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| | Nachtleben | 3.5.2009

Chillen im "Blind Eye"

Um in der Prager ERASMUS-spezifischen Partyszene zu überleben, muss der gemeine europäische Student entweder von Hause aus einen grottenschlechten Musikgeschmack haben, oder sich diesen unter Schmerzen und mit der Hilfe von viel Alkohol antrainieren. Charthits der übelsten Sorte - und zwar nicht nur die aktuellsten - sind die bevorzugte Tanzmusik. Was dann nicht dem Pop-Mainstream zuzuordnen wäre, ist meistens elektrolastig. Fazit: laut, anstrengend, scheußlich.

Will man einfach entspannt und vor allem bei guter Musik tanzen oder auch ein Bierchen und ein gutes Gespräch genießen, muss man sich nach einer Alternative umsehen, denn die soziale Isolation ist gerade während eines ERASMUS-Aufenthalts keine Option.

Ein Aufkleber auf einer Klotür an der Philosophischen Fakultät sollte Abhilfe schaffen. Hier wurde die donnerstägliche „Indienight“ im „Blindeye“ angepriesen. So richtig klar ist mir bisher noch nicht geworden, was die Besitzer unter diesem Label verstehen… Die guten alten Klassiker, wie zum Beispiel The Doors, die Stones und Led Zeppelin haben hier ihren Platz, aber auch Balkanklänge und ich nenn es mal „Lollipop-Rock ‘n Roll“ kann man hören. Klassifizierung hin oder her- Hauptsache gute Musik! Deshalb ist das „Blind Eye“  zu unserer  wöchentlichen Pilgerstatt avanciert.

Mit der Tram 9 oder 26 aus verschiedenen Richtungen der Stadt kommend, steigen wir an der Husinecká aus. Der von außen eher unauffällige Laden drückt sich in die Ecke Vlkova/ Krásova, die man nach einem kurzen, aber anstrengenden Aufstieg erreicht. Aus der geographischen Lage erklärt sich auch der Name der Lokalität: Das „Blind Eye“ liegt im ehemaligen Arbeiterbezirk Žižkov. Dieser wurde nach dem einäugigen Hussitenführer Žižka benannt, der in den Wirren des Krieges auch noch sein zweites Auge verlor.

Gleich am Eingang können wir unsere Reaktionsfähigkeit (Tschechien hat schließlich eine Nullpromillegrenze…) nach 3-4 Bierchen am Kicker überprüfen. Schon folgt der Barraum. Düster ist es hier, aber angenehm. Die Atmospäre erinnert stark an Berliner Läden in besetzen Häusern, die in den 90ern wie Pilze aus dem Boden sprießten.

Mit 22 bzw. 32 Kronen liegt das Bier (Budvar) im Prager Durchschnitt. Es gibt aber auch Cocktails- die üblichen Verdächtigen: Cuba Libre, Tequila Sunrise, Margarita, Beton etc. Eine besondere Spezialität sind die XXXL-Cocktails (0,6l!) mit so kreativen Namen wie „Sex with the Bartender“, „Long Fucking Island“, „Evil Eye“.

In den Sitzecken lümmelt sich das eher junge und internationale Publikum. Touristen sind dies aber meistens nicht, sondern sogenannte „Expats“, die hier studieren, arbeiten und das Leben genießen. Allerdings müssen auch Tschechen hier als Exoten gelten. Die lockere Atmosphäre führt dazu, dass man schnell mit seinen Sitznachbarn ins Gespräch kommt.

Alle 2 bis 3 Wochen gibt es eine Balkan-Beats-Night, die sich voll und ganz der Balkan- und Klezmermusik widmet. Aktuelle Termine erfährt man in der gleichnamigen Facebook-Gruppe.

Bildnachweis:
Lisa Schulze

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