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| | | 2.4.2010

Blasehase und Eiinator – Vorbereitungen auf Ostern

Ich weiß ja nicht genau woran es liegt, möglicherweise daran dass ich alt und sentimental werde, oder einfach daran, dass ich nun nicht mehr bei Muttern wohne aber seit ich hier in Prag lebe, steh ich so total darauf, die Wohnung zu Feiertagen festlich zu schmücken und ähnliche Fisimatenten. Schon zu Weihnachten habe ich allen möglichen Kitsch nach hause geschleppt und meinen Mitbewohner in den schieren Wahnsinn getrieben, weil ich unbedingt mit ihm Plätzchen backen wollte. Letztendlich hat er sich aber erfolgreich gewehrt. Doch nun stand Ostern vor der Tür, und damit eine neue Chance für mich.

Vor ein paar Tagen erinnerte ich mich dann daran, dass meine Tschechisch-Lehrerin aus München uns erzählte, dass sie sich vor Ostern immer mit ihren Freundinnen trifft, sie zusammen Eier bemalen, sich das ein oder andere Gläschen genehmigen und sich so auf Ostern einstimmen. Genau das will ich auch machen, schoss mir durch den Kopf. Spontan fragte ich dann ein paar Mädels aus meinem Tschechischkurs, ob sie denn nicht Lust hätten, Eier zu färben. Und siehe da, im Gegensatz zu meinem Mitbewohner, fanden sie die Idee cool. Schnell war ausgemacht, dass wir uns am Mittwochabend bei mir treffen würden um uns in die richtige vorösterliche Stimmung zu bringen.

Aufgeregt lief ich gleich ins nächste Kaufhaus und kaufte Wasserfarben und Pinsel, Eier und Alkohol wollten die Mädels mitbringen. Nur wo kriege ich Eierbecher her? Da die Oma, die unter uns wohnt nur super wertvolle Porzellanstücke besitzt und gedroht hatte, mir den Kopf abzureißen, sollte eines davon kaputt gehen, wollte ich die lieber nicht benutzten. Tesco, der meiner Meinung nach ja alles zu haben scheint, hatte keine. Oder ich war nur zu doof sie zu finden. Als ich schon fast verzweifelt war, fand die Oma dann doch noch drei verhältnismäßig billige Becher, welche sie mir anvertraute.

Und schon war es Mittwochabend halb acht und ich lief los zur Tramhaltestelle, wo die Mädels auch schon dick bepackt mit Eiern auf mich warteten. Nachdem wir dann den Tisch, es handelt sich um ein 100 Jahre altes Stück aus der ersten Republik, mit diversen Küchentüchern gesichert hatten, ging es auch schon los. Während ich erstmal Wasser kochte, machte sich der Rest der Eierfärbetruppe daran, ein paar auszublasen. Tanja, der Blasehase, legte dabei erstaunliche Blaskraft an den Tag, auch wenn ihr nach dem dritten Ei dann doch etwas schwindelig war. Unser Eiinator, Martina, stellte sich dabei nicht ganz so geschickt an, und crashte schon das zweite Ei nur beim Versuch ein Loch zum Ausblasen reinzubohren. Aber man muss ihr lassen, dass sie das Ei dann doch noch in ein Kunstwerk verwandelte, indem sie aus Watte ein Kücken bastelte und das einfach in die angebrochen Eierschale setzte.

Nach sieben Minuten waren die Eier auch hart gekocht und jetzt ging es ans Malen. Ich freute mich wie ein Kleinkind, als ich den Pinsel das erste Mal in die Farbe tunkte und aus einem braunen ein orange-lila gepunktetes Ei wurde. Gut, zugegeben vielleicht nicht das kreativste Muster, doch hatten wir alle am Anfang noch so unserer Probleme mit wirklich künstlerisch anspruchsvollen Ideen. So machte sich Martina an die Umsetzung von "krtek a noc" (der kleine Maulwurf und die Nacht) – was hieß sie malte ihr Ei einfach schwarz an. Dafür hat sie dann aber doch erstaunlich lange gebraucht, weil das Schwarz auf dem weißen Ei einfach nicht decken wollte. Ein Fall von oder für die Traumdeutung in der Kunst?! Ich verlegte mich dann darauf, meine Eier mit Flaggen zu bemalen, um dann meinen Freunden ein Ei in ihrer jeweiligen Landsfarbe zu schenken und so die Osterfreude weiterzuverbreiten.

Sehr zu meinem Erstaunen kam nach einiger Zeit auch mein Mitbewohner zu unserer Hühnerrunde gestoßen, setzte sich und malte doch tatsächlich auch ein Ei an. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen fand er das dann auch gar nicht so doof. Um sich aber nicht zu sehr diesen Kindereien hinzugeben, machte er sich dann lieber daran, aus der Eimasse der ausgeblasenen Eier leckere Rühreier zu zaubern. So machten wir dann eine kleine kreative Essenpause, um danach gestärkt die letzten Eier zu bemalen. Um kurz nach Mitternacht hatten wir dann 18 kleine Kunstwerke geschaffen und erklärten die Eierrunde nach einem Erinnerungsfoto mit unseren Oeuvres für beendet und die Hühnertruppe zog beglückt von dannen.

Bildnachweis:
Monika Kindermann

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