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Tschechien OnlineTschechien Online | Rubrik: Kultur | 13.4.2012
Das 22. Prague Writers' Festival beginnt am 15. April

Prag - Am Sonntag beginnt eine neue Folge des Prague Writers' Festival, kurz PWF, und damit die seltsamste Dauergroßveranstaltung der Stadt.

Seit nun 22 Jahren bringt das von dem US-Amerikaner Michael March ins Leben gerufene und nach eigenen Angaben größte Literaturfestival Mitteleuropas gewichtige Literaten und Dichter aus aller Welt für vier Tage nach Prag, darunter bereits etliche Literaturnobelpreisträger.

Die Schriftsteller kommen dieses Mal aus vier Kontinenten, darunter zum Beispiel Hanif Kureishi aus London, Duo Duo aus China und Hamdy el-Gazzar aus Ägypten. Mit zunehmenden Festivalsalter wird die Autorenriege auch durch einheimisches Literatenpersonal aufgestockt.

Wie immer bildet ein mit großem Pathos gestalteter und im Grunde höhepunktfreier Gala-Abend den Auftakt des PWF. In diesem Jahr werden gestandene Autoren aus Indien, Spanien und der Türkei dabei sein. Als Moderator wird der Ökonom Tomáš Sedláček fungieren, der in der Diskussion auf der Suche nach einer moralischen Soft-Ökonomie zur Zeit die publizistische Führung übernommen hat, und Monika Načeva wird für Musik und Gesang zuständig sein.

Nach dem Gala-Rausch beginnt der Festivalsalltag, das heißt Literatur und ihre Literaten übernehmen ohne Beiprogramm die Bühne. Im Dunkel der Nová scéna - den meisten noch besser bekannt als Laterna magika - werden die angereisten Schriftsteller in Lesungen und Diskussionen präsentiert. Von den Lesungen sagte selbst ein maßgebliches Mitglied der Organisationsriege des Festivals hinter vorgehaltener Hand einmal: „Die sind doch langweilig“.

Spannender sind zweifelsohne die Diskussionsrunden, wobei man auch hier keine Hochspannung erwarten darf, aber immerhin ab und an doch sehr anregende Gespräche, die sich oft dadurch auszeichnen, dass sie keinem roten Faden folgen und die Gedanken als freie Elektronen durch die Saal schwirren dürfen, woraufhin sie entweder auf ein williges Proton treffen und erstrahlen oder als Neutrinos ganz wirkungslos in sich zerfallen. Höhepunkte sind jedenfalls die, die gar nicht als solche erscheinen - zwischen den Worten ist der Sinn des Ganzen zu suchen.

Doch doch, so wird es wieder sein, und sollte der Autor dieser Zeilen mit seinen quantenphysikalischen Bildern etwas schief liegen, so ist das einzig der Inspiration durch die gefühlten hundert PWF geschuldet, die er bereits mitmachen durfte. Manche der Schriftsteller jedenfalls fühlen sich bei diesen Ausflügen ins Sphärisch-Lyrische ebenfalls sichtlich wohl und lassen auch den ein oder anderen Zuhörer an ihrer Freude teilhaben, andere verlassen die Bühne vermutlich ebenso verstört, wie nicht wenige der ohnedies meist wenigen Zuschauer das Gedanken-Laboratorium der Laterna magika.

Ach ja, ein Motto hat jedes Festivalsausgabe auch, und sie werden von Mal zu Mal rätselhafter: „Manche mögen es heiß“, war es im letzten Jahr, nun noch deklamatorischer: „Nur die Zukunft existiert“.

Gegenwart ist bereits die komplette Übertragung der Veranstaltung im Internet. Die einst unter Kulturjournalisten der Stadt so beliebte Pressekonferenz einen Monat vor dem Ereignis ist vor zwei Jahren durch eine virtuelle Netzveranstaltung mit In-mailings ersetzt worden. Und die Zukunft? Vielleicht das ganze Festival als Live-Blog? Ein Social-Event als Social-Network-Event? Wir sind schon jetzt gespannt aufs nächste Jahr.

Wer noch in diesem Jahr nicht nur physikalisch, sondern auch physisch dabei sein will, kann Karten direkt vor Ort erwerben, oder sich das Spektakel bei drei kostenlosen Veranstaltung einmal ansehen, etwa am Mittwoch, den 18. April um 17.00 Uhr, wenn der Festivals-Chef und im besten Sinne eigenwillige Moderator Michael March im American Center auf der Kleinseite unter anderen mit der indisch-deutschen Autorin Anita Desai über die Zukunft der USA diskutiert – oder sollte man besser sagen: laboriert? (mm)

Themen: Prague Writers' Festival, Schriftsteller, Tomáš Sedláček, Monika Načeva

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