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| | Nachtleben | 14.12.2008

Wie ein Phönix aus der Asche. Das Prinzip Flurparty.

Pssst. Hast du schon gehört? We slightly have to change the plans for tonight. Gebäude zwei. Um sieben geht’s los. – Endstation Hostivař. Endstation Flurparty. Oder: Wie eine Party trotz unerwünschter Dauergäste und Stromausfall immer überlebt.

Es ist das erste, was man als Erasmus-Student in Prag erfahren sollte: Eine Wohnheim-Party. Denn dies ist der Beweis für studentische Bescheidenheit und die unvergleichliche Lust daran, Spaß zu haben.

Das Gebäude zwei trumpfte diesmal ordentlich auf. Sechs Stockwerke, sechs Mottos, sechs Dekorationen. Kostenloser Alkohol. Wir sind spät für eine Wohnheimparty. Um kurz vor elf finden wir uns zwischen Christmas- und School-Floor wieder. Der Treppenaufgang ist brechend voll. Die Ost-Aufzüge benutzt hier kaum einer mehr. Überall springen Weihnachtsmänner oder Mädchen in vermeintlichen Schuluniformen durch die Gegend. Erst einmal Glühwein, bitte!

Kerzenschein. Was Kuschel-Romantik gleicht, hat nur einen Grund: Seit 27 Minuten gibt es keinen Strom mehr. Absicht, könnte man vermuten. Die Damen am Empfang unten sind charmant wie Lebensmittelmotten im Müsli. Dass Menschen ununterbrochen in das Gebäude strömen, ist ihnen nicht entgangen. Wir rutschen alle etwas näher beisammen, setzen uns auf den versifften Boden. Kein Strom, keine Musik. Et voilá: Konversation.

Das Prinzip ist vergleichsweise simpel: Man nehme Erasmus-Studenten und ein wenig Alkohol. Die sonst notwendigen Utensilien – Licht, Musik, Location – werden auf einmal überflüssig. Für eine halbe Stunde packt jeder ein Teelicht aus, plaudert, trifft Leute von der letzten Party. Socializing.

Und es hätte ein guter Abend werden können, ein guter Ausflug nach Prag 10. Es ist viertel vor zwölf. “JDETE! JDETE!” Dunkelgekleidete Polizisten mit Schlagstöcken schreien durch den Flur. “GET OUT!” Diesmal nützt kein Bußgeld. Manchmal ist es mit 500 zusammengekratzten Kronen getan. „Where is your dormitory card?!“ Die kleine Frau mit roten Haaren ist berühmt-berüchtigt. Immer schön nicken. „It’s in my room“, gute Antwort.

Wir setzen uns in Bewegung, verteilen uns auf die anderen Gebäude. Ich hole meine Jacke und will gehen. Psssssst. Hast du schon gehört? Polizei weg. Zweites Gebäude. Party geht weiter.

Bildnachweis:
Julia Kilian

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