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www.ngprague.cz/www.ngprague.cz/ | Pressemitteilungen | 19.4.2017

Prag - Die Nationalgalerie in Prag eröffnet bereits am 26. April die erste Gerhard-Richter-Retrospektive in Ostmitteleuropa mit über 70 Werken des Künstlers. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland organisiert und ist Teil des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings 2017. Gerhard Richter gilt als einer der bedeutendsten Künstler der letzten Jahrzehnte. Auch in den Auktionssälen der Welt erzielen seine Werke höchste Preise.

„Viele Kritiker halten Gerhard Richter für den größten lebenden Künstler. Seine Ausstellung im Palais Kinsky und im Kloster der hl. Agnes von Böhmen bietet einen Querschnitt durch seine fast 60 Jahre währende künstlerische Laufbahn. Zu sehen sind ikonische Werke von den Fotobildern bis zu expressiven und geometrischen Abstraktionen“, erläutert der Generaldirektor der Prager Nationalgalerie und Kurator der Ausstellung Jiří Fajt.

Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren. Er ist einer der ersten deutschen Künstler seiner Generation, dem es gelungen ist, sich künstlerisch mit der NS-Vergangenheit seines Heimatlandes auseinanderzusetzen. Mit dem Nationalsozialismus war Richter in seiner Familie direkt in Berührung gekommen. „Richter selbst hält die deutsche Geschichte allerdings nicht für sein Thema und möchte nicht, dass sein Werk auf sie verweist. Außerdem wünscht er nicht, dass sein Schaffen didaktisch interpretiert oder dramatisiert wird“, erklärt Jiří Fajt.

Die in Ostdeutschland verbrachten Nachkriegsjahre dienten Richter als Vorbereitung auf seine lebenslange Mission: die beständige Erforschung der Möglichkeiten des malerischen Ausdrucks. Die Entdeckung der westlichen Nachkriegskünstler wie etwa Jackson Pollock eröffnete ihm den breiten Horizont der künstlerischen Freiheit und ließ ihn zugleich entschieden die trübsinnige Realität des Lebens im Ostblock ablehnen, worin ihn eine Reise nach Moskau 1961 noch bestärkte. Gerhard Richter emigrierte nach West-Berlin, heute lebt er in Köln.

„Die Ausstellung möchte Richters ungewöhnliche Bandbreite künstlerischer Ausdrucksmittel vorstellen und den Besuchern eine vielfältige Auswahl seiner wesentlichen Werke präsentieren, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler ausgewählt und installiert wurden“, ergänzt Jiří Fajt. Gerhard Richter ist als Künstler nicht eindeutig einzuordnen. Inspiration schöpft er aus einem breiten Spektrum historischer Einflüsse, die vom Realismus bis zum Naturalismus, vom Impressionismus zur Pop-Art, von der Konzeptkunst bis zum abstrakten Expressionismus reichen.

Die Ausstellung zeigt alle Aspekte von Richters Schaffen: die nach Fotos gemalten ikonischen Porträts seiner Töchter Betty und Ella, aber auch Bilder, die den gängigen Alltag oder historische und aktuelle gesellschaftliche Themen reflektieren, Seestücke und Gebirgslandschaften, monochromatische graue Bilder, expressive abstrakte Kompositionen, die Serie der geometrischen, digital bearbeiteten Strips und die berühmten Farbmustertafeln, die als Basis für den Monumentalauftrag zur Gestaltung eines Kirchenfensters im Kölner Dom dienten. Aus Lidice wurde das Bild Onkel Rudi entliehen, das der Künstler vor einem halben Jahrhundert der dortigen Galerie schenkte und das Richters Onkel als Wehrmachtssoldaten zeigt. Ausgestellt werden auch Blätter aus dem legendären Atlas, einer Sammlung von eigenen Fotos, Zeitungsausschnitten und Skizzen, die Richter systematisch seit den 60er Jahren als Vorbereitungsmaterial zusammengetragen hat.

Der Hauptteil der Ausstellung befindet sich im Palais Kinsky, dessen Erdgeschoss mit neuem Besucherareal, neuem Kassenbereich, Infozentrum und Shop für dieses Projekt teilweise renoviert worden ist. Durch den Innenhof des Palais wird der Besucher entlang der Zeitachse mit Richters Biografie in den ehemaligen Marstall im Erdgeschoss geleitet, wo sowohl der Künstlerfilm als auch Dokumentarfilme über Richters Werk vorgeführt werden, darunter z. B. der berühmte abendfüllende Film Painting. Die zentralen Kunstwerke befinden sich im zweiten Stockwerk des Palais. Im unweit gelegenen Kloster der hl. Agnes von Böhmen ist der zweite, weniger umfangreiche Teil der Ausstellung zu sehen; hier wird Richters Zyklus Birkenau gezeigt, der Leiden und Schrecken des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau reflektiert. Weiter können die Besucher ein monumentales Glasobjekt betrachten, das mit dem Spiel einfallender und zurückgeworfener Lichtstrahlen arbeitet.

Deutsch-tschechischer Kulturfrühling 2017

Anlässlich des 20. Jahrestags der Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung vom 21. Januar 1997 findet von März bis Juni 2017 der Deutsch-Tschechische Kulturfrühling statt, der Teil des strategischen Dialogs zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik zu beiden Seiten der Grenze ist. Der Deutsch-Tschechische Kulturfrühling 2017 ist eine grenzübergreifende Kulturinitiative der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag, des Goethe-Instituts in Prag, des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Tschechischen Zentren in Berlin und München in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium und dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Tschechischen Republik. Die Ausstellung Gerhard Richter in der Nationalgalerie ist der zentrale Punkt im Programm des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings, das außerdem die Ausstellung Eberhard Havekost in der Galerie Rudolfinum, kulturelle Aktivitäten in den Regionen, Jugendaustausch-Projekte und zahlreiche andere Aktionen umfasst.

Autor:
Pressemitteilung der Nationalgalerie Prag vom 19.4.2017

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