Bohem Prague Hotel

Blogs

Blogs

Weitere Beiträge dieses Autors

Vom Wunsch nach Krams getrieben - der größte Flohmarkt Tschechiens
Ein Tagesausflug mit dem Zug von Prag nach Kutná Hora
Zum Motorradrennen im Autostadion Markéta in Prag-Břevnov
Führung durch die Regierungssäle auf der Burg
Walpurgisnacht in Prag
Sepultura im Modrá Vopice
Ein Ausflug nach Prag 7 in den Prager Zoo und auf den Rummelplatz
Zweistündige Dampferfahrt auf der Moldau in Prag: von der Čechův Most bis zu Vyšehrad
Protagonisten des tschechoslowakischen Undergrounds der 60er im Vagon
Eine kleine Rückschau
Im Museum der Hauptstadt Prag: das Langweil-Modell der Stadt Prag
Guns ‘n’ Roses Revival im Vagon
(Wie siehst du das: Haben wir eine Chance?)
Einsamer verfallener Betonkoloss mit seltsamer Anziehungskraft
Kurs hin - Kurs her!
Wohnheimsuche und Einstufungstest
Planung und Anreise
Von Prag aus mit dem Bus nach Český Krumlov
Eishockey-Play-Offs in der Prager O2 Aréna
Zwischen Genialität und Wahnsinn
Fotoausstellung über den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag 1968
Konzert von Hudba Praha
Die wohl süßeste Versuchung seit es Zeichentrickfilme gibt
Ein Ausflug zur Burg Karlštejn
Erfahrungen mit einem tschechischen Sprachpartner
Eine Tour durch den Münchner Tierpark Hellabrunn auf Tschechisch
Ein Erfahrungsbericht aus der ersten Tschechischstunde

Blogs-Autoren

| | Musik | 5.7.2010

Wie ein Coitus interruptus – Aerosmith Konzert

Also vielleicht werde ich ja alt und abgebrüht, oder es lag an den Sitzplätzen oder an der Tatsache, dass ich an diesem Tag meinen ersten Praktikumstag hatte und erstaunliche zehneinhalb Stunden arbeiten musste, was nebenbei gesagt gar nicht lustig war, aber irgendwie war das Konzert von Aerosmith so schnell um, dass ich mich bis heute frage, ob ich zwischendrin einfach eingepennt bin. Kaum waren wir da und hatten es uns auf den sündhaft teuren Sitzplätzen gemütlich gemacht, und das Bier voll luxuriös in den dafür vorgesehenen Becherhaltern platziert, kaum hatte sich die Vorband verzogen, die wir nicht gesehen haben, weil ich wegen meiner Arbeit viel zu spät kam und dann das dringende Bedürfnis nach Bier und Zigaretten hatte und das kann man ja in der O2-Arena bekanntlich nur in diesem Rauchertunnel stillen, kaum warten wir also ca. eine Stunde und kaum waren Aerosmith dann endlich auf der Bühne, kaum hatte ich mich dann etwas warm geschrien, und das Gefühl genossen auf einem Konzert einer der wirklich Großen zu sein, da verschwand Steven Tyler samt Kompagnons auch schon wieder von der Bühne. Also nicht, dass das Konzert nicht gut gewesen wäre. So kann man das nicht sagen. Nachdem Steven und der Rest die Bühne gestürmt hatten, rockten sie was ging und das heißt in ihrem Alter schon was. Die Show war auch echt gut. Nur irgendwie war die Sache so aalglatt, nichts, woran man sich nachher erinnert, nichts, was sich einem als bleibender Eindruck, als digitales Andenken an das Konzert ins Hirn gebrannt hat.

Doch bevor ich hier schon wieder meckere, was ich in letzter Zeit ja dauernd mache, fangen wir doch mal von vorne an. Ich hatte also wie gesagt meinen ersten Arbeitstag und musste dann auch gleich noch länger bleiben, und ein Meeting zu protokollieren. Konkret hieß dass, dass ich also vor dem Konzert nicht mehr nach Hause kam und mich umziehen konnte. Da ich aber auch nicht mit so einer fetten Riesentasche auf das Konzert gehen wollte, war mal kluge Planung angesagt. Ich musste was anziehen, was büro- und konzerttauglich ist. Und mal ehrlich, so was gibt es einfach nicht. Nach langem Hin und Her entschied ich mich dann einfach, meine Chefin gleich mal von meinem schwarzen Inneren zu überzeugen und kam komplett in black. Der Plan: Das Arbeitsoberteil war in Wirklichkeit das Minikleid fürs Konzert und der Alibirock wurde dann einfach zusammengeknüllt in die Minitasche gestopft.

Nachdem das Meeting dann um acht endlich zu Ende und zeitgleich der Beginn des Einlasses war, fühlte ich mich leicht gestresst. Schnell noch frisch gemacht, rannte ich dann auch schon los. Von unterwegs noch meine Begleitung informiert, dass ich mich verspäte. 20 Minuten danach hopste ich aus der Bahn und lief in großen Schritten auf die O2-Arena zu. Schnell noch eine Zigarette geraucht und nichts wie rein. Dort wartete schon meine Begleitung mit einem kühlen Bier, welches ich mir meiner Meinung nach auch echt verdient hatte. Nach einem etwas ausgedehnten Ausflug in den Rauchertunnel, nahmen wir dann um kurz vor neun die Sitzplätze in Augenschein. Ich weiß ja nicht mehr, welcher Teufel mich geritten hat, mich dafür einzusetzen, dass wir bei Aerosmith Sitzplätze haben sollten. Die waren nicht nur verflucht teuer, sondern auch einfach unendlich weit von der Bühne weg. Aber nun war es zu spät sich zu beschweren. Da saßen wir nun also und warteten. Und warteten und warteten. Aber da ich mich grad in einer Mischung aus saumüde weil um 7 aufgestanden, total überdreht und ein bisschen angetrunken befand, hab ich das net so wahrgenommen.

Dann endlich war es soweit, der Vorhang fiel und Aerosmith standen auf der Bühne. Saugeil, hätten sie nur nicht die Größe von Strichmännchen. Aber was Gutes hatten die Sitzplätze auch, endlich konnte ich mal nach Herzenslust fotografieren, ohne dass ich dauernd geschubst werde oder ich Angst vor der Security haben musste. Nur leider ist Steven eben so groß wie ein Streichholz. Naja, dafür gabs ja netterweise die riesigen Leinwände, die das alles auch für mich sichtbar machten.

Und was ich da sah? Einen Steven Tyler, der von der ersten Minute an rockte, was das Zeug hielt. Ganz in typischer Tylermanier, die Mikrostange immer bei sich, mit den übertriebenen Gesten bei jedem Lied. Und irgendwo muss da eine Windmaschine versteckt gewesen sein. Tyler Haaren wurden nämlich dauernd von einem zarten Lüftchen gesteift und das kam ja wohl kaum vom kollektiven Ausatmen der Fans. Und auch die Songs waren nicht schlecht, auch wenn das von mir so erhoffte „Crazy“ nicht kam. Dafür „Livin’ on the edge”, “Pink”, “Crying” und das meiner Meinung ja viel zu kitschige „ I don’t wanna miss a thing“. Vor der obligatorischen Bettel-Pause kam dann noch „Dream on“.

Nach einer kurzen Zugabe und einem schnellen Abschied war’s dann einfach vorbei. Gerade noch so voll dabei, wurde einfach der Stecker rausgezogen, fast wie bei einem Coitus interruptus. Und schon fand ich mich auf dem Weg nach draußen und zur U-Bahn wieder.  Irgendwie konnte ich nicht glauben, dass es nun tatsächlich vorbei war. Oder war ich einfach nur auf der superbequemen Schulter meiner Begleitung kurz eingenickt und träumte? Nein, die Begleitung versicherte mir duzende Male, dass ich wach war und mich wirklich gerade zur Metro bewegte. Irgendwie schade.

Bildnachweis:
Monika Kindermann

Auch interessant