Ausstellung "Logik": Eberhard Havekost in der Galerie Rudolfinum

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Der Autor

Larissa Fink, Jahrgang 1995, studiert derzeit Journalismus und Medienwissenschaft an der Karls-Universität Prag. In Deutschland studiert sie an der Universität-Mainz Publizistik und Soziologie.

In ihrer Freizeit interessiert sie sich vor allem für kulturelle Themen wie Theater, Kunst und Musik. Aber auch Reisen und Schreiben zählen zu ihren Interessen.

Für prag aktuell ist sie seit Februar 2017 als Redakteurin tätig und bloggt über ihren Alltag in Prag. Dabei testet sie sich als Veganerin gerne durch verschiedene Restaurants, entdeckt gemütliche Musikkneipen oder besucht neue Kunstausstellungen.

 

Bildnachweis:
Larissa Fink

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| | Kultur | [field_blog_kategorie] | 17.3.2017

6 Dokumentationen in 6 Tagen

Das Dokumentarfilmfestival "Jeden svět/One World" in Prag

Letzte Woche fand wieder das Filmfestival "Jeden svět/One World" in Prag statt. Jeden Tag wurden in verschiedenen Programmkinos Dokumentarfilme zu Menschenrechten gezeigt. Mich sprechen alle Filme an und für circa 70 Kronen pro Vorstellung nehme ich mir vor, so viele Filme wie möglich zu schauen.

Die erste Dokumentation, die ich mir anschaue, heißt „Liberation Day“ und handelt von der kontroversen Band Laibach und ihrem Auftritt in Nordkorea. Auf eine sehr unterhaltsame und teilweise belustigende Weise zeigt die Dokumentation die Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Nordkorea. Die Bilder, die man von dem Land sieht, stimmen nachdenklich. Dennoch kritisiert die Doku nicht mit erhobenem Zeigefinger. 

Am nächsten Tag schaue ich „Machines“. Der Film zeigt die erbarmungslose Textil-Industrie in Indien. Ohne viele Worte wird deutlich, wie trost- und aussichtslos der Alltag der Arbeiter ist. Zäh und schleppend wie die Arbeit an den Maschinen erscheint auch der Film. Ich verlasse bedrückt und nachdenklich das Kino. 

Ähnlich ist die dritte Dokumentation „Plastic China“. Der Film begleitet zwei Familien auf einer Plastik-Recycle-Farm in China. Besonders das Schicksal der jungen Arbeiter-Tochter, die sich selbstlos um ihre Geschwister kümmert und kocht anstatt zur Schule zu gehen, bricht einem das Herz. Und obwohl sie sehr jung ist, sieht man, dass sie sich der Aussichtslosigkeit ihrer Situation schon bewusst ist. Ich frage mich, was wir anders machen können und nehme mir vor, weniger Plastik-verpackte Lebensmittel zu kaufen.

Am unterhaltsamsten ist wohl „Raving Iran“. Für mich bisher die leichteste Kost unter den Filmen. Er handelt von zwei sympathischen DJs aus dem Iran, die in ihrer Heimat nicht ihre Leidenschaft zur Musik ausleben können. Die Kamera begleitet sie bei der Organisation von illegalen Partys in der Wüste und auf ihrer Reise in die Schweiz, wo sie letztendlich bleiben. Wieder sehe ich viel Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Aber endlich ein Film mit Happyend. Zumindest teilweise.

Ich habe noch immer nicht genug von den Dokumentationen und schaue mir den Film „Jackson“ an. Es geht um die letzte Abtreibungsklinik in Mississippi. Man sieht sowohl die Arbeiter der Klinik als auch die Gegner, die pausenlos vor den Türen demonstrieren und ihre Meinung kundtun. Aber auch das Schicksal einer jungen Mutter, die zur armen Unterschicht gehört. Wieder scheint die Doku keine klare Stellung zu beziehen und lässt die Bilder für sich sprechen. Erneut verlasse ich das Kino voller Ärger über die Welt und die herrschende Ungerechtigkeit und mangelnde Toleranz.

Der letzte Film, den ich sehe, heißt „Chasing Asylum“. Er erzählt von der Australischen Flüchtlingspolitik und zeigt die Flüchtlingscamps vor Australien auf den Inseln Nauru und Papa-Neuguinea. In unmenschlichen Verhältnissen werden Kinder, Frauen und Männer dort auf unbestimmte Zeit festgehalten, um das Ankommen von weiteren Flüchtlingsbooten zu verhindern. Ehemalige Helfer berichten von den unzumutbaren Zuständen, unterstützt von Aufnahmen einer versteckten Kamera. Dieser Film nimmt mich am meisten mit. Und ich merke, dass ich erst einmal eine Pause von den Dokumentationen brauche, um das Gesehene zu verarbeiten.

Alle Filme haben auf unterschiedliche Art und Weise Missstände in der Welt aufgezeigt. Die meisten taten dies auf eine eher subtile Art und ohne viele Worte. Ich habe in den sechs Tagen viele eindrucksvolle Bilder aus anderen Ländern gesehen, von Schicksalen anderer Menschen erfahren und viel nachgedacht.

Externer Link: One WorldOne World
Bildnachweis:
Oneworld.cz - Veranstaltungsplakat

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