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| | Panorama | 29.11.2009

Es weihnachtet sehr auf dem Altstädterring

Als ich letzte Woche über die Facebookgruppe „Erasmus Orgasmus Prag“ die Einladung zur feierlichen Eröffnung des 27 Meter hohen Christbaums auf dem Altstädterring erhalten hatte, dachte ich mir verächtlich „Oh man, die Erasmusstudenten nutzen aber auch wirklich jeden Vorwand um sich zu besaufen“, zumal das Schreiben mit dem Hinweis versehen war, dass es sich hierbei um ein Event handle, was nur einmal im Laufe des Erasmusjahres stattfinden werde und man somit quasi gezwungen sei, daran teilzunehmen.

Doch dann wurde es Samstagnachmittag. Eigentlich wollte ich ja mit einer Kommilitonin auf das Motocrossevent Gladiator Games in der O2-Arena gehen, doch dann war, aus mir nicht ganz ersichtlichen Gründen, meine Connection zu Gratis-Karten auf einmal wie vom Erdboden verschluckt. In diesem Moment kam mir nun die Anfrage, ob ich nicht doch mit zum Altstädterring kommen wolle und mir den einen oder anderen Glühwein genehmigen ganz recht, hatte ich doch eine gehörige Portion Wut im Bauch, die ich irgendwie loswerden musste. Ratzfatz warf ich mich also in meine vermeintlich kälteresistente Kleidung und machte mich auf in Richtung Staré Mĕsto. Als ich am Švandovo divadlo in die Tram wollte war ich erst mal sehr erstaunt, dass sich darin die Leute bereits wie Sardinen in der Dose quetschten und ich mich nur mit Müh und Not noch reinzwängen konnte. Da dachte ich noch, dass es sich um eine einmalige Ausnahme handeln würde, vielleicht weil die Tram zuvor ausgefallen war oder ähnliches. Als ich dann am Národní divadlo ebendiese wechselte, wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Da auch diese zum Bersten voll war, konnte es sich um keinen Zufall handeln. Und tatsächlich], je näher ich dem Altstädterring kam, desto größer wurde die Menschenmasse. Schon fühlte ich mich an den 17. November und den Versuch, zusammen mit 5000 anderen wenigstens einen kleinen Ausschnitt von der Bühne zu sehen, erinnert. Und nun sollte ich mir einen Weg zum alten Rathaus bahnen, wo ich mit einer Freundin verabredet war. Sehr zu meiner Freude schob sich die Masse jedoch in die entgegengesetzt Richtung, sodass ich nur im Schneckentempo vorwärts kam. Als ich endlich mein Ziel erreicht hatte und die Freundin natürlich nicht gleich auf Anhieb fand, hörte ich hinter mir schon entzückte Schreie. Gerade noch konnte ich mich umdrehen und sehen, wie die Spitze des Baumes zu leuchten begann und das Licht langsam Ast für Ast hinab glitt, bis schließlich das gesamte Geäst im Schein Aberdutzender kleiner Lämpchen brannte. Für all diejenigen, die dieses einmalige Erlebnis, was im nächsten Jahr bestimmt nicht und unter gar keinen Umständen wieder stattfinden wird.

Per Zufall lief nun auch meine Freundin an mir vorbei und zu dritt, sie war in Begleitung eines etwas aufdringlichen Ukrainers aus ihrem Wohnheim, der sich aber als hervorragender Sich-durch-die-Menge-einen-Weg-Bahner erwies, machten wir uns auf, näher an den Nadelbaum heranzukommen. Kaum hatten wir dies dann geschafft wurden die obligatorischen Erinnerungsfotos geschossen, schließlich handelte es sich hierbei ja um ein einmaliges Erlebnis, dass wir nie mehr wieder in unserem Erasmusmusjahr erleben würden, nebenbei bemerkt, ich bin nicht mal Erasmusstudentin, aber egal. Kaum hatten wir die Fotos also gemacht,  gelüstete es uns nach Glühwein. Also eigentlich nur meiner Begleitung, mich nicht, da ich Glühwein nicht mag. So kam es mir dann auch sehr gelegen, dass man bei dem von uns anvisierten Stand neben Suppe und dergleichen nur Bier bekam. Mit diesem stellten wir uns dann nahe an einen Wurstgrill, denn so langsam spürte ich, wie die Kälte an mir herauf kroch. Dort, idyllisch gleich neben einem Mülleimer, betrieben wir dann interkulturellen Austausch und erfuhren von so manchen uns etwas merkwürdig erscheinenden Partygewohnheiten in der Ukraine beziehungsweise in Russland, wo man beispielsweise nackt nur mit Schnorchel und Flossen bekleidet an einer Schaumparty teilnimmt, wo der Schaum einem bis zur Nasenspitze reicht, man also kaum etwas sieht und der Barkeeper einem den Alkohol einfach in den Schnorchel gießt.

Nach einer Weile bewegten wir uns dann Richtung Bühne, wo wir gerade rechtzeitig zum Auftritt einer Folklore-Tanzgruppe kamen. Diesem sahen wir dann bis zum Ende zu, was zugleich auch das Ende des Unterhaltungsprogramms war. Da uns nun auch wirklich verdammt kalt war, beendeten wir an dieser Stelle den Ausflug in die Weihnachtswelt und kehrten, hochbeglückt darüber, dass wir an diesem wirklich einmaligen Erlebnis teilgenommen hatten, ins warme Zuhause zurück.

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