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Tschechien OnlineTschechien Online | Rubrik: Wirtschaft, Finanzen | 9.5.2006
Viele Waren und Dienstleistungen heute billiger, Löhne steigen schneller als Inflation

Prag - Die Befürchtungen, der EU-Beitritt Tschechiens am 1. Mai 2004 würde zu einer deutlichen Teuerung und einem Anstieg der Lebenshaltungskosten führen, haben sich nicht bestätigt.

Nach gut zwei Jahren in der EU wird immer deutlicher, dass derartige Ängste unbegründet waren. Tatsächlich sind im Gegenteil viele Waren günstiger geworden, wie die Tageszeitung Mladá fronta Dnes (Prag) feststellt.

Nach einer Untersuchung der Durchschnittspreise bei mehr als tausend Waren und Dienstleistungen, die das Tschechische Statistische Amt (ČSÚ) statistisch erfasst, von Grundnahrungsmitteln bis zu Gebühren für die Hundehaltung oder Katzenfutter, ist sogar ein Preisrückgang bei vielen Produkten und Dienstleistungen festzustellen.

Der Preisanstieg sämtlicher erfassten Waren und Dienstleistungen betrug in den vergangen zwei Jahren insgesamt gut 4 Prozent. Im gleichen Zeitraum stiegen Renten und Löhne aber um mehr als 10 Prozent.

Neue Discounter drücken auf Lebensmittelpreise

Die Preissenkungen hängen dabei mit veränderten Warenströmen zusammen. Aus Polen und den südeuropäischen Ländern werden nun mehr billiges Obst und Gemüse nach Tschechien eingeführt, wodurch freilich die tschechischen Produzenten ebenfalls unter Druck geraten.

Zudem haben wegen des EU-Beitritts Handelsketten der Lebensmittel-Discounter massiv in Tschechien investiert und etliche neue Geschäfte eröffnet. Die schärfere Konkurrenz hat die Lebensmittelpreise auf dem gleichen oder sogar einem niedrigeren Niveau als im Jahr 2004 gehalten. Das Bier in den Restaurants hat sich zwar im Durchschnitt um 14 Prozent verteuert, in den großen Hypermärkten kostet es aber genau so viel wie 2004 oder ist sogar billiger.

Auch in anderen Warengruppen kam es zu Peissenkungen, wie beispielsweise bei löslichem Kaffe, Cola, Brandy, italienischem Wermut, Wein, Ketchup, Gebrauchtwagen, Lederjacken, Modekleidung oder Waschpulver. Unverändert blieben die Preise für Milch, Mehl und Eiern.

Einige Spieler geben auf

Auf dem engen tschechischen Markt sind inzwischen schon so viel Handelsketten aktiv, die auf die Preise drücken, dass einige den Kampf bereits aufgegeben und sich zum Weggang aus Tschechien entschieden haben, wie zum Beispiel Edeka, Julius Meinl oder Carrefour. Auch in diesem Jahr dürfte sich die Konkurrenz weiter verschärfen und nach Meinung von Fachleuten nicht mehr nur in den großen Städten, sondern auch in kleinere Gemeinden ausgetragen werden. Die Diskontisierung, bei der vor allem über den Preis konkurriert wird, setzt sich fort.

Nach unten gegangen sind auch die Preise für Unterhaltungselektronik. Hierbei sind ein wichtiger Faktor allerdings die neuen Technologien. So wurden Videorekordern um 40 Prozent billiger. Den Preisverfall verursachten dabei die konkurrierenden DVD-Player, die heute preislich für beinahe jeden Haushalt erschwinglich sind.

EU nur für Teuerung bei wenigen Waren verantwortlich

Der EU-Beitritt Tschechiens ist nur bei wenigen Waren und Dienstleistungen für den Preisanstieg verantwortlich. Direkt nach dem Beitritt verteuerten sich Telefongespräche, Speisen und Getränke in Restaurants und Zigaretten, und zwar wegen Anhebung der Mehrwertsteuer oder der Anhebung der Verbrauchssteuern. Der EU-Beitritt ließ auch die Preise für Bananen, Zucker und Reis steigen.

Zuvor wurde beispielsweise Reis hauptsächlich aus asiatischen Staaten eingeführt. Seit dem EU-Beitritt gilt Reis aber als „empfindliches“ landwirtschaftliches Produkt (ebenso wie Zucker und Bananen), das bei der Einfuhr aus Asien mit hohen Zöllen belegt wird. In der Folge wird der Reis nun überwiegend aus Italien Griechenland oder Frankreich eingekauft. Der europäische Reis ist zwar teurer als asiatischer, unter dem Strich aber doch billiger, da er mit keinerlei Zoll belegt ist.

Die tatsächliche Preissteigerung kann dabei wegen des großen Konkurrenzdrucks nicht vollständig an die Endverbraucher weitergegeben werden. Ähnlich ist die Situation auch bei Bananen und Zucker, deren Einfuhr aus den ehemaligen Kolonien der Mitgliedsländer von der EU durch geringere Zölle gefördert wird.

Preistreiber: Gas und Rohöl

Den Haupteinfluss auf die Preise hatte die Steuerharmonisierung. Im Jahr 2004 und 2005 war die Inflation in Tschechien dabei geringer als in der gesamten EU, wie der Analyst David Marek von Patria Finance anmerkt.

Den stärksten Einfluss auf die Preisentwicklung hatten demnach Maßnahmen der tschechischen Regierung bei der Änderung von regulierten Preisen, indirekten Steuern, zudem die Stärkung der tschechischen Kronen die Schwankungen der Preise für Rohöl und Erdgas. Und weiterhin gilt, dass die Preise für Löhne deutlich schneller steigen als die Inflation. (nk)

Was sich am stärksten verteuert hat

Unterkunft im Studentenwohnheim + 109 %
Gas + 41 %
Kindergartengebühren + 35 %
Bananen + 32 %
Puderzucker + 20 %
Reis + 15 %
Schwimmbad-Eintrittskarten + 15 %
10°-Bier im Restaurant + 14 %
Mittagessen im Restaurant + 14 %
Elektrizität (Durchschnittspreis) + 14 %

Was sich am stärksten verbilligt hat

DVD-Brenner - 46 %
Videorekorder - 40 %
Zwiebeln - 38 %
Kartoffeln - 38 %
Paprika - 29 %
CD-Brenner - 26 %
Eier - 22 %
Kiwis - 20 %
Bekleidung - 20 %
Apfelsinen - 18 %

Wie sich die Löhne und Renten verändert haben (im Vergleich zu vor 2 Jahren)

Durchschnittslohn 20 841 CZK +11 %
Durchschnittsrente 8 130 CZK + 14 %
Preisanstieg (Inflation) + 4,3 %

Themen: Verbraucherpreise, Inflation, Löhne und Gehälter, EU, ČSÚ
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