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| | Gastronomie | 2.3.2008

Ein Tag in der Medúza

Heute ist Samstag und es regnet. Das ist gemütlich. Ich kann im Bett liegen und dem Regen lauschen, der auf meine schrägen Dachfenster prasselt. Durch die Vorhänge sehe ich das schnelle Licht- und Schattenspiel der Wolken. Es scheint windig und recht ungemütlich draußen zu sein, was mich nicht weiter stört. Ich drehe mich noch einmal um und versuche weiterzuschlafen. Das ist nicht so einfach, denn es ist Samstag und das bedeutet, es ist Putztag.

Meine Mitbewohnerin arbeitet sehr viel und kommt unter der Woche zu nichts. Am Samstag macht sie dann sauber. Das würde sie entspannen und ihr Spaß machen, sagt sie. Ich kann das nicht nachvollziehen, mich entspannt es, im Bett zu liegen, das macht mir Spaß. Besonders, wenn draußen das Wetter so wenig einladend ist. Wenn die Sonne scheint, ist das Liegenbleiben nicht so einfach, denn dann habe ich ein schlechtes Gewissen, das mich nach draußen drängt. Schließlich kann ja niemand sagen, wie lange der Sonnenschein noch anhalten wird und jeder weiß, dass es gesund ist, sich an der frischen Luft zu bewegen.

Mein Konflikt heute aber ist schwierig zu lösen. Denn raus muss ich hier, ich kann meiner Mitbewohnerin einfach nicht beim Putzen zuhören. Der Staubsauger lässt mich nicht weiterschlafen und außerdem beinhaltet diese gesamte Aktion eine leise, unterschwellige Anklage: Dein Zimmer hätte es auch mal wieder nötig… Als ich vorgestern nach Hause gekommen bin, musste ich gleich wieder rückwärts aus der Tür hinaus, um sie schnell hinter mir zu schließen. Erstaunlich, wie hoch man Klamotten, Bücher, CDs und Gläser stapeln kann.

Doch wohin nun? Draußen lockt kein Sonnenschein. Und eigentlich hätte ich auch noch was für meine Magisterarbeit zu tun. Der rettende Einfall ist die Medúza. Ein wunderbar behagliches und schönes Café bei mir um die Ecke in der Belgická. Alles ist schon ein bisschen alt, kein Stuhl passt zum anderen und den Tischen sieht man den Gebrauch an. Wenn man die Medúza betritt, hat man das Gefühl, man käme in sein Wohnzimmer. Bloß, dass es hier noch ein bisschen gemütlicher ist und der Service besser. Ich bestelle Kaffee, betrachte die entspannten und ins Gespräch oder Buch vertieften Menschen um mich herum, fühle mich wohl und nehme meinerseits die Bücher zur Hand.

Aufgeschreckt werde ich einige Zeit später durch das Klingeln meines Telefons. Es ist eine Freundin, die fragt, was ich machen würde. Gerne erklärt sie sich bereit, mir in der Medúza Gesellschaft zu leisten. Ich hatte nicht bemerkt, wie spät es schon geworden ist. Als meine Freundin eintrifft, bestellen wir Wein, den man hier sehr gut gleich in Flaschen kaufen kann. Dazu das spanische Omelett. Je nach Hunger in groß oder klein, sehr zu empfehlen! Wir verquatschen den Rest des Abends und als ich spät und fröhlich nach Hause komme und mein Zimmer betrete, ereilt mich ein kleiner Schock: Wie sieht es denn hier aus? Das hatte ich ja ganz vergessen. Hoffentlich scheint morgen die Sonne, damit ich rausgehen muss!

Bildnachweis:
Georgina

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