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Rubrik: Kultur | 15.1.2016
Tschechische Osterbräuche: Wie man richtig "Velikonoce" feiert

Obwohl es in Tschechien einen vergleichsweise hohen Anteil an Atheisten gibt, lässt man sich das Feiern des Osterfestes nicht nehmen. Farbenfrohe, symbolträchtige Dekoration, vor allem aber Ostereier, Osterlamm und andere Leckereien sind auch hierzulande gern gesehen.

So mancher obskurer Brauch, noch aus heidnischen Zeiten stammend, kann jedoch gerade für junge Frauen verhängnisvoll werden...

Zu Tische

Neben den obligatorischen bunten Ostereiern hat die tschechische Osterküche einiges an süßen Leckerbissen zu bieten: auf keinen Fall fehlen darf das Osterlamm (Velikonoční beránek), ein Kuchen aus Biskuit, gefüllt mit Nüssen und Rosinen, der in einer speziellen Lamm-Form gebacken wird. Modernere Geschmäcker begeistern auch Hasen, Herzen, Bären und andere Formen. Eine wichtige Rolle spielen Häschen, Küken und Lämmer aus Lebkuchenteig, die in verschiedensten Farben verziert als Zeichen der Wiedergeburt und des Frühlings gelten.

Weiters speist man beispielsweise "hlavička", ein Gericht aus Kalbsfleisch mit Gries, Eiern und jungen Brennnesseln, das in der Region rund um Jihlava (Iglau) serviert wird, und eine Vielzahl an anderen, regional unterschiedlichen Traditionsgerichten.

Pomlázka und andere regionale Bräuche

Im östlichen Mähren, nahe an der slowakischen Grenze, wird ein Brauch namens "Velikonoční hrkání" zelebriert: dabei ziehen die Jungen am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag mit Ratschen (řehtačka) lärmend durch die Dörfer. Sie erinnern damit an das Leiden Jesu und vertreiben symbolisch Judas aus dem Dorf. Das Fasten am Karfreitag wird in religiösen Gebieten noch eingehalten, teilweise wird als Zeichen der Trauer auch die Arbeit niedergelegt. In Zentralmähren wäscht sich noch vor Sonnenaufgang die Familie, was Gesundheit fürs ganze Jahr bringen soll.

Abgesehen von unzähligen regionalen Bräuchen ist der bekannteste jedoch "pomlázka". Die Vorbereitungen beginnen am Ostersonntag, es gibt eine klare Rolleneinteilung: Die Jungen basteln sich eine Pomlázka, eine Rute aus in Wasser eingeweichten Weidenruten oder Palmkätzchen. Die Mädchen bemalen und verzieren Ostereier.

Am Ostermontag schlagen die Jungen ihren weiblichen Verwandten und Bekannten mit den Ruten auf die Oberschenkel oder versohlen ihnen den Hintern. Traditionell sollte dies eher sanft und symbolisch vor sich gehen, in der Praxis wird der Brauch jedoch bisweilen etwas brutaler vollzogen – weswegen sich die Begeisterung der Frauen oft in Grenzen hält. Der Brauch der "pomlázka" stammt aus der heidnischen Zeit – durch das Schlagen sollen Krankheiten und böse Geister vertrieben werden, so dass die jungen Frauen sich das Jahr über an bester Gesundheit und Schönheit erfreuen können. Die Mädchen binden als Dank für diese Dienstleistung bunte Bänder um die Ruten und verteilen Ostereier, Süßigkeiten und neuerdings auch Schnaps an die Jungen. Als sanftere Variante gilt das Bespritzen der Mädchen mit Wasser, welches die selbe Wirkung haben soll.

Kraslice

Die Ostereier nennt man in Tschechien "kraslice", hergeleitet vom tschechischen Wort "krásný" (schön). Farbenfroh repräsentieren sie den Einzug des Frühlings. Einen besonderen Stellenwert hat jedoch die Farbe rot, denn sie steht für Gesundheit, Freude, Glück und die Wiedergeburt. Eine Vielzahl an Eiern ist rot gefärbt, was sicher auch mit dem einfachen und billigen Färben mit Zwiebelschalen zu tun hat. Es werden jedoch der Kreativität keine Grenzen gesetzt, und das Schnitzen, Bohren, Bekleben, Beschreiben und sonstiges Verzieren der Eier ist eine wahre Kunst und ein traditionelles Handwerk.

Ostermärkte

Auf den traditionellen Ostermärkten, die in Prag aus dem Boden schießen, sobald die Frühlingssonne wärmer wird, kann man sich nicht nur die auf traditionelle Weise bemalten Ostereier kaufen. Am Wenzelsplatz, am Altstädter Ring und bei zahlreichen kleineren Märkten kann man sich in manchen Jahren noch bis zum 1. Mai mit allerhand österlichen Souvenirs und schmackhaften Leckerbissen aus den tschechischen Küche eindecken.

Themen: Ostern, Osterbräuche, Ostermärkte
Zuletzt aktualisiert: 15.1.2016

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