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Praha a zpět – Heimaturlaub Teil II

Durch lautes Gemaunze und ein paar Krallen geweckt, begann dann mein nächster Tag.

Der war dann irgendwie ziemlich traurig. Auf den Spuren meines ehemaligen Lebens wandelnd, wanderte ich durch mein so geliebtes Prag und fühlte mich so vollkommen fehl am Platz. Wäre es nicht so kalt gewesen, hätte ich garantiert alle fünf Minuten geweint. Endlich traf ich dann einen Teil meines alten Lebens und es ging bergauf. Davor musste ich allerdings 30 Minuten in der klirrenden Kälte warten. Typisch tschechisch, dabei ist er doch Weißrusse. Nachdem ich anfänglich versucht hatte, die Zeit zu überbrücken, indem ich mich einfach auf den Wenzelsplatz setzte und in die Gegend starrte, so, wie ich es früher immer getan hatte, fror mir doch trotz Millionen von Klamotten mein Hintern an der Bank fest. Kurzentschlossen begab ich mich in den C&A und beinahe wäre ich der mich seit meinem Exil dauernd befallenden Ersatzbefriedigung des Shoppens erlegen. Doch dann bimmelte mein Handy und endlich kam mein altes Leben zurück.

Nach einer überschwänglichen Begrüßung stürzte ich ins Tschechische und sehr zu meiner Überraschung ging das fast problemlos. Endlich wieder mir vertraute Worte, endlich wieder domov můj. Die nächsten Stunden verbrachte ich in alter Manier im Maci, bei einem Chicken McNuggets Menu, dem Austausch von verspäteten Weihnachtsgeschenken und endlosen Reden. Vollkommen unspektakulär, aber einfach unendlich gut. Nach einem kurzen Ausflug in die Luxor-Buchhandlung, wo ich ein tschechisches Übungsbuch erstand, fand ich mich im Můstek wieder, wo ich mit Hilfe des Freundes eine Karte für das morgige Eishockeyspiel Slavia gegen Pardubice käuflich erwarb.

Gerade als ich mir dann für die nächsten Tage Fahrkarten kaufen wollte, bot der Freund an, mir seine Studentenkarte zu überlassen, er kaufe sich dann mit seiner Open-Card ein Wochenticket, das wäre billiger. Und als wir dann auf dem Weg waren, besagte Open-Card-Wochenkarte zu kaufen, und uns dafür durch die unendlichen Gänge der Metrostation bewegten, da kam ein Kontrolleur. Bevor ich noch reagieren konnte, sagte der Freund, er habe kein Ticket und schon war ich mitten im Drama. Anstelle, dass das kleine Männchen uns einfach zum Kartenkaufen gehen hätte lassen, wollte er die Polizei rufen, da der Freund keinen Ausweis bei sich drug. Ich versuchte die Sache zu retten, indem ich anbot, die Strafe einfach zu bezahlen, schließlich war ich ja der Grund für das nun ausgebrochene Chaos, da begann der Freund eine wilde Diskussion mit dem Männlein. Letztendlich kamen wir dann aber doch noch glimpflich aus der Nummer raus. Da ich vom Vortag und der Katze doch etwas gerädert war und der Freund nun seinem Job als Nachtportier entgegeneilte, machte ich mich wieder auf in meine neue Heimat und ließ den Abend ruhig ausklingen, in freudiger Erwartung des nächsten Tages.

Erster Tagesordnungspunkt war nämlich die Begehung des von mir so heiß geliebten Stadtions Strahovs zum Zwecke der Schnee-im-Stadion-Fotografie. Nachdem ich mich nun auch entschieden habe darüber Magisterabriet zu schreiben, war ich natürlich doppelt vorfreudig. Um den Tag noch perfekter zu machen, machte ich einen kleinen Umweg und holte mir in der Paneria meines Vertrauens noch schnell ein Panini, welches ich dann ehrfurchtsvoll beim Anblick des in weiße Pracht gehüllten Stadions verzehren wollte. Doch diese Vorfreunde wurde getrübt. Natürlich kam der Freund mal wieder zu spät. Und da ich mich nicht alleine ins Stadion traute und in der Nähe leider kein C&A ist, stand ich mir nicht nur die Beine in den Bauch, sondern fror auch am Boden fest. Als er dann endlich kam, war das Panini schon gegessen und meinen Extremitäten so tot gefroren, dass ich nach einer Handvoll Fotos abbrechen musste, so sehr schmerzten Hände und Füße von Kälte. Als kleine Entschädigung wurde ich nun in ein schickes Café über den Dächern von Prag eingeladen. In diesen Höhen schwebte ich bei typisch tschechisch dickflüssiger heißer Schokolade in meinen Erinnerungen und malte mir mein zukünftiges Leben in Prag aus, was in 92 Wochen beginnen wird. Die nächste Station meines Tages führte mich nun auf den Altstädterring, wo ich mit paní „zurückhaltend und schüchtern“ in die Czech Press Ausstellung ging. Hm, also um ehrlich zu sein, hatte ich mir doch mehr erwartet. Irgendwie waren die Bilder nicht so eindrucksvoll dieses Jahr. Vielleicht lags auch daran, dass wir, oder besser, ich etwas unter Zeitdruck war, schließlich war es schon später Nachmittag und da ich am Abend zum Eishockey wollte und meine Tasche wie immer bis oben hin mit Sachen gefüllt war, die ich unter Garantie nicht durch die Sicherheitskontrolle bringen würde, musste ich noch mal raus nach Strašnice. Doch die Ausstellung in ihrer Verwinkeltheit erstreckt sich über drei Etagen und wollte einfach kein Ende nehmen. Als wir dann endlich durch waren, blieb mir nicht mal mehr Zeit, mich durch die Poster und Fotobücher zu wühlen.

Schnell raus und „heim“ und dann auch schon wieder los Richtung O2-Arena. Leider musste ich allein gehen, da alle meine Freunde in Prag nur so tun als wären sie echte Tschechen, sich unter diesen echten Tschechen dann aber trotzdem keiner fand, der sich genug für den Nationalsport begeistern konnte. Einzig mein Ex-Mitbewohner äußerte Interesse, konnte dann aber doch nicht, da an diesem Abend ein Buddhistentreffen war, zu dem er „wollte“. Und dabei war das doch unser Spiel, schließlich hatten wir uns vor einem Jahr bei Slavia gegen Pardubice geküsst, als wir in einem Herzchenrahmen auf der Leinwand zu sehen waren. Aber vermutlich war das genau der Grund, warum er dieses Mal lieber nicht mitkam. So ging ich also alleine, holte mir ein Bierchen, und nahm meinen Platz in Augenschein. Schön mittig, nahe am Eis und sehr zu meiner Freude direkt über den Strafbänken. Gerade drehte meine Liebe, Max, das Maskottchen noch seine Runden auf dem Eis, da kamen auch schon die Spieler rein. Und ehe ich mich versah, und das meine ich wörtlich – es waren noch nicht mal zehn Minuten vergangen- da lagen wir schon 3 zu 0 hinten. Eigentlich hätte ich nun auch wieder gehen können, denn was jetzt kam war ein einziges Desaster. Gnadenlos wurden wir fertiggemacht, Pardubice schoss ein Tor nach dem anderen. Unser Fanklub dümpelte so vor sich hin, es gab eine einzige Plakataktion. Vom Charme und Esprit, der mich einst so begeistert hatte, als ich auf meinem ersten Eishockeyspiel war, war nichts mehr zu finden. Stattdessen wurde das Publikum in den Pausen mit billigen Spielchen unterhalten, gewann ein paar billige Preise und gegen Ende mussten wir dann auch noch eine drittklassige Zaubernummer über uns ergehen lassen, ehe wir dann endlich schmachvoll 5 zu 1 gedemütigt aus der Halle schleichen konnten.

Bildnachweis:
Monika Kindermann

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