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| | Eishockey | 30.12.2009

Jak to videš: Máme šance?

(Wie siehst du das: Haben wir eine Chance?)

Das war die große Frage, die sich die meisten Slavia-Fans angesichts des gestrigen Spiels gegen den HC Eaton Pardubice stellten. So recht schien keiner daran zu glauben, dass das was wird. Naja, die Chancen standen ja auch nicht gerade gut: Der beste Stürmer von Slavia hatte sich am Tag zuvor verletzt, und noch dazu hat Pardubice diese Saison die Legende Dominik Hašek als Torwart. „Alleine deshalb lohne es sich, zu diesem Spiel zu gehen, um Hašek einmal live zu sehen“, meinte Matĕj vorab, und das war vermutlich auch der einzige Grund warum ich ihn weniger als einen Monat vor seinem Staatsexamen mal von den Büchern weglocken konnte. Für all diejenigen, denen der Name nun so gar nichts sagt: der „Dominator“, wie Hašek auch genannt wird, hat nicht nur sehr erfolgreich in der NHL in den USA Eishockey gespielt und war in den 90ern einer der besten Torwarte weltweit, vor allem aber hat er die tschechische Nationalmannschaft 1998 zu olympischem Gold geführt und erfreut sich deshalb heute immer noch großer Beliebtheit.

Dass dies für Slavia kein Heimspiel werden würde merkte man bereits am Eingang. Im Gegensatz zum letzten Spiel, bei dem ich war, standen diesmal Massen von Menschen vor dem Einlass. Und sehr zu meiner Verwunderung musste ich bald erkennen, dass die rot-weiße Fankluft diesmal nicht die von Slavia war, sondern es sich bei den Menschen mit einem wutschnaubenden Pferd auf dem Trikot um Pardubice-Fans handelte, und die waren klar in der Überzahl. Angesichts dieser Invasion, für die  Pardubice-Fans allerdings bekannt seien, wie Matej mir erklärte, ließ sich auch die etwas schüchterne Frage des Slavia-Fans hinter mir an seine Begleitung erklären: „Jak to videš: Máme šance?“.

Als wir uns dann durch die Massen durchgequetscht hatten und den Sitzplatz einnahmen, stellen wir etwas entsetzt fest, dass wir fast ausschließlich von Pardubice-Fans umgeben waren. Das Stadion war fast voll, und auch hier ergab sich das gleiche Bild wie am Eingang. Überall Pradubicler, deren Fanbereich auch sehr geschlossen war, während jener von Slavia doch etliche Lücken aufwies. Die Stimmung war angespannt. Das Spiel fing dann erst mal langsam an, die Mannschaften tasteten sich ab. Doch schon im ersten Drittel schoss Pardubice ein Tor.  Der Druck war nun wirklich fühl-, vor allem aber sichtbar: Beim Kampf um den Puck verlor ein Spieler von Slavia einen Handschuh, ein anderer sogar den Schläger, der dann noch mindestens zehn Minuten auf dem Eis rumlag.

Das erste Drittel ging an Pardubice. Ich musste nun erst mal eine rauchen, um die Enttäuschung zu überstehen. Ich machte mich also auf in den Rauchertunnel des Stadions während Matĕj sich was zu Essen holte. Hier fühlte ich mich dann zwischen all den „Feinden“ doch etwas unwohl, zumal dann auch noch einer ernsthaft versuchte mich anzuflirten. Naja gut, das rote Shirt ließ ja auch keine eindeutige Identifizierung zu, welche der Mannschaften ich nun fandilen würde. Da war ich doch ganz froh, als ein Schrank von einem Slavia-Fan auftauchte, in dessen Dunstkreis ich mich stellte und vor weiteren Anmachen verschont zu bleiben. Noch froher war ich dann als Matĕj mich nach erfolgreicher Essensjagd wieder abholte.

Schon fing auch das zweite Drittel an. Hier erzielten wir sogar das Ausgleichstor und der Fanclub kam mal ein bisschen aus sich heraus. Ich muss ja leider anmerken, dass die im Vergleich zum letzten Spiel, wo sie eine Vielzahl an Plaketten und Aktionen in petto hatten, diesmal einen eher müden Eindruck machten. Lange dauerte es dann auch nicht, bis Pardubice das nächste Tor schoss. Die Aggressivität im Spiel stieg nun. Da war es doch gut, dass in der kleinen Pause auf dem Bildschirm wieder mal das „Kiss me“-Spiel kam. Dabei werden Pärchen auf den großen Bildschirmen mit einer Herzumrandung und der Aufforderung „Kiss me“ gezeigt und mit dem Jubel der Massen belohnt, wenn sie selbiges dann tun. Ich war gerade damit beschäftigt, mich über die Reaktion der Pärchen, wenn sie bemerkten, dass sie nun gerade auf dem Bildschirm waren, zu amüsieren, da tauchten plötzlich Matĕj und ich dort auf. Vermutlich hab ich auch extrem doof geguckt, aber Matĕj zog mich an sich, und drückte mir einen dicken Schmatzer auf die Lippen. Leider war das wohl nicht leidenschaftlich genug, denn den Preis für den besten Kuss, ein Kalender von Slavia, haben wir nicht gewonnen. Wir diskutieren im übrigen immer noch, wessen Schuld das nun war, seine oder meine?

Das zweite Drittel endete dann ohne weitere Tore, ebenso wie das dritte. So zogen wir dann als die Verlierer von dannen, aber wenigstens hatten wir eine Eishockeylegende live gesehen, und die Erfahrung könnte man Hašek auch während des turbulenten Spieles ansehen.

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