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| | Reise | 19.4.2012

Wundervolle Schätze, nicht nur aus Papier

Die Strahov-Bibliothek in Prag

Nachdem mich schon die Bibliothek des Klementinum stark beeindruckt hat, will ich mir jetzt die des Strahov Klosters auf keinen Fall entgehen lassen. Die Strahov-Bibliothek liegt mitten im Kloster-Areal, umgeben von den hohen Klostermauern. Zuerst war der Eingang gar nicht so leicht zu finden, relativ unscheinbar ist er ein bisschen versteckt und der Vorraum vor dem Ticketschalter ist so klein, dass nur drei Leute auf einmal hineingehen sollten. Der Eintritt ist für Studenten mit 50 CZK relativ günstig, allerdings muss man die Erlaubnis zum Fotografieren ebenfalls erwerben, sie kostet nochmal 50 CZK. Auf die Foto-Erlaubnis verzichte ich dieses Mal, ich will einfach nur so durch die Ausstellung schlendern und die alten Bücher, Möbel und alle anderen Ausstellungsstücke ohne störenden Kamerablitz auf mich wirken lassen.

Zur Bibliothek selbst geht es über eine Treppe nach oben. Danach landet man in einem Raum, in dem in der Mitte schon der Souvenirstand wartet. Eine freundliche Dame am Eingang fragt jeden Besucher nach seiner Landessprache, woraufhin man dann ein Informationsblatt ausgehändigt bekommt, auf dem die wichtigsten Fakten über Bibliothek und anschließende Ausstellung nachzulesen sind.

Als erstes wollen wir natürlich die alten Bibliothekssäle bestaunen und halten uns nicht lange im Vorraum auf. Insgesamt gibt es zwei Säle, den theologischen und den philosophischen Saal, die sich beide in Sachen Atmosphäre in nichts nachstehen.

Obwohl man, wie schon im Klementinum, am Eingang zu beiden Büchersälen leider von einem Seil aufgehalten wird, das einen zwingt, von der Tür aus zu versuchen, so viel wie möglich von den Wänden voller Bücher und der Deckenbemalung zu sehen, kann man sich vorstellen, tagelang in dieser Bibliothek zu sitzen und alte Bücher durchzustöbern. Der Saal verbreitet eine Atmosphäre von Ruhe und Wissen, von konzentriertem Studieren und tausend Geschichten, die in den Bänden in den Wandregalen verborgen sind. Ich bedaure, nicht an den Regalreihen entlangschlendern, mit der Hand über die Buchrücken streichen und hier und da ein Exemplar herausziehen und aufschlagen zu können.

Als wir es endlich schaffen, uns vom Anblick der Bücher und der Sehnsucht danach, sie aus nächster Nähe erforschen zu können, loszureißen, wenden wir uns der restlichen sogenannten Kuriositäten-Ausstellung zu. Diese reicht von Käfern über Schmetterlinge bis hin zu allem möglichen Meeresgetier, das mit den Mitteln der damaligen Zeit konserviert worden ist und jetzt einen leicht vertrockneten Eindruck macht. Neben Schildkröten, Seesternen und Seepferdchen gibt es sogar einen Hammerhai. Am meisten fasziniert mich aber der Narwal-Zahn, der längs eines Podestes liegt, auf dem das Modell eines früheren Kriegsschiffs ausgestellt ist. Laut der Beschreibung, die wir am Eingang bekommen haben, wurde dieser Narwal-Zahn früher als das Horn eines Einhorn verkauft und wenn man sich den Zahn näher anschaut, fällt es nicht schwer, daran zu glauben.

In einer Eckvitrine sind Geschenke berühmter Persönlichkeiten an die Strahov-Bibliothek oder das Kloster an sich ausgestellt. Leider kennen wir keine einzige dieser Persönlichkeiten, allerdings sehen die Geschenke (meist Geschirr und verzierte Bibeln) unglaublich kostbar und wertvoll aus, vor allem die Perlmutt-Bibel hat es uns angetan. Im weiteren Verlauf der Ausstellung gibt es noch mehr alte Bücher zu sehen, viele davon in lateinischer Sprache und mit juristischem oder medizinischem Inhalt. Wieder darf man sie leider nicht berühren und obwohl es mich in den Fingern juckt habe ich zu viel Angst, von den Adleraugen der Wachfrau entdeckt zu werden. Die Bücher werden in tollen alten Schränken präsentiert und entlang des Ganges stehen wunderschöne Tischchen und Sekretäre.

Nachdem wir alles gesehen und bestaunt haben, geht es zurück in die Eingangshalle, in der verschiedene Handschriften ausgestellt sind, die so filigran und schön aussehen, dass es uns bei jedem Buch aufs Neue in Erstaunen versetzt. Dort ist auch das Herzstück der Bibliothek, das handgeschriebene Strahover Evangeliar ausgestellt. Besonders angetan hat es uns eine Karte von Europa, in der Europa als Jungfrau dargestellt ist und die Staaten Gliedmaßen, Krone und Kleid dieser Jungfrau bilden. Obwohl geografisch nicht ganz korrekt beeindruckt uns die Karte mit ihrer Originalität.

Zum Schluss, nach einem letzten Blick auf das vermeintliche Einhorn-Horn, bleibe ich natürlich am Souvenirstand hängen und muss mir einfach ein Poster kaufen. Für 30 CZK kann ich einfach nicht widerstehen und sehe das Poster in Gedanken schon in meiner Wohnung zurück in Deutschland vor mir. Das Motiv sind natürlich Bücher, besser gesagt jene Buchrücken, die ich nicht berühren durfte. Das kann ich jetzt so oft ich will zu Hause nachholen.

Externer Link: www.strahovskyklaster.czwww.strahovskyklaster.cz
Bildnachweis:
Strahovskyklaster.cz

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