ausgestattet mit:

- gar nichts.

Ja, so war das leider. Es handelt sich bei den Eurocitys der Tschechischen Bahn auf der Strecke von Stralsund über Berlin und Dresden nach Prag als “Kleinkinderabteil” verkauften Reservierungen, nämlich um ganz normale 6er-Abteile. Der einzige Unterschied zu anderen Abteilen besteht darin, dass draußen auf dem Reservierungszettel “Kleinkindabteil” draufsteht. Tatsächlich gab es nicht nur in dem Abteil, sondern im ganzen Zug nicht einmal ein einziges Wickelbrett. Und das nicht etwa bei einer regionalen Verbindung, sondern auf der Strecke Stralsund - Prag…

Da eine weitere Mutter mit einem Baby und Kinderwagen im Abteil mitreiste, hatten wir zudem keinen Platz mehr für unser Gefährt und ließen es zusammengeklappt auf dem Gang stehen. Das versperrte zugegebenermaßen wiederum die Fluchtwege für die Reisenden, wofür uns der ČD-Schaffner dann auch pflichtbewusst ordentlich anschnauzte. Die Frage, was das Kleinkindabteil gegenüber einem normalen Abteil auszeichne und wie die Tschechische Bahn sich den Transport von Kinderwagen vorstelle, blieb leider unbeantwortet. Die zwei Stunden nach Prag verbrachten wir daher mit Loriot-reifen Sich-Umsetz-Aktionen und Kletterszenen in unserem Abteil.

Fazit: Das Kleinkindabteil im ICE zu reservieren erhöht eindeutig den Reisekomfort, bei den Tschechischen Bahnen handelt es sich dagegen im Eurocity nach Prag um eine dreiste Mogelpackung.

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