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Der Autor

Kurzbiografie: 
KK, geb. im niedersächsischen Celle (Deutschland). Nach kaufmännischer Ausbildung und einigen Berufsjahren - bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften in Hannover - Studium der Germanistik (Geschichte/Politik) und Mathe/Informatik in Hannover.

1988 Reise in die USA zu journalistischen Recherchezwecken über die ersten Forschungsergebnisse in der Gen-Forschung/Altersforschung/Gerontologie (u. a. an der Johns-Hopkins University in Baltimore/Maryland und University of Florida in Gainesville).

Frühes Interesse an der Prager deutschen Literatur. 1996: Praktikant an der Karls-Universität Prag, 1997: Praktikant bei der Prager Zeitung. Dozent für DaF u. a. am Goethe-Institut Göttingen (seit 2006) und Goethe-Institut Prag (2012/13).

2001/2002 Assistant Professor an der Han-Nam University in Daejon/Süd-Korea.

Journalistische Publikationen und wissenschaftliche Mitarbeiten [u. a. an: "Suttner im KonText - Interdisziplinäre Beiträge zu Werk und Leben der Friedensnobelpreisträgerin", Johann Georg Lughofer (Hg.), Milan Tvrdík (Hg.)]. Schriftstellerische Tätigkeit seit dem 16. Lebensjahr. Tätigkeiten als Fotograf und Mediendesiger (Webdesigner/Programmierer).

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„Der Kampf um die Vermeidung des Krieges“

Neuer interdisziplinärer Band beleuchtet Werk und Leben der in Prag geborenen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner
  • Sowohl als Buch als auch als PDF-Ausgabe erhältlich.
    Sowohl als Buch als auch als PDF-Ausgabe erhältlich.

Vor mehr als 100 Jahren löste am 28. Juni 1914 das Attentat auf den Thronfolger in Sarajevo den Ersten Weltkrieg aus. Was folgte, war der erste globale, mit Massenvernichtungswaffen geführte, Krieg. Ein Krieg, vor deren Folgen die am 9. Juni 1843 in Prag geborene Pazifistin, Journalistin, Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Bertha von Suttner zeitlebens warnte. Über Nacht gelangte sie durch die Veröffentlichung ihres Anti-Kriegs-Romans „Die Waffen nieder“ 1889 zur Berühmtheit. Doch sie sah sich auch Angriffen, insbesondere aus dem Lager des Militarismus und des Adels, zusehends ausgesetzt.

Im Sommer 2017 ist nun ein Beitragsband von Germanisten und Geisteswissenschaftlern aus Tschechien, Deutschland, Österreich und der Schweiz im Heidelberger Winter-Verlag unter dem Titel: „Suttner im Kontext – Interdisziplinäre Beiträge zu Werk und Leben der Friedensnobelpreisträgerin“ erschienen, der die Person Suttner und ihre Arbeit auf dem Gebiet der Friedensforschung auf 238 Seiten unter zahlreichen – häufig bislang noch nicht betrachteten Perspektiven – beleuchtet, historische Daten neu ordnet und zahlreiche biographische Daten ergänzt.  

Foto: Carl Pietzner, 1903 (gemeinfrei)


























Bertha von Suttner 1903
Foto: Carl Pietzner (gemeinfrei)

Der Band vereint zahlreiche Vorträge, die am 10. und 11. Juni 2014 anlässlich des 100. Todestages Bertha von Suttners auf einer ihr gewidmeten interdisziplinären Konferenz in Prag vorgetragen wurden. Darunter befinden sich Beiträge von Johann Georg Lughofer (Österreich/Slowenien), Werner Wintersteiner (Österreich), Alexandra Millner und Katalin Teller (Österreich) sowie Dietmar Goltschnigg (Deutschland/Österreich), Ulrich Tanzer (Österreich), Eveline Thalmann, Madeleine Bernstorff (Deutschland), Milan Tvrdík, Viera Glosíková (Tschechien), Libuše Heczková und Olga Słowik (Tschechien), Laurie R. Cohen (USA/Österreich) und Mira Miladinović Zalaznik aus Slowenien.

Bertha von Suttners tatsächlicher Geburtsort
Neben der zeitgenössischen Rezeption der Friedensstifterin, werden auch ihre Einflüsse auf andere Autoren, wie Rainer Maria Rilke sowie Vertreterinnen der tschechischen Frauenbewegung untersucht. Milan Tvrdík von der Karls-Universität zu Prag beleuchtet die Familiengeschichte der Gräfin aus dem Hause Kinsky und weist anhand von Sekundärquellen, Archivalien und Matriken nach, dass Bertha von Suttner eben nicht im Palais Kinsky am Altstädter Ring geboren wurde, wie häufig fälschlich angegeben, sondern in einem unscheinbaren Bürgerhaus in der Prager Neustadt mit der Konskriptionsnummer 697, das in der heutigen Vodičkova liegt (vgl. S. 137 im Band). Der Vater war bereits vor ihrer Geburt verstorben. Sie selbst konnte keine 16 hochadeligen Vorfahren nachweisen, was ihr den Zugang zur höheren Gesellschaft unmöglich machte, wie sie später in ihren Memoiren später schreibt:

„Unser Name hätte uns wohl berechtigt, in der höchsten Aristokratie zu verkehren, denn es gibt wohl keine Familie des österreichischen Hochadels, mit der wir nicht verwandt oder verschwägert gewesen wären. Aber man kennt diesen Hochadel schlecht, wenn man glaubt, daß Name und Verwandtschaft genügen, um aufgenommen zu werden. Dazu gehört – namentlich war es so in meiner Jugendzeit, jetzt ist man etwas weniger exklusiv – vor allem der Besitz von sechzehn Ahnen, d. h. die Hoffähigkeit. Diese besaßen wir nicht – meine Mutter war keine ,Geborene‘; zudem waren auch unsere Mittel sehr bescheiden, also war uns nicht möglich, in die erste Gesellschaft – sie selber nannte sich die ‚Société‘ – von Wien zu gelangen.“ (Bertha von Suttner: Memoiren, Stuttgart-Leipzig 1909, S. 62).

Eine nicht standesgemäße Heirat und die Flucht nach Georgien
Im Palais Kinsky hat Bertha also nie gelebt. Um doch noch Zugang zur höheren Gesellschaft zu erlangen, hätte sie in eine Heirat einwilligen müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nach einigen fehlgeschlagenen Heiratsversuchen nahm sie 1873 eine Stelle als Gouvernante bei dem Industriellen Freiherr Karl von Suttner in Wien an und erteilte den vier Töchtern der Familie Musik- und Sprachunterricht. In dieser Zeit verliebte sie sich in den um sieben Jahre jüngeren Arthur Gundaccar von Suttner, den älteren Bruder der vier bereits erwähnten Töchter. Die heimliche Beziehung fliegt auf. Bertha muss das Haus verlassen. Nach einem kurzen Intermezzo als Privatsekretärin bei dem Erfinder des Stangendynamits Alfred Nobels in Paris 1876, reiste sie wieder nach Wien zurück, heiratete heimlich in einem Vorort Arthur Gundaccar von Suttner, denn beide Familien hätten dieser Ehe nie zugestimmt, und flüchtet mit ihm nach Georgien, wo sie von der Fürstin Jekatarina Dadiani von Mingrelien – die Bertha Jahre zuvor in Bad Homburg kennengelernt hat – eine Unterkunft gestellt bekommen.
















In diesem, in der heutigen Vodičkova gelegenem, schlichten Haus wurde Bertha von Suttner geboren und nicht, wie oft irrtümlich angegeben, im Palais Kinsky.
Foto: Konstantin Kountouroyanis

First-Contact-Erfahrung: Auf Reisespuren in Georgien
Zwar sind Bertha und Arthur nicht obdachlos, doch ihre Lage bleibt zunächst prekär, allein schon aus dem Grund, dass Bertha von Suttner wegen der heimlichen Heirat mit Arthur von ihrer Familie enterbt wurde. Das Paar schlägt sich zunächst mit gelegentlichen Übersetzungs- und Unterrichtstätigkeiten durch.

Das an der Grenze zwischen Europa und Asien in Transkaukasien und an der Ostseite des Schwarzen Meeres gelegene Georgien ist ein armes Land. Land, Leute und Mentalität scheinen ihnen fremd. Alexandra Millner und Katalin Teller widmen sich in ihrem Beitragstext „Auf Reisespuren in Bertha und Arthur Gundaccar von Suttners Literatur“ dieser First-Contact-Erfahrung. Mit Beginn des Russisch-Osmanischen Krieges 1877 betätigte sich Arthur als Berichterstatter. Auch Bertha gelang eine journalistische Karriere, zunächst allerdings nur unter männlichen Pseudonymen wie „B. Oulot“ oder „Jemand“. Sie verdienen mit dem Schreiben und Übersetzen Geld. Ihre Texte werden in deutschen- und österreichischen Blättern veröffentlicht.

Rückkehr aus dem Exil
Nach 9 Jahren im Wahlexil kehren sie nach Wien zurück. Die Förderin Jekatarina Dadiani war gestorben und Arthurs Familie hatte ihm und Bertha verziehen. Nach ihrem 1886 erschienenem Roman „High Life“, in dem sie ein sehr sarkastisches und bissiges Bild der zeitgenössischen aristokratischen Gesellschaft zeichnete, erfuhr sie durch eine Gesprächsrunde mit dem französischen Philosophen Ernest Renan von der Existenz der „International Arbitration and Peace Association“ in London. Die „International Arbitration and Peace Association“ wurde bereits 1880 vom Briten Hodgson Pratt als „Internationale Vereinigung für Schiedsgerichtsbarkeit und Frieden“ gegründet. Für Bertha von Suttner war dies der Auslöser zur Niederschrift ihres späteren Romans „Die Waffen nieder“. Sie begann zu recherchieren, Interviews mit ehemaligen Soldaten oder Witwen zu führen, die ihre Männer im Krieg verloren haben und sich sowohl in der Friedens- als auch in der noch jungen Frauenbewegung zu engagieren.

Foto: Traubenberger (gemeinfrei)





















Suttners Wohnhaus in der Usnadzis Kutscha in Tiflis (Georgien)
Foto: Traubenberger (gemeinfrei)

Ihrer Zeit weit voraus
Laurie R. Cohen widmet sich dieser Lebensphase der Suttner in ihrem Beitrag mit dem Untertitel: „Bertha von Suttners Engagement in der Friedens- und Frauenbewegung.“ Sie zeigt auf, wie die Frauenbewegung mit der Friedensbewegung einherging. Nach ihren Recherchen gab es bereits im Jahre 1895 zwei viel beachtete Aufrufe in der deutschsprachigen Friedenszeitschrift „Die Waffen nieder!“, die ein gemeinsames Verständnis der führenden Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland und Frankreich zum Ausdruck brachten und sich hauptsächlich für die Rechte der Frauen auf Bildung, auf gleiche Berufschancen, Entlohnung und vor allem für das Frauenwahlrecht einsetzten und die aber auch und gerade auf transnationaler Ebene gegen den Krieg eintraten. Während der erste Aufruf, der unter der Forderung „An die Mütter, Schwestern und Frauen Deutschlands - Kein Blutvergießen mehr zwischen den Völkern!“ subsummiert werden kann und von der Schriftführerin der „Société pour l’amélioration de la condition des femmes“ Eugénie Potonié-Pierre und Delegierten des französischen Exekutivkomitees der „Union internationale des femmes pour la paix“ unterzeichnet wurde, sollte der von der deutschen Frauenstimmrechtsaktivistin Lina Morgenstern als Reaktion auf den ersten Aufruf formulierte Appell, der auch von der Präsidentin der Österreichischen Friedensgesellschaft Bertha von Suttner unterzeichnet wurde, gleichzeitig als Antwort unter der Überschrift „An die Schwestern in Frankreich!“ die gemeinsame Auffassung bestätigen, dass

„[…] für die Frauen die Aufgabe [erwächst], sich den Friedensbestrebungen anzuschließen und die Jugend in der Überzeugung zu erziehen, dass das Ideal der menschlichen Gesellschaft ein internationaler Friede ist, und das Taten der Nächstenliebe und Gerechtigkeit mehr der Menschwürde entsprechen als der Kriegsruhm.“ (S. 187)

Den deutschen, österreichischen und französischen Feministinnen war damit – 24 Jahre nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 – ein grenzüberschreitender Dialog und die Einigung auf einen gemeinsamen humanitären Konsens gelungen, was ihre Staatsoberhäupter nicht einmal annäherungsweise versucht haben. Freilich kann man schwerlich von „den Frauen Deutschlands oder Frankreichs“ sprechen, wenn die Bewegung noch kein Massenphänomen erreicht hat. Laurie R. Cohen konstatiert:

„Suttner vertrat also bereits in dieser Zeit den dezidierten Standpunkt, dass den Frauen volle Gleichberechtigung zustehen musste – auch wenn sie durchaus einräumte, dass man gerade auch ‚unter den Frauen […] die eifrigsten Hüterinnen der Frauenhörigkeit, die härtesten Gegnerinnen der Emanzipation‘ finden konnte.“ (S. 190)

Revolutionär bleibt hingegen das Denken in dem Aufruf von Lina Morgenstern, indem sie schreibt:

„Wir sind der Überzeugung, dass es nur eine Moral gibt und dass daher das fünfte Gebot, Du sollst nicht töten, durch nichts mehr entweiht und verletzt wird, als durch den Krieg. Es ist verkehrt, den einzelnen Mord zu bestrafen und den Massenmord im Kriege zu befehlen und zu belohnen.“ (S. 186/187)

Gegen alle Widerstände
Ein Denken, das Kurt Tucholskys Formel: „Soldaten sind Mörder“ von 1931 („Der bewachte Kriegsschauplatz“ in „Die Weltbühne“) bereits 36 Jahre zuvor implizit vorwegnahm und auch noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik zu Strafanzeigen und Gerichtsprozessen führte. (So erstattete der spätere Bundesverteidigungsminister (1956 – 1962) Franz Josef Strauß 1959 in zwei Fällen Strafanzeige gegen Pazifisten, die Soldaten als Mörder bezeichneten und 1994 musste das Bundesverfassungsgericht letztinstanzlich die Verurteilung eines Pazifisten wegen „Beleidigung und Volksverhetzung“ nach der Aufbringung eines Autoaufklebers mit der Aufschrift „Soldaten sind Mörder – Kurt Tucholsky“ aufheben. Noch 2010 leitete die Berliner Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den Journalisten und Linke-Politiker Thies Gleiss, weil er in einem Zeitungsartikel „von SPD und Grüne nach Afghanistan geschickte Mördersoldaten“ sprach.) Ein Beispiel, das zeigt, gegen welche Widerstände Pazifisten damals wie heute anzukämpfen hatten und haben und das verdeutlicht, dass Bertha von Suttners Anstrengungen in der Friedens- und Frauenbewegung einer Sisyphusarbeit – getreu dem Motto einen Schritt vor und drei Schritte zurück – gleicht und noch einmal ihr enormes Durchhaltevermögen und Engagement belegt.

Wie der Nationalismus das Klima vergiftete
Laurie R. Cohen merkt an, dass auch noch nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges – und nach Bertha von Suttners Tod - die feministisch-pazifistische Annäherung zwischen deutschen und französischen Aktivistinnen fortgesetzt wurde. Doch der Nationalismus der kommenden Jahre, insbesondere zwischen den beiden Weltkriegen, rief auch bei hoch engagierten Pazifisten unsägliche Reaktionen hervor und verhinderte eine weitere Zusammenarbeit wie Libuše Heczková und Olga Słowik in ihrem Beitrag über vier Frauen der tschechischen Friedensbewegung am Beispiel des französischen Pazifisten und Literaturnobelpreisträgers Romain Rollands verdeutlichen, der die Rechte der Sudetendeutschen auf Abspaltung unterstützte.

Von ungebrochener Aktualität
Die Arbeit in der Frauen- und Friedensbewegung blieb eine schwere Aufgabe, so dass sich Bertha von Suttner und ihre Mitstreiterinnen entweder unsachlicher Kritik und Verhöhnung aus dem Lager ihrer Zeitgenossen, u. a. seitens Karl Kraus und auch Karl von Ossietzky, ausgesetzt sahen, wie Johann Georg Lughofer in seinem Beitrag mit dem Untertitel: „Stereotypen und Vorwürfe in Sachen Bertha von Suttner“ herausarbeitet, während Werner Wintersteiner in seinem Vortragstext „Der Kampf um die Vermeidung des Krieges“ einen Blick auf „Bertha von Suttner und die Österreichische Friedensbewegung vor 1914 aus heutiger Sicht“ bietet und damit die ungebrochene und nicht zu unterschätzende Aktualität der Friedensarbeit und ihrer Gegner auch und gerade im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund zahlreicher Stellvertreterkriege und des noch immer nicht abgewendeten und damit drohenden atomaren Overkills offenlegt.

Zusammenfassend betrachtet bietet der Band neue Perspektiven auf die Friedensstifterin aus Prag, auf ihr literarisches und journalistisches Wirken und ihre Rezeption. Für Vertreter der literaturhistorischen Suttner-Forschung wie auch der der Friedensarbeit verpflichteten, bleibt die Anschaffung unverzichtbar, für alle anderen in jedem Fall lohnenswert.

Prag, 01.02.2018, Konstantin Kountouroyanis
Artikellink: https://www.prag-aktuell.cz/blog/der-kampf-die-vermeidung-des-krieges-01...

Johann Georg Lughofer / Milan Tvrdik (Hg.): Suttner im KonText. Interdisziplinäre Beiträge zu Werk und Leben der Friedensnobelpreisträgerin.
Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017.
238 Seiten, Print/PDF 44,00 EUR.
ISBN-13: 978-3-8253-6552-3
Inhaltsverzeichnis: https://www.winter-verlag.de/de/assets/public/9783825365523/Inhalt.pdf
 
Externer Link: Suttner im KonText. Interdisziplinäre Konferenz (Österreichisches Kulturforum Prag)Suttner im KonText. Interdisziplinäre Konferenz (Österreichisches Kulturforum Prag)

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