Sonntag, 16. August 2026 | Namenstag: Jáchym

Blogs

Blogs

Der Autor

Gerd Lemke, Jahrgang 1969, lehrte als Lektor für Germanistik an der Karls-Universität in Prag und lebt dem eigenen Empfinden nach eigentlich schon zu lange in der tschechischen Hauptstadt. Nach einem zweijährigen Auslandsaufenthalt im Kosovo kehrte er dennoch freiwillig zum "Mütterchen mit den Krallen" an die Moldau zurück.

Seinen Geburtstag teilt er mit dem Europameister von 1980, Karl-Heinz Förster. Er ist leidenschaftlicher Literat, glaubt wie Albert Camus, alles im Leben durch das Fußballspiel gelernt zu haben, hat aber im Gegensatz zum großen Existenzialisten nur ein einziges Spiel als Torwart bestritten. Ansonsten tritt er regelmäßig für Partisan Prague gegen das Leder und trifft als stellungssicherer Verteidiger auch schon mal das eine oder andere Schienbein. Für sein Lieblingsteam, die sporadische Zusammenkunft Umělecká Letná, hilft er gerne und treffsicher im Sturm aus.

Im Jahr 2006 hatte er bereits das Sommermärchen in Deutschland und und seit dem alle zwei Jahre die großen Fußballtourniere von Prag aus beobachtet und kommentiert, mit einer täglichen Kolumne für Tschechien Online.

Für prag aktuell ist er bei der Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wieder hart am Ball, wenn es um Tricks, Täuschungen und Taktik im weiteren Sinn geht: Sportsfreund Gerd Lemke.

Im Internet: FacebookFacebook

Weitere Beiträge dieses Autors

Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (16)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (15)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (14)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (13)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (12)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (11)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (10)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (9)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (8)
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (7)

Mehr zum Thema

Rubrik: Sport, Fußball | 20.07.2026
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (17)
Themen: Fußball-WM, WM-Kolumne
Rubrik: Sport, Fußball | 19.07.2026
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (16)
Themen: Fußball-WM, WM-Kolumne
Rubrik: Sport, Fußball | 16.07.2026
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (15)
Themen: Fußball-WM, WM-Kolumne
Rubrik: Sport, Fußball | 15.07.2026
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (14)
Themen: Fußball-WM, WM-Kolumne
Rubrik: Sport, Fußball | 13.07.2026
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (13)
Themen: Fußball-WM, WM-Kolumne
| | Fußball | 12.6.2010

WM-Kolumne: Erste Sieger und Verlierer

Südkorea - Griechenland, Argentinien - Nigeria

Der zweite Tag produziert endlich Gewinner und Verlierer und verschärft die attische Krise. Ein kurzer Blick auf die Nachmittagsspiele von Gerd Lemke.

Die Griechenland-Krise setzt sich auch auf dem heißen Kontinent nahtlos fort. Nach fünf Minuten führt Südkorea Einsnull. Und das ausgerechnet nach einer weiten und hohen Flanke, dabei sind die Koreaner gefühlte Einsfünfzig groß und Otto der Große hat wieder sein Regiment der langen Kerls aufgeboten. Die Koreaner sind einfach flink, bienenfleißig und organisiert wie die Playstation. Dagegen wirken die Hellenen, als müssten sie Sirtakti bei 150 bpm tranzen – hölzern wie das trojanische Pferd. Hier sieht man den Unterschied zwischen einer erfolgreichen Industrienation und einer Kleptokratie. Die Griechen spielen ohne großen Aufwand, die Abwehr ist löchrig wie die Staatskasse, das Mittelfeld korrupt wie die Beamten und der Sturm verschwendet bedenkenlos die wenigen Ressourcen. Irgendwann fällt folgerichtig das zweite Tor. Sogar die Hilfe aus Deutschland versagt diesmal, Otto muss auf der Trainerbank hilflos zusehen, wie seine Mischung aus Eintracht Frankfurt, 1.FC Nürnberg und Hertha BSC Berlin versagt. Große Alternativen hat er nicht, denn die Bundesliga ist ja die einzig nennenswerte Liga neben Zypern, wo Griechen überhaupt angestellt werden. Für die Milliarden sehe ich schwarz, die sehen wir nie wieder. Χαιρετε!

Die Geschichte des zweiten Spiels ist schnell erzählt. Argentinien beginnt, als wollte es Nigeria überfahren wie Serbien während des Sommermärchens. Doch aus diesen Fehlern hat die Mannschaft gelernt, sie verschießt ihr Pulver nicht bereits im ersten Spiel, sondern schaltet nach einem frühen Tor einen Gang zurück. Trotz einer beeindruckenden Reihe von Stürmern – Messi, Tevez, Higuain, später Milito – muss ein Abwehrspieler, ausgestattet mit den deutschen Tugenden des Vaters, der italienischen Rafinesse der Mutter und der ganzen Härte des Heimatlandes, für das goldene Tor sorgen, per Kopf, nach einer Ecke. Die Stürmer, die zusammen ca. 500 Tore in der vergangenen Saison geschossen haben, versagen diesmal im Abschluss. Dennoch ist der Sieg ungefährdet, weil Nigerias Stürmer Obasi beispielsweise zeigt, was man in der abgelaufenen Saison so sehr an ihm in Hoffenheim geschätzt hat: Immer dort, wo es gefährlich werden könnte, stets für überraschende Aktionen gut und ständig daneben.

Wer kann diese Argentinier eigentlich aufhalten, wenn die Stürmer auch noch treffen? Diese Mannschaft kann eigentlich nur an einem scheitern, ihrem Trainer, der zunehmend an Fidel Castro von 1973 erinnert.

Auch interessant