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| | Reise | 30.11.2008

Panik auf dem Prager Weihnachtsmarkt

Entzündung der Lichter des Weihnachtsbaumes auf dem Altstädter Ring

Es ist Samstag, die Luft kalt und trocken. Schon von weitem blinken die ersten Lichter. Der Glühwein dampft. Ich habe Besuch und wir schließen uns der Meute an: Wir warten auf den Weihnachtsbaum. Wer konnte ahnen, dass sich die harmlose Idee als Ausgeburt des Bösen erwies.

Denn in der Menge zeigt sich das wahre Gesicht der Einheimischen und Touristen: Ihre Leidenschaft ist das Drängeln. Schon auf dem Wenzelsplatz verstopfen Menschentrauben die Gassen zwischen den Ständen. Noch nehme ich alles ganz gelassen, freue mich auf Weihnachtsflair und bunte Häuschen.

Doch der Sog wächst, man wird gequetscht und gestoßen. Plötzlich bin ich nicht mehr Herr meiner Bewegung, werde fremdbestimmt durch die Masse der Menschen. Wir verlieren uns. Kinder bekommen Angst. Inmitten der Menge ein Müllwagen auf dem Altstädter Ring, versunken im Chaos. Alle wollen sehen. Sie wollen sehen, wie der große Weihnachtsbaum erleuchtet und die Adventszeit eingeläutet wird. Ich will nur noch weg. Doch wie beim Spiel: Rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Wir kämpfen, jeder für sich. Nach St. Niklas wollen wir uns durchschlagen, heraus aus der Unbeweglichkeit. Hinter mir stemmen sich drei Tschechen mit vollem Gewicht gegen meinen Rücken. Vor mir ein Kinderwagen. Meine Gedanken sind bei allen Klaustrophobikern dieser Erde. Und es dauert gefühlte Stunden, bis ich meinen Arm wieder frei schlendern, meine Füße ihren Weg finden lassen kann. Jetzt nur eins: Schleichwege. Mein Prager Weihnachtsmarkt, ich werde wiederkommen und mich an dir erfreuen. Aber nie mehr an einem Samstagabend.

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