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| | Studium | 17.9.2009

Abenteuer Olomouc - Teil II

Wohnheimsuche und Einstufungstest

Kaum war dann der Zug in Olomouc angekommen, ging das Abenteuer auch schon weiter. Zunächst bin ich mit meinem gesamten Gepäck einfach aus dem Zug gefallen, weil der Koffer mitten auf der Treppe beim Ausstieg einfach beschlossen hatte, Übergewicht zu bekommen, nach vorne zu fallen und mich dabei zusammen mit meinen zwei Taschen einfach mitzuziehen. Kaum hatte ich mich dann wieder gefangen, stellte ich fest, dass es in Olomouc, dem wunderschönen, aber technisch leider extrem rückständigen Teil Tschechiens auch nach langem Suchen keine Rolltreppen gab.

Kurze Zeit überlegte ich, ob ich den Koffer einfach die Treppe hinunterwerfen sollte, bis dann eine ganz kleine, sehr zierliche junge Frau kam und mir half, den Koffer nicht nur die Treppe runter, sondern auf der anderen Seite auch wieder hoch zu tragen. So, dachte ich, nun kann echt nichts mehr schiefgehen. Schließlich hatte ich von der Universität einen idiotensicheren Plan erhalten, wie ich vom Bahnhof zum kolej  kommen sollte. Gut, noch schnell die Tramkarte kaufen, in Ruhe eine Rauchen (die Letzte lag 8 Stunden zurück) und dann herausfinden, wo die Tram fährt.

Ja, während ich so vorm Bahnhof stand und rauchte fiel mir auf, dass das gesamte Areal rund um den nádraží eine einzige Baustelle war. Egal, dachte ich, die Tram fährt schon. Guter Dinge folgte ich dann auch dem Schild Richtung Tram. Als nach einer Weile aber weit und breit keine Tram in Sicht war, beschloss ich, einen Einheimischen zu fragen. Der verstand sogar mein Gestammel und erzählte mir, dass die Tram wegen den Bauarbeiten hier nicht fahre. Aber in der Nähe sei eine andere Haltestation. Glücklicherweise musste er in dieselbe Richtung und bot mir Hilfe mit dem Gepäck an. Gut, zunächst machte es den Eindruck, als wisse er, wohin er geht.

Doch nach ca. 20 Minuten und nachdem wir den Koffer zweimal Treppen runter- und dann doch wieder hochgeschleppt hatten, weil es der falsche Weg war, beschlich mich so ein bisschen das Gefühl, dass er doch kein Einheimischer war. Und ich hatte Recht! Wunderbar, da stand ich nun um halb 8 Uhr abends mit einem extrem schweren Koffer, in einer fremden Stadt und dann fing es auch noch zu regnen an. Perfekt. Am liebsten wäre ich sofort wieder nach München zurückgefahren. Dann kam besagter Einheimischer, der inzwischen signalisiert hatte, dass ich ihm gefalle, auf die Idee ein Taxi zu rufen.

Trotz aller Proteste meinerseits (ich hatte Panik, dass ich nun verschleppt, ausgeraubt und dann irgendwo ausgesetzt werde) ließ er sich nicht davon abbringen. Als dann sogar ein echtes Taxi um die Ecke bog, war ich schon mal ein wenig erleichtert. Da ich völlig durchnässt war und keine Ahnung hatte, wie ich sonst zum kolej kommen sollte, stieg ich schließlich ein und umklammerte ängstlich mein Pfefferspray. Doch der Fahrer war sehr freundlich, wollte dann auch von mir wissen wohin ich müsse und, siehe da, 10 min später stand ich endlich vor dem Wohnheim. Der Einheimische ließ sich dann mit einem kleinen Küsschen auf die Wange und dem Versprechen, dass ich mich am Wochenende melden würde, abwimmeln.

Dann betrat ich mein neues Zuhause für die nächsten vier Wochen. An der Rezeption erwartete mich auch gleich eine freundliche Dame um die fünfzig. Ich war erstaunt über mich selbst, denn die komplette Unterhaltung lief auf Tschechisch, wie sich späte herausstellte, nicht weil ich so hervorragend tschechisch sprach, sondern weil sie kein englisch konnte. Doch egal. Ich verstand, dass ich Zimmer 812 hatte. Daraufhin muss ich wohl erst mal käseweiß geworden sein, denn die Dame fügte sofort hinzu, dass es einen Aufzug gebe. Mein Gott, war ich froh. Gut, dann nichts wie los. Der Beschreibung der Rezeptionistin folgend, gelangte ich doch tatsächlich zu einem Aufzug und war, ruck zuck, im achten Stock. Etwas nervös klopfte ich an die Tür 812. In meinem Innersten erwartete ich eine Deutsche mit der ich mich nun über alle meine Erlebnisse auf Deutsch austauschen konnte, zumal ich der Meinung war, dass 90% der Teilnehmer Deutsche sein würden. Ich guckte ziemlich blöd, als mir plötzlich eine Japanerin öffnete und mich auf Englisch ansprach. Wie sich nämlich herausstellte, war der Kurs international. Sogar Teilnehmer aus den USA, Japan und Venezuela waren da und an das Englischsprechen würde ich mich in den nächsten Wochen schnell gewöhnen. Doch zunächst bezog ich noch schnell mein Zimmer und fiel ins Bett.

Day one. Da ich mich am Abend noch mit den Polinnen der Wohneinheit (Drei Zimmer à zwei Personen bildeten ein Art Appartement mit gemeinsamer Toilette und Dusche), verabredete hat, um gemeinsam an die Universität zur Registration und dem Einstufungstest zu gehen, stand ich also um 7 auf und genoss eine ausgiebige Dusche. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dies sollte das erste und einzige Mal sein, dass der Duschboden nicht mit einen flauschigen Teppich von schwarzen langen Haaren einer meiner Mitbewohnerinnen bedeckt sein würde. Aber das sollten Unannehmlichkeiten sein, an die man sich schnell gewöhnte, genau wie die Dreckschicht im Zimmer, oder die Tatsache, dass wir eine Woche lang kein Toilettenpapier hatten. Doch davon ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Zunächst einmal war ich es, die Unannehmlichkeiten verursachte, als ich um halb acht das Föhnen anfing, und alle anderen noch das große Bedürfnis nach Schlaf hatten. Gott sei dank sind dann bald darauf auch die beiden Polinnen aufgestanden und haben Lärm verursacht. Punkt halb neuen machten wir uns dann auf den Weg. Dieser war dann weniger angenehm. Mal von der Tatsache abgesehen, dass es schon wieder regnete, saukalt und so windig war, dass ich Probleme hatte, mir eine Zigarette anzuzünden, sprach meine Begleitung so gut wie kaum mit mir. Da sie die Stadt von diversen Urlauben schon kannten, dackelte ich ihnen wie ein kleines Hündchen hinterher. Ab und an schauten sie sich mal um, um sich zu vergewissern, dass ich noch da war. Und ich möchte betonen: Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ihnen noch nichts getan! Und auch später sollte es nicht meine Schuld sein, dass ich mich mit dem einen, zugebenermaßen ganz schnuckeligen Amerikaner, besser verstand als sie, dies beruhte auf der Tatsache, dass ich mich traute englisch zu sprechen und sie nicht. Doch dazu später mehr. Nun waren wir also an der Universität angekommen. Hier schaffte ich es dann bei der Registratur in einer Gruppe zu landen, die die Arbeitsinstruktionen ausschließlich in Tschechisch erhielt. Als ich dann bemerkte, dass nach der tschechischen Version keine Englische folgte, wie ich es erwartet hatte, wollte ich mich aber auch nicht mehr outen, vor allem da alle anderen scheinbar alles zu verstehen schienen. Ich war dezent überfordert und fragte mich insgeheim, wie es denn sein konnte, dass alle so viel besser waren als ich und ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, hierher zu kommen. Doch lange Zeit zum grübeln hatte ich nicht, denn schon ging es weiter zur Geld- und Couponausgabe. Wie ich später herausfand, waren die 890 Kronen, die man mir hier in die Hand drückte Frühstücksgeld, da die Coupons nur für Mittag- und Abendessen gedacht waren. Während ich immer noch darüber sinnierte, ob ich nun alle Instruktionen richtig verstanden hatte (was der Fall war), ging es auch schon weiter zum Eignungstest.  Als wir den Vorlesungssaal betraten war ich erst mal nicht schlecht erstaunt. Alles so sauber, die Tische nicht beschmiert und die Stühle gepolstert und mit Samt überzogen. Wow, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Dagegen ist meine Universität ja echt ein Loch. Der Test war dann auch gar nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte, zumal einem, rein theoretisch, die Möglichkeit zur Gruppenarbeit gegeben wurde, da kein Unipersonal zugegen war, dies zu verhindern; was ich natürlich nicht tat.

Kurz vor Ende lernte ich dann auch noch, dass nicht nur meine Mutter eine Glucke ist, als nämlich eine der Assistentinnen, die die Sommerschule betreuten, herein kam und unserem Mini-Matador, wie er später genannt wurde, mitteilte, dass gerade sein Vater angerufen habe und wissen wollte, ob er gut angekommen sei und dringend auf einen Rückruf warte. „Gottseidank war das nicht meine Mutter“, dachte ich und musste schmunzeln. Nach der Abgabe erfolgte nun wieder ein Schweigemarsch zurück, wo mein Zimmer abgeschlossen und meine Mitbewohnerin mit dem einzigen Schlüssel verschwunden war!

Bildnachweis:
Monika Kindermann

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