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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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Neues Kunstwerk vor dem Rathaus in Reichenberg

  • Bronze Skulptur mit dem lateinischen Namen "Quo Vadis", Reichenberg
  • Bildhauer und Autor des Werks David Černý
  • Kunstobjekt Bushaltestelle
  • Kunstobjekt Bushaltestelle
  • Fünf Stühle für die wartenden Fahrgäste
  • Neben der Bushaltestelle, bei dem Abfalleimer in Form einer großen Blechdose, liegen zwei aus Bronze hergestellte Reichenberger Würstchen

Seit dem Jahr 2005 werden an der Ecke beim Rathaus im Zentrum der 104 000-Seelen-Stadt Reichenberg für die Dauer eines Jahres Kunstwerke verschiedener Künstler ausgestellt. Seit Anfang Oktober steht ein neues Kunstwerk vor dem Rathaus.

Vorher glänzten blaue Glasblasen an der Rathausecke. Die Glasskulptur „Sublima“ wurde jetzt durch die 1990 entstandene Skulptur „Quo Vadis“, die einen Trabant mit vier Beinen darstellt, des Bildhauers David Černý ersetzt. David Černý (* 15. Dezember 1967 in Prag) ist ein tschechischer Künstler, der vor allem als Schöpfer kontroverser und provokativer Werke bekannt ist.

„Quo Vadis“ ist sein erstes Werk, das größere öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Für dessen Produktion lieh sich Černý angeblich Geld von seinem Vater. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Skulptur kaufte er sich ein Auto. 

Am 7. November 1957, dem 40. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, begann in der sächsischen Stadt Zwickau die Produktion einer Probeserie von 50 Kleinwagen. Ihre Bezeichnung P 50 änderte sich bald in den bekannten Namen Trabant. Das Wort Trabant ist ursprünglich die deutsche Übersetzung des russischen Wortes „Sputnik“. 

Das Auto trug den Spitznamen „Rennpappe“. Man konnte es buchstäblich „auf dem Knie“ reparieren. Außerdem war es für viele das erste erschwingliche Auto überhaupt. Die Wartezeit für diesen Kleinwagen betrug zwölf bis 15 Jahre. Der Fall des Eisernen Vorhangs bedeutete sein Ende. Am 30. April 1991 lief der letzte Trabi vom Band.

Die Bronzeskulptur des „DDR“-Autos, die anstelle von Rädern vier robuste Beine hat, ist eine originelle und zugleich traurige Erinnerung an die Ereignisse vom September 1989, als die Deutsche Botschaft in Prag zu einem vorübergehenden Zufluchtsort für mehr als 4000 Bürger aus der „DDR“ wurde, die in die Botschaft geflohen waren, bevor ihnen die Ausreise in die Bundesrepublik erlaubt wurde. Dabei ließen viele von ihnen ihre in den Straßen von Prag geparkten Trabis, das damalige Symbol für die „DDR“, zurück. Die Beine der Skulptur symbolisieren die Flucht der Bürger aus der „DDR“.

Zwei identische Abgüsse wurden angefertigt. Reichenberg hat sich die Kopie ausgeliehen, die letztes Jahr in Potsdam anläßlich der 30-Jahr-Feier der deutschen Wiedervereinigung ausgestellt wurde.

Das Kunstwerk erinnert an den Zusammenbruch des kommunistischen Systems in der „DDR“. Eine Kopie steht in der Deutschen Botschaft in Prag. Das Original befindet sich in der Sammlung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig.

Nicht weit entfernt – hinter dem Theatergebäude – ist ein weiteres Černý-Kunstwerk zu sehen.

„Bushaltestelle“ von 2005, im Volksmund „Fest der Giganten“, erinnert an die Vergangenheit der Stadt. Während „Bushaltestelle“ Reichenberg dauerhaft schmücken wird, bleibt „Quo Vadis“ nur bis zum nächsten Herbst vor dem Rathaus. 

Alles, was sich an der „Bushaltestelle“ befindet, ist mit der Vergangenheit und Gegenwart der Region Reichenberg verbunden. Nach Ansicht des Künstlers symbolisieren die Bronzeobjekte die ehemalige tschechisch-deutschjüdische Gemeinschaft. Die Grundform der Bushaltestelle ist ein riesiger Tisch aus Bronze mit einer Tischdecke, der als Dach dient und stilistisch an das in dieser Region im späten 19. Jahrhundert gebräuchliche Mobiliar erinnert. Die fünf Stühle für die wartende Fahrgäste unter dem Dach zeigen eine ähnliche Quelle der Inspiration.

Auf dem gedeckten Tisch stehen ein deutscher Bierkrug mit kunstvollem Metalldeckel, ein umgeworfener jüdischer Kerzenständer, der an die niedergebrannte Synagoge, die in der Nähe stand, erinnert, ein tschechisches Bierglas, eine Blumenvase, die einem historischen Gefäß aus dem Reichenberger Museum nachempfunden ist, eine fleischfressende Pflanze, die sich in der Blumenvase befindet und auf die einzigartige Sammlung im Reichenberger Botanischen Garten verweist, und eine historische Bierflasche, die der Künstler angeblich irgendwo in der Gegend von Friedland fand. In der Mitte des Tisches befindet sich ein Kopf mit Brille, aufgespießt auf eine Gabel. Der soll für alle ein Rätsel sein.

Neben der Bushaltestelle steht ein Abfalleimer in Form einer Konservendose. Zwischen Bushaltestelle und Abfalleimer liegen zwei Reichenberger „Rejcherwörschte“ mit Senf auf einem Pappteller auf dem Boden. Dieses Ensemble ist ebenfalls aus Bronze. Auf der Tischdekke, der fleischfressenden Pflanze und dem Messer krabbelnde Fliegen vervollständigen das Kunstwerk. Für dieses bezahlte das Kulturministerium mehr als vier Millionen Kronen. Weitere Gelder steuerten Sponsoren und die Stadt Reichenberg bei, die auch den angrenzenden Bürgersteig renovierte.

Das neu installierte Kunstwerk vor dem Rathaus, der mehr als drei Tonnen schwere Trabi auf Beinen, ist 3,8 Meter hoch, 4,2 Meter lang und 1,6 Meter breit. Sein Aussehen entspricht dem Aussehen der Trabis im Jahr 1989. Der Transport von Deutschland nach Reichenberg und die anschließenden Aufstellungsarbeiten der Bronzefigur waren nicht kompliziert. Die Transportfirma, die sich auf die Beförderung schwerer Lasten spezialisiert hat, stellte sie an der Ecke vor dem Rathaus auf und erhüllte sie. Die gigantische Bronze-Skulptur mit dem außergewöhnlichen lateinischen Namen „Quo Vadis“ – „Wohin gehst du“ – wurde am 5. Oktober um 16.00 Uhr vor dem Rathaus in Reichenberg von dem Bildhauer David Černý feierlich enthüllt.   

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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