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| | | 28.2.2008

Wie schön, wenn sich Vorurteile bestätigen

Als ich meinen Freunden mitteilte, dass ich nach Prag ziehen wollte, stand ich vor ungläubigen Gesichtern. Zwar kannten sie mich schon eine Weile und wussten, dass ich nicht besonders sesshaft bin, aber so richtig konnten oder wollten sie diese neue Situation doch nicht gleich begreifen. Die Ungläubigsten sagten etwa: „Was willst Du denn da? Im Osten? Da ist doch nichts los! Und es wird geklaut, ist grau und die Menschen sind ganz anders.“ Die, die sich nicht getraut haben, ihre Vorurteile so deutlich auszusprechen, äußerten beispielsweise: „Willst Du nicht lieber nach Spanien gehen?“

Wollte ich nicht. Und so bin ich also hier in Prag und muss manchmal auch mit meinen eigenen Vorurteilen kämpfen. Denn obwohl ich Prag schon vorher kannte und meine Entscheidung, hierher zu ziehen, ganz freiwillig getroffen habe, weil mir dieses kleine Land sehr ans Herz gewachsen ist, so stoße ich doch immer wieder auf diese kleinen Situationen, die sie mir bestätigen. Die Vorurteile, die mir bei meinen Freunden so deutlich ins Gesicht gesprungen sind.

Zum einen die Bestechlichkeit. Ich wurde einmal beim Schwarzfahren in der Straßenbahn erwischt. Natürlich hatte ich es eilig und wollte nicht bezahlen, da haben wir angefangen zu diskutieren, der Herr Revisor und ich. Und als er schon bereit war, mir einen Schwarzfahrer-Strafzettel auszustellen (das machen sie eigentlich nicht so gerne, da sind sie manchmal etwas faul, lieber gleich Bargeld), da sieht er meinen Personalausweis, in Dresden ausgestellt, und seine Augen fangen an zu leuchten: „Da hatte ich mal eine Freundin, da in der Nähe von Dresden. … Na, dann laufen Se mal, Fräulein!“ Bestechlichkeit des Herzens – so sind sie, die Tschechen, ein bisschen sentimental.

Dann das Klauen. Gerade wieder hier und gleich alles weg. Im Klub das ganze Portemonnaie geklaut. War natürlich auch meine Schuld, was hatte ich denn alles dabei? Wenigstens die Ausweise kann man ja zurückgeben. Hat aber keiner. Mein Opa, der schon daran gewöhnt ist, dass mir von Zeit zu Zeit etwas abhanden kommt, sagte (und ich konnte am Telefon sein Schmunzeln hören): „Weißt Du, Kind, was ich glaube? Du brauchst das, um Dich zu Hause zu fühlen. Dir muss erst etwas geklaut werden, bevor Du heimisch wirst. So ging Dir das in Deutschland, in Frankreich, in Costa Rica und nun endlich auch in Tschechien. Das ist doch ein gutes Zeichen!“

Ein bisschen anstrengender ist es dann vielleicht mit der Nichteinhaltung der deutschen Tugenden was Ordnung und Pünktlichkeit betrifft. Den wenigsten fällt dabei auf, dass wir hier ja auch gar nicht in Deutschland sind, aber das muss man anscheinend nicht so genau nehmen. Da kommt der Zug zu spät (die Verspätung der Deutschen Bahn in Grenznähe ist auch immer die Schuld der Tschechen), da wird der Fußgänger auf dem Zebrastreifen fast überfahren und obendrein ist auch das Rauchen noch erlaubt.

Ich habe einmal mit einem Tschechen darüber gesprochen, ob man hier nicht ebenfalls das Rauchverbot einführen solle. Da hat er sich an die Stirn gefasst und in etwa gesagt: „Ja so weit kommt es noch. Da gehe ich in die Kneipe, um in Ruhe ein Bier zu trinken, muss nach Hause laufen, um in Ruhe eine zu rauchen und dann gehe ich für das nächste Bier wieder in die Kneipe? Ich glaube, ich spinne!“

Trinken tun sie gerne mal, die Tschechen, Kneipenkultur ist hier ganz groß geschrieben. Und damit ich mir dieses Vorurteil aus nächster Nähe bestätigen lassen kann, gehe ich jetzt in die graue Nacht hinaus, die grauen Straßen entlang, um in aller Ruhe und Heimeligkeit ein schönes Bier zu trinken. Gute Nacht, meine daheimgebliebenen Freunde.

Bildnachweis:
Georgina

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