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| | | 15.8.2010

Moni in the Sky with Diamonds

Alle, die erwarten, dass ich hier über einen LSD-Trip in Prag berichte, die muss ich leider enttäuschen, no drugs in diesem Artikel. Auch wenn es der Titel nahelegt. Und alle, die nun denken, ich war auf einem Beatles-Konzert, auch die muss ich enttäuschen. Und bevor nun noch einer fragt, nein, ich war auch nicht in der Beatlemania-Ausstellung, die derzeit im České muzeum hudby zu sehen ist. Gott, wenn ich es mir recht überlege, dann hätte ich einen andern Titel für diesen Eintrag wählen soll. Aber nun ist es auch schon zu spät.

So, um nun den gespannten Leser nicht länger auf die Folter zu spannen, verrate ich mal schnell was ich tatsächlich gemacht hab, bevor ich weiterschwafle. Ganz unrockerbrautmäßig war ich nicht in dunklen verrauchten Kellern, sondern in der im Moment total angesagten und hippen Cartier-Ausstellung auf der Burg. Warum ich mich zu so einer doch etwas versnobten Veranstaltung begebe, wo ich hier doch sonst eher die Frau für die unweiblichen Aktivitäten bin, wie mein Mitbewohner es immer so schön sagt. Nun ganz einfach, Diamonds are a girl’s best friend und da stimme ich ausnahmsweise einmal mit sämtlichen Damen auf der Welt überein.

Ich muss schon sagen, so ganz einfach war es ja nicht da reinzukommen. Klar, ich hätte mir einfach für sagenhaft teuer 325 Kronen eine Eintrittskarte kaufen können. Doch das wäre erstens zu einfach gewesen, und zweitens bin ich der Meinung, wenn ich schon eine Ausstellungsankündigung geschrieben habe, dann will ich da auch gefälligst umsonst rein. Cartier sah das im Prinzip schon auch so. Nur wäre es nicht standesgemäß gewesen, mich einfach mit dem Presseausweis gratis rein zulassen. Nein, ich schrieb eine Woche lang Mails mit der zuständigen Abteilung, bis wir uns auf einem Termin einigen konnten. Und auch dann kam ich da nicht einfach an und erhielt eine Eintrittskarte umsonst. Nein, meine persönliche Betreuerin wartete vor dem Eingang auf mich. Als wäre ich von der SZ oder so, bekam ich erst mal eine dicke Pressemappe in die Hand gedrückt, bevor mir die junge Dame dann einen Ausweis um den Hals hing und mit mir in die Ausstellung ging.

Bevor ich den wertvollen Stücken jedoch persönlich Auge in Auge gegenüber treten durfte, musste ich erst mal durch die Eingangskontrolle. Und die war mal echt anders krass. Gott sei Dank war ich zwischen Arbeit und Ausstellung noch mal zu Hause gewesen und hatte mir die kleinere Tasche mitgenommen, weil mit Taschen größer als 40 mal 40 darf man nicht rein. Ebenso verboten sind Regenschirme und Kinderwagen. Kaum war ich dann durch den Metalldetektor, wurde ich von der Security noch darauf hingewiesen, mein Handy bitte auszustellen.

Kaum hatten wir dann den Raum betreten, fragte mich meine liebenswerte Begleiterin, ob ich denn nun weiterhin individuelle Betreuung wünsche, oder alleine durch die Schaukästen gehen wollte. Da ich müde war und eher weniger Lust auf ellenlange tschechischsprachige Ausführungen über die einzelnen Exponate hatte, entschied ich mich für Variante B. Ich glaub ja, das hat meine Begleiterin etwas enttäuscht, aber ich wollte ihre Illusion, ich spräche so gut Tschechisch, nicht zerstören.

Und dann war ich endlich alleine im Diamanten-Himmel. Sofort setzte auch gleich eine Art Rausch ein. Überall dieses Funkeln und Glitzern, einfach herrlich. Durch die ersten Reihen der Schaukästen lief ich wie ein Pferd mit Scheuklappen, völlig auf den Schmuck fixiert, nicht rechts und nicht links schauend. Erst nach einer Weile fiel mir auf, dass auf der einen Seite der Ausstellung Tafeln hängen, die einem kurz die Besonderheiten der jeweiligen Stilrichtung erklären und auf der andern Seite großflächige Bilder von Stars, die die Ausstellungsstücke tragen. Beginnend vom Ende des 19. Jahrhunderts arbeitete ich mich dann bis zu unserer Zeit voran. Von dem ganzen Bling-Bling war ich so geblendet, dass ich es kaum merke, als mich ein Securitymann anspracht. Erst dachte ich ja schon, er wollte, dass ich aufhöre mir die Nase an den Glaskästen platt zu drücken. Aber dann stellt sich raus, dass ich doch meine Jacke, die ich über dem Arm hängen habe bitte anziehen soll, weil ich könnte ja etwas darunter verstecken. Ich meine in einem Raum voller Security, mit Videoüberwachung und einzeln gesicherten Schaukästen und Massen von Menschen, kann ich bestimmt ganz unauffällig einen der Kästen aufbrechen und den Schmuck unbemerkt unter meiner Jacke verschwinden lassen. Aber gut, wenn es ihn glücklich machte, zog ich die Jacke eben an.

So, nachdem ich dann Gloria Swans Diamantarmreifen einen halbe Ewigkeit angestarrt hatte und mir vorgestellte, wie die wohl an meinem Arm aussehen würden und wo ich den Mann finde könnte, der reich genug wäre, mir solchen Schmuck zu kaufen, machte ich mich zum zweiten Teil auf.

Im hinteren Raum, der 368 Stücke umfassenden Ausstellung befindet sich neben dem Schmuck nämlich noch eine Auswahl von Uhren, Figuren und dergleichen mehr. Ich persönlich fand das nun weniger eindrucksvoll, auch wenn die Ideen zum Teil echt bemerkenswert sind. So gibt es beispielsweise eine riesige magnetbetriebene Tischuhr oder einen Brieföffner in der Größe einer Machete ganz aus Jade. Während ich hier so durchschlenderte, fand mich meine Begleitperson auch wieder und fragte mich, diesmal auf Englisch, wie ich denn die Ausstellung finde. Ich war immer noch ein bisschen benebelt von all dem Glanz und brachte nur ein „Wow!“ hervor.

Nun wurde ich fachmännisch  in den erste Stock geführt, wo sich leider kein Schmuck, dafür aber Originalentwürfe, Fotos aus den Ateliers, und große Plakatwände befinden, auf denen zu sehen ist, welche Stars Cartier-Kunden sind. Bevor ich mich nun darein begeben durfte, nahm mir meine Begleitung den Ausweis wieder ab, da sie nun zum nächsten Termin hetzen musste. Sie versprach, mir noch Fotos zu schicken, weil hier herrscht, wen wundert es, überall Fotoverbot. Ich lief kurz durch den Raum, und endete schließlich in der gegenüberliegenden Videohalle. Dort lief gerade ein Film, der über die einzelnen Schritte bei der Herstellung eines dieser Kleinode von Cartier Aufschluss gibt.  Und hier endet um kurz vor  sechs mein Ausflug ins Schmuckparadies. Die vorgegebene Zeit von 75 Minuten, die die Homepage für die Besichtigung vorschlägt, habe ich knapp unterschritten, aber leider schließt die Ausstellung nun. Ich begebe mich nun zur Tramstation und fühle mich mit meiner Pressemappe irgendwie total wichtig. Irgendwie schon nett, welche Betreuung Journalisten hier bekommen, wenn auch vielleicht etwas übertrieben. Aber so ist Cartier nun mal, klotzen, nicht kleckern. Ich kann die Ausstellung jedenfalls wärmstens empfehlen, sich bis 17. Oktober die Ausstellung anzusehen, auch wenn die Eintrittspreise meiner Meinung nach ja unverschämt teuer sind.

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