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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Reise | 14.3.2020

Die ruhmreiche Vergangenheit des Kurortes Bad Liebwerda

  • Bad Liebwerda (Kreis Friedland) - Obelisk mit dem Brustbild des Erzherzog Karl - Sieger von Aspern
  • Heutiger Zustand des Denkmals
  • Heutiger Zustand des Denkmals für die Gründer des Bades
  • Neue Gedenktafel
  • Hotel zum Helm, Zeitungsreklame aus dem Jahr 1895
  • Zeitungsreklame aus dem Jahr 1915

Das Dorf Liebwerda, dessen einstiger Name Lybenwerde war, liegt im Isergebirge im früheren Kreis Friedland.

Der kleine Ort wurde schon Ende des 14. Jahrhunderts bekannt, als sich die Nachricht über die heilenden Wirkungen der örtlichen alkalischen und eisenhaltigen Mineralquellen verbreitete. Verbreitet haben sie die Pilger, die sich auf dem Weg von der Lausitz zur Marienwallfahrtskirche im benachbarten Haindorf am „Gotteswasser“ erfrischten. In dem Urbar der Herrschaft Friedland, das im Staatsarchiv von Tetschen-Bodenbach aufbewahrt wird, ist als erste Erwähnung des Ortes das Jahr 1381 eingetragen.

Am 31. Juli 1802 enthüllte hier der Grundherr Christian Philipp Graf Clam-Gallas (1748–1805) dem Befreier Deutschlands, Retter Böhmens und Mitglied des Hauses Habsburg, Erzherzog Karl (1771–1847), in Gegenwart des zahlreich vertretenen sächsischen und preußischen Adels, vieler tausend Fremder und Einheimischer sowie etlicher Kurgäste feierlich ein Ehrendenkmal. Dieses Denkmal, ein Obelisk, der dem großen Helden Österreichs gewidmet wurde, steht in stiller Einsamkeit in einem Gang des schattenreichen Kurparks. Das Monument trug keinen Namen. Auf der östlichen Seite befand sich ein Brustbild von Erzherzog Karl in Bronze und an der Westseite die Inschrift: „Ihm, der Böhmens Erretter, Germanien ein Friedensgeber war - Ihn nenne nicht erst dieser Stein, Ihn preist schon längst jeder Mund, Ihn ehrt ein jedes Herz.“

1909 jährte sich zum 100. Mal der denkwürdige Tag der glorreichen Tat der österreichischen Armee bei Aspern, durch die das gesunkene Selbstvertrauen der bedrückten Völker Österreichs und Deutschlands wieder gehoben wurde: die erste bedeutende Niederlage Napoleons auf dem Schlachtfeld. Bei dieser Schlacht besiegte der Habsburger den Korsen Napoleon Bonaparte und dessen Armee, obwohl die französischen Kämpfer den österreichischen zahlenmäßig weit überlegen waren.

Am 11. Juli 1909 wurde unter dem Protektorat des Grafen Franz Clam-Gallas an das 100. Jubiläum des glorreichen Sieges von Aspern am 21. und 22. Mai 1809 erinnert und vor dem Karl-Denkmal gebührend gefeiert. Am Denkmal wurde eine Marmortafel mit der Inschrift „Erzherzog Karl 1809–1909“ angebracht. Am Vorabend hatten Böllerschüsse den Beginn des Festes angekündigt, das ein Fackelzug des Militär-Veteranen-Vereins und sämtlicher Ortsvereine einleitete. Der Zug bewegte sich durch den Ort bis zum Erzherzog-Karl-Denkmal. Die Veteranenkapelle spielte die Volkshymne, und die Vereine sangen mit.

Heute bietet sich den Besuchern des Karl-Denkmals, das seit mehr als 200 Jahren in Bad Liebwerda steht, ein trauriger Anblick. Ebenso wie die damaligen Ereignisse geriet auch das Denkmal bei den Bewohnern des Bades weitestgehend in Vergessenheit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Denkmal völlig zerfällt und verschwindet. An den Seiten des oberen Teils erkennt man noch heute Spuren von runden Gedenktafeln. Der Bereich, in dem sich das Denkmal befindet, ist zugewachsen und gleicht einem Dschungel. Rundherum befanden sich Sitzbänke, von denen nur noch die Überreste zu erkennen sind.

In dem Ende des 18. Jahrhunderts errichteten Kurpark steht ein weiteres Baudenkmal: das Gründerdenkmal. Bei seiner Entstehung war es von einem Eisenzaun umgeben. Auf dem Säulenfuß des 1790 errichteten Denkmals stand eine Urne mit dem Symbol der unzertrennlichen Liebe und der Ewigkeit: zwei ineinander verschlungenen Schlangen. Als möglicher Ort für das Aufstellen des Denkmals wurde damals die Parkkolonnade in Aussicht gestellt.

An dem Sockel befand sich folgende Denkschrift, die an die Besucher und Begründer des Bades, an die den Badeort empfehlenden Ärzte sowie an einige Bauern gerichtet wurde, die der ersten Einrichtung des Bades durch bereitwillige Grundabtretung fördernd entgegenkamen und ihre Grundstücke der Stadt überließen: „Den Söhnen der nachbarlichen Lausitz, welche die ersten diese wohltätige Quelle besucht, und ihren Ärzten: Dr. Baumeister aus Görlitz, Chirurg Knoll aus Kune, welche die ersten sie empfohlen haben. Den Bewohnern von Sachsen, Schlesien, Preußen, Polen sowie aller Nationen, die den Aufenthalt an dieser Quelle, und ihre Heilkraft ihren Landsleuten anpriesen. Den böhmischen Ärzten Dr. Mayer, Bauer, Hansa, John und dem Dr. Mogollo von Breslau, welche diesen Brunnen mit der Fackel der Wissenschaft beleuchteten und den Gebrauch seiner geprüften Kräfte den Leidenden anrieten. Den Bewohnern dieses Ortes, vorzüglich den zwei gutherzigen Bauern König und Neumann, welche durch ihre Bereitwilligkeit, sich den Wünschen des Besitzers zu fügen, zur Verschönerung der Gegend und Bequemlichkeit der Badegäste beitrugen, widmet im Namen der dankbaren Menschheit Graf Christian Philipp Clam-Gallas 22. Juli 1790“.

Die Grundstücke, die zur Herstellung der Anlagen benötigt wurden, gehörten den Bauern Anton Neumann aus Nr.14 (Niederbauer) und Franz König aus Nr.12, und wurden der Herrschaft geschenkt. Deshalb wurden ihre Namen mit den Namen der anderer Förderer des Bades auch auf dem Gründer-Denkmal verzeichnet. Auf einem weiteren Grund, den die Herrschaft von den genannten Grundbesitzern kaufte, wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts das gräfliche Schloss erbaut, das der Gründer des Bades, Christian Philipp Graf Clam-Gallas, alle Jahre vom Mai bis September bewohnte. Seine Anwesenheit zur Saisonzeit förderte auch wesentlich den Besuch des Bades. Graf Clam-Gallas hat nicht nur Liebwerda zu einem vielbesuchten Bad gemacht, er war auch ein guter und wohltätiger Herr, der die Armen mit reichen Almosen unterstützte und mit den Ortsbewohnern gern verkehrte.

Heute steht von dem 1790 errichteten historischen Denkmal nur noch der Sockel. Der Eisenzaun verschwand schon vor vielen Jahren. Die Schrift wurde wie bei den meisten anderen deutschen Denkmalen abgeschlagen, zerstört und vernichtet. Auch die Urne mit den zwei Schlangen verschwand vor langer Zeit spurlos. Das Schlimmste, das bei gutem Willen hätte verhindert werden können, ist bald zu befürchten. Der übriggebliebene Teil des Denkmals ist ein bedeutendes und leider ein trauriges Andenken an die Entstehungszeit des Kurortes Bad Liebwerda.

Neben ein paar Eingeweihten wissen heute nur wenige Menschen über die Ruinen der zwei Denkmale aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie Bescheid. Für Ortsfremde sind sie nicht leicht zu finden. Keine Hinweisschilder zeigen die Richtung, wo man sie suchen oder finden kann. Die einst im Mittelpunkt des Alltags stehenden Denkmale sind längst im Dunkel des Vergessens versunken.

Anfang des 19. Jahrhunderts stand der Kurort Liebwerda in seiner höchsten Blüte. Bürger und Adelige sowie bekannte Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur besuchten das Bad und blieben hier mehrere Wochen während der Saison. Wie die damaligen Nachrichten meldeten, erreichte die jährliche Zahl der Besucher nicht selten 800. Unter den Besuchern war auch einer der größten deutschen Komponisten: Carl Maria von Weber (1786–1826). Im Sommer 1814 verbrachte er hier 20 Tage, um seiner angegriffenen Gesundheit zu frischer Schaffenskraft zu verhelfen. Weber, damals Operndirektor des Ständetheaters in Prag, wohnte in Zimmer 4 im Kurhotel Zum Helm. Verteilt auf zwei Stockwerke standen den Kurgästen in diesem Haus 31 Gästezimmer zur Verfügung.

In Liebwerda entstanden die zehn Lieder zu Theodor Körners „Leyer und Schwert“. Auch seine Max-Arie „Durch die Wälder, durch die Auen“, die dem „Freischütz“ eingefügt wurde, soll hier entstanden sein. In Bad Liebwerda soll er auch einen Teil seiner Oper „Eurianthe“ komponiert haben. Von dem Besuch des großen Komponisten gab es lange nur ein kleines Blatt mit einfachem Holzrahmen, das sich im Musikzimmer des Kurhauses befand und die Inschrift trug: „In diesem Hause auf Zimmer Nr. 4 komponierte Carl Maria von Weber eines von seinen unsterblichen Werken, den „Oberon“.

Auf Anregung des akademischen Malers Wenzel Franz Jäger aus Raspenau ließ die Tischgesellschaft deutscher Männer, die sich Wintergesellschaft Liebwerda nannte, am Kurhaus eine Carl-Maria-von-Weber-Gedenktafel anbringen, die am 24. Juli 1904 feierlich enthüllt wurde. Auf ihr stand: „Carl Maria von Weber weilte hier vom 10. bis 30. Juli 1814“. Die Festordnung wurde folgendermaßen festgesetzt: Um 10.00Uhr vormittags erfolgte die Versammlung der Festgäste im Kurhaus. Die Enthüllungsfeier begann um 10.30 Uhr mit der Begrüßungsrede des Wenzel Franz Jägers aus Raspenau. Dabei traten die Gesangvereine des Oberwittigtales sowie der Reichenberger Männergesangverein und der Damengesangverein „Cäcilia“ aus Reichenberg unter Leitung des Komponisten Kamillo Horn auf. Die anschließende Festrede hielt der Obmann des Wiener Schubert-Bundes, der Bürgerschullehrer Josef Jaksch aus Wien. Nach der Feier gab es ein gemeinsames Mittagessen. Nachmittags folgte ein Militärkonzert, dargeboten von der Kapelle des 19. Infanterie-Regiments aus Görlitz. Am Abend gab es zum Abschluss ein Kränzchen im Kursaal.

An den Besuch Carl Maria von Webers erinnert heute am Kurhaus eine Marmortafel in deutscher und tschechischer Sprache, die der Heimatkreisverband Friedland dem Kurbad schenkte. Mit Zustimmung des Kurbad-Besitzers wurde die Tafel 1994 installiert und feierlich enthüllt. 2016 wurde sie überarbeitet und die Schrift frisch vergoldet. Anschließend wurde sie wieder beim Haupteingang an der Wand befestigt.1904 gründeten Geschäftsleute und Bürger von Bad Liebwerda einen Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs. Der gewählte Vorstand bestand aus Oberlehrer Fuhrmann, Kaufmann Anton Neumann, Ökonom Josef König, Hotelier Gustav Worf, Hotelier Eduard Schöntag, Dr. Alfred Tschuschner, Kaufmann Santner, Logierhaus-Besitzer Adolf Effenberger und Ökonom Krause, der die Statuten ausgearbeitet hatte. Der Zweck des Vereines war, die Fremden auf diesen schönen Badeort und seine altbekannten Heilquellen aufmerksam zu machen, den Ort zu verschönern und Mittel und Wege zu finden, um allen Kur- und Sommergästen den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen und den Fremdenverkehr zu fördern. Als erstes beschloss der neue Verein, 20 neue Straßenlaternen aufzustellen. Bereits 1834 gab es in Liebwerda 123 Häuser mit 704 Einwohnern. Seit 1906 lautet der Ortsname offiziell Bad Liebwerda. Bei der Volkszählung 1921 hatte Bad Liebwerda 711 Einwohner - 693 Deutsche und 18 Tschechen. 1935 wurden in der Gemeinde 719 Einwohner registriert. Davon waren 706 Deutsche und 13 Tschechen.

Heute ist der Badeort für die Behandlung von Herz-, Gefäß- und Blutkreislauf-Problemen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Störungen des Stoffwechsels wie Diabetes Mellitus, Erkrankungen der Atemwege, neurotischen, geistigen und psychosomatischen Störungen bekannt.

Zu seinen bekanntesten Besuchern gehörte der deutsche Schriftsteller und Dichter Johann Gottfried Seume (*29. Januar 1763 in Poserna in Sachsen, † 13. Juni 1810 in Teplitz in Böhmen). Er wohnte 1804 in dem durch seine altertümliche Bauart interessanten Gästehaus Zur Traube. Den Kurort am Fuße der Tafelfichte besuchten im Jahr 1825 auch der böhmisch-österreichische Maler Josef Ritter von Führich (*9. Februar 1800 in Kratzau, † 13. März 1876 in Wien) sowie 1853 und 1858 der Dichter Cölestin Johne (*26. Juli 1819 in Innozenzidorf, † 1858 in Böhmisch Leipa). Auch Franz Kafka (1883–1924), trotz seines kurzen Lebens einer der bekanntesten Schriftsteller im deutschsprachigen Raum, und Alexander von Humboldt (1769–1859), Naturwissenschaftler und Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft, kurten in Bad Liebwerda.

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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