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Tschechien OnlineTschechien Online | Rubrik: Reise | 24.8.2016
Die Prager Burg ist nicht nur eines der imposantesten Burgareale der Welt, sondern blickt auch auf eine jahrelange Entstehungsgeschichte zurück

Prag - Die Prager Burg erstreckt sich mit 570 Metern Länge und 128 Metern Breite über ein so großes Areal, dass sie einigen Besuchern selbst wie eine kleine Stadt erscheint. Kein Wunder, so handelt es sich bei dem sich horizontal ausbreitendem Bauwerk um eine der größten Burgen weltweit. Im 9. Jahrhundert erbaut, war sie seither Wohnstätte für Herzöge, Könige, Kaiser und Staatspräsidenten. Die außergewöhnliche Architektur des Wahrzeichens der Stadt mit dem mittig gelegenen Veitsdom kommt nicht von irgendwoher und ist das Werk mehrerer Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte. Erstmals Erwähnung fand die Prager Burg im Jahr 885 im Zuge der Gründung der St.-Marien-Kirche durch den Přemyslidenfürsten Bořivoj. Doch erst sein Nachfolger Spytihněv, der von 895 bis 915 regierte, baute die Grundmauern in einer zweiten Phase so weit aus, dass die Prager Burg als Residenz genutzt werden konnte und schließlich das Zentrum der Přemyslidenherrschaft wurde. Die Přemysliden gehen auf ihren Stammhalter Přemysl den Pflüger zurück, der einer Christianslegende nach die Stadt Prag von einer Seuche befreite.

Přemysl der Pflüger war seinem Namen nach zunächst mit dem Pflügen von Feldern beschäftigt und wurde vom Volk auf Anraten einer Wahrsagerin namens Libuše als Herrscher eingesetzt. Sie ist der Legende nach nicht nur die spätere Frau von Přemysl dem Pflüger, sondern auch diejenige, die durch eine hellseherische Eingebung den Böhmen zum Bau der Prager Burg geraten hat. Die Wahr- und Hellseherei war zur frühmittelalterlichen Zeit faktisch gesehen meist massenbezogen und entstammte im Endeffekt oft dem Klerus. Noch heute gibt es professionelle Wahrsager, wie ein Blick auf Questico beweist.

Eine große Umbauphase fand im 11. Jahrhundert statt, als die ehemalige Holz-Erde-Mauer durch Stein ersetzt wurde. Später blieb die Burg zunächst aufgrund eines Streites zwischen König Vratislav II. und seinem Bruder Jaromir und ab 1303 aufgrund eines Großbrandes als Residenz ungenutzt. Nach dem Wiederaufbau im Jahr 1333 unter Karl IV. wurde das Bistum Prag schließlich zum Erzbistum erhoben. Die Prager Burg ist seinerzeit und auch heute vor allem bekannt für die Basilika St. Georg, den Dom St. Veit sowie die Heilig-Kreuz-Kapelle, in der einst der Domschatz aufbewahrt wurde. Seit 973 war sie ein Bischofssitz. Schließlich erlosch das Interesse an der Burg unter Wenzel IV. jedoch wieder, welcher auf seinen eigens erbauten Königshof übersiedelte. Im Zuge der Renaissance und einem Ausbau der Prager Burg zog die Residenz Ende des 15. Jahrhunderts wieder zurück in die Burg.

Der Dreißigjährige Krieg markierte schließlich eine Wende. Der berühmte Zweite Prager Fenstersturz, bei dem die Statthalter des Kaisers Ferdinand II. aus dem Fenster geworfen wurden, fand in einem Flügel der Prager Burg statt. Im darauffolgenden Dreißigjährigen Krieg kämpften böhmische Protestanten gegen Habsburger Katholiken. In den 400 Jahren danach stand das imposante Gebäude schließlich unter der Obhut der Habsburger. (dap)

Themen: Prager Burg (Hradschin)
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