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| | Reise | 3.5.2010

Hexenbrennen auf der Kampa

Walpurgisnacht in Prag

Es war Walpurgisnacht. Das sollte ja ein ganz schönes Spektakel sein in Tschechien – so mit großen Feuern, Hexenverbrennung und ganz viel Alkohol. Da dies, genau wie die Christbaumerleuchtung auf dem Altstädter Ring, ja ein einmaliges Erlebnis in meinem Erasmusaufenthalt hier ist, konnte ich es mir natürlich nicht entgehen lassen. Aus vermeintlich zuverlässigen Quellen glaubte ich zu wissen, dass der beste Platz um diese Tradition zu begehen, die Kampa-Halbinsel sei. Dort sollte angeblich direkt an der Moldau ein großes Feuer brennen und die Atmosphäre einfach genial sein. So packte ich um kurz vor sieben meine Kamera, ließ meinen griesgrämigen Mitbewohner alleine in der Wohnung zurück und machte mich auf den Weg. Vorsorglich hatte ich noch mein Horoskop gelesen und mich mal nicht ganz schwarz angezogen und ließ auch ein bisschen dunkles Augen-Make-up weg, nicht dass ich versehentlich auf dem Scheiterhaufen enden würde. Unterwegs traf ich noch einen Freund und plötzlich standen wir auch schon mitten im Getümmel.

Erst mal hielten wir natürlich nach dem Feuer Ausschau. Gut, dass es um sieben vielleicht noch nicht brennen würde, war mir auch klar. Doch als wir dieses kleine, um nicht zu sagen mickrige Häufchen Holz ewig weit weg von der Moldau sahen, war ich doch enttäuscht. Noch enttäuschter war ich dann, als ich feststellen musste, dass ca. 50% der Teilnehmer dieses Spektakels mir noch nicht mal bis zum Bauchnabel reichten, während sich die anderen 50% in kilometerlangen Schlangen vor den Bierverkaufsständen herumdrückten.

So drängelten wir uns erst mal durch die Massen in Richtung Moldau. Meine Begleitung entdeckte dort dann das Ryby-Restaurant und da man dort direkt am Wasser sitzen kann, und er das heimische Meer doch so vermisst, schleppte er mich also dorthin, wo wir dann für unglaubliche 55 Kronen ein Bierchen süffelten. Nach geschätzten 25 vorbeiziehenden Schiffen machten wir uns dann wieder auf zum Feuerchen. Und siehe da, wir kamen gerade richtig. Das Häufchen brannte lichterloh, umrundet von akribisch darauf aufpassenden hasiči. Außenrum fand nun gerade ein Hexenprozess statt. Der Inquisitor in langer schwarzer Kutte mit großem Kreuz zählte die Verbrechen der Hexe auf, die, umgeben von ein paar Soldaten, alles Wahrsagen und Hexen abstritt und ihre Unschuld beteuerte. Kurz bevor sie dann den Flammen übergeben werden sollte, tauchten aus dem Nichts die drei Musketiere auf und retteten die Hexe. Ja, Musketiere, ihr habt richtig gelesen. Wieso? Ich habe keine Ahnung.

Ganz blind von den zwei Millionen Bildern, die die Menschen von diesem Vorgang geschossen hatten und genervt von mir selber, hatte ich doch das Stativ für meine Kamera zu Hause vergessen und somit zum Großteil nur unscharfe Bilder machen können, beschlossen wir, uns nun in die ewig lange Schlange einzureihen, um ein Bier zu bekommen. Nun wollten wir es uns am Feuerchen, was für die Größe doch eine erhebliche Hitze ausstrahlte, gemütlich machen. Kaum hatten wir uns dann dort niedergelassen, begann ein weiteres Spektakel. Im Takt von fünf Trommeln führten zwei Typen mit nacktem Oberköper und barfuß nun eine Art Feuertanz auf, indem sie brennende Ketten oder so was in der Art in aberwitzigen Posen um sich schwangen. Das Ganze vor dem schon gänzlich dunklen Hintergrund, ja das hatte was. Etwas später tauchten dann die Musketiere mit anderen Räubern noch mal auf und verkloppten sich erst gegenseitig im Streit um eine ominöse Kiste, um kurze Zeit später von den Soldaten besiegt, des Schatzes beraubt und abgeführt zu werden.

Das weitere Unterhaltungsprogramm bewegte sich nun vom Feuer weg. Da ich mich aber von selbigem den restlichen Abend nicht mehr entfernen wollte und lieber mit meiner Begleitung darüber diskutierte, ob aufgrund der Hitze gleich meine Schuhe schmelzen würden, kann ich zum weiteren Rahmenprogramm leider keine qualifizierte Stellungnahme abgeben, ich weiß nur, dass ich den ganzen Abend hindurch Musik vernahm. Da ich in regelmäßigen Abständen auch Geklatsche hörte, nehme ich mal nicht an, dass es sich dabei mal wieder um eine Einbildung meines Gehirns handelte. Aber wer weiß.

Wir blieben, wie gesagt, am kuscheligen Feuer und lachten uns schlapp über die Gruppe Amerikaner neben uns, die wohl etwas zu tief ins Glas geschaut hatte. Eines der Mädchen, stilvoll im Zebrakleid, sah sich nicht mehr in der Lage aufrecht zu gehen, so dass sie lieber zebralike auf allen vieren von dannen kroch. Großes Spektakel. Weiter wurde ich noch Zeuge einer Unterhaltung von zwei Deutschen über Schroff – voll abartig. So langsam wurde ich dann richtig schläfrig von der Hitze und um ein Haar wäre ich auch eingeschlafen, doch dann plumpsten dicke Tropfen auf meinen Kopf. Sehr zu meiner Erleichterung hatte mich im Halbschlaf kein Hund angepinkelt, sondern es begann zu regnen. Erst nur sporadisch, aber um Mitternacht wurde es dann immer heftiger. So brachen wir unsere Zelte ab und verließen das Hexenbrennen, auf dem, sehr zur Enttäuschung meiner Begleitung, nicht eine einzige Hexe verbrannt wurde.

Bildnachweis:
Monika Kindermann

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