Blogs

Blogs

Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

Weitere Beiträge dieses Autors

Gegner des Nationalsozialismus aus den Reihen der sudetendeutschen Christen 1938 - 1945.
Zweiter und letzter Teil
Das Ende der Geschichte des traditionsreichen Neustädter Familienunternehmens.
Gedenkveranstaltung am 27. Juni in Reichenberg am Denkmal für die Opfer des Kommunismus
Geschichte und Gegenwart des Jugendstilprachtbaus im Stadtzentrum
Der höchste Berg des Isergebirges mit seinem Aussichtsturm ist ein beliebtes Ausflugsziel in Nordböhmen
Kirche in Bärnsdorf wurde aufwendig restauriert
Beliebter Aussichtsturm im Isergebirge mit langer Geschichte
Aus zerschlagenen Gedenksteinen wurde im malerischen Wallfahrtsort Haindorf im früheren Kreis Friedland ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet.
Auf dem 1878 errichteten Friedhof wurde die vorletzte große deutsche Gruft abgerissen
Sonderausstellung im Nordböhmischen Gewerbemuseum
Geburtshaus des legendären Autokonstrukteurs wurde als Museum eröffnet
Den Toten die Liebe nicht verweigern, der Toten zu gedenken, ist Ausdruck des biblischen Gebotes und edler Menschlichkeit zugleich.
"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist" - Zitat aus dem Talmud.
Ist das legendäre Bernsteinzimmer in Friedland in Nordböhmen versteckt?
Schüler pflegen deutschen Friedhof in Frýdlant: “Das Geheimnis der Versöhnung ist die Erinnerung” - Richard v. Weizsäcker

Blogs-Autoren

| | Politik | 24.6.2019

Großer Dank an Milan Svoboda

Buchvorstellung in Reichenberg: "Franz Graf Clam-Gallas – Konturen eines Porträts"
  • Schloss Friedland in Böhmen - der letzte Wohnsitz von Franz Graf Clam-Gallas
  • Das neue Buch
  • Das von K.H. Scholz geschaffene Epitaph für Franz Clam-Gallas in der Kirche Haindorf
  • Park im Zentrum von Reichenberg wurde nach der Adelsfamilie Clam-Gallas benannt
  • Im Park neben dem Reichenberger Schloss wurde im Oktober 2018 ein Denkmal für Franz Graf Clam-Gallas errichtet
  • Die Nachkommen Clam-Gallas vor dem Denkmal in Reichenberg

Am 23. Mai 2019 wurde in der Wissenschaftlichen Bibliothek in Reichenberg das Buch „Franz Graf Clam-Gallas – Konturen eines Porträts“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Verfasser der zweisprachigen Publikation ist der Reichenberger Historiker Milan Svoboda, Doktor der Technischen Universität Reichenberg, Lehrstuhl für Geschichte an der Fakultät für Natur-, Humanitär- und Pädagogikwissenschaften, der sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der Adelsfamilie Clam-Gallas beschäftigt.

Die Biographie über den böhmischen Großgrundbesitzer und letzten männlichen Nachkommen der Adelsfamilie wurde von dem Verein „Frýdlantsko“, bei der Präsentation vertreten durch SL-Förderpreisträger Jan Heinzl aus Haindorf, und von der Wissenschaftlichen Bibliothek in Reichenberg, vertreten durch ihre Leiterin Blanka Konvalinková, herausgebracht. Finanziell bezuschusst haben sie der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds und der Clam-Gallas-Stiftungsfonds. Die Übersetzung aus dem Tschechischen ins Deutsche besorgte Richard Rothenhagen. Das Vorwort schrieb Agathe Széchényi, eine Urenkelin von Franz Clam-Gallas. Christine Winkelbauer-Kelly, eine weitere Urenkelin, und der Urenkel Karl von Schwarzenberg waren bei der Präsentation ebenfalls anwesend.

Durch den festlichen Abend führte David Hamr vom Tschechischen Rundfunk. In den großen Vortragssaal der modernen wissenschaftlichen Bibliothek waren etwa 130 Zuhörer aus Reichenberg, Gablonz, Friedland und Umgebung gekommen. Pavel Andrš, Pfarrer der Haindorfer Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, die zu den schönsten und traditionsreichsten Wallfahrtsorten Böhmens zählt und in der sich auch die Familiengruft der Grafen Gallas und von Clam-Gallas befindet, segnete das Buch. Das barocke Franziskanerkloster neben der Kirche war 1691 vom Grafen Franz Ferdinand von Gallas gestiftet worden. Heute befindet sich darin das Internationale Zentrum für die geistliche Erneuerung.

Das Werk ist die erste tschechische Biographie von Franz Graf Clam-Gallas (*26.Juli 1854 in Reichenberg; †20.Januar 1930 in Friedland), dem letzten männlichen Vertreter des altösterreichischen Adelsgeschlechts, Vater von sieben Töchtern, einem Wohltäter und großen Gutsverwalter der Herrenhäuser Friedland, Reichenberg, Grafenstein und Lämberg, der Familienpaläste in Prag, Wien und dem Isergebirge sowie der Besitzungen in Böhmen und Österreich.

Die Lebensgeschichte dieses Adeligen spielt sich in Nordböhmen, am Wiener Hof, aber auch an vielen anderen Orten der verschwundenen Welt der europäischen Aristokratie ab. Milan Svoboda widmet sich detailgenau und ausführlich dem Leben des Grafen von seiner Kindheit bis zu seinem Tod. Im Kontext der Zeit beschreibt er Erziehung und Bildung sowie die Übernahme des Familienbesitzes. Graf Franz Clam-Gallas war ein gebildeter Mann, ein Patriot, Gönner und Philanthrop. Er förderte Dutzende von Vereinen und Institutionen, die hauptsächlich im sozialen Bereich tätig waren. Regelmäßig und großzügig unterstützte er Waisenkinder, Kranke, Arme und Kriegsinvaliden.

Ein wichtiger Teil sind auch der familiäre Hintergrund, seine starke Bindung an die Natur und die Menschen in den früheren Familienbesitzungen, aber auch die Wendepunkte seines Lebens: der Erste Weltkrieg, das Ende des Kaiserreichs Österreich-Ungarn und die Gründung der Tschechoslowakei. Der Autor beschreibt auch die Folgen umfangreicher sozialer und vermögensrechtlicher Veränderungen, insbesondere der sogenannten ersten Landreform in jenem Staatsgebilde, und verfolgt und beschreibt den vergeblichen Kampf des alten Mannes um die Rettung des Familienvermögens.

Aufmerksamkeit ist auch dem Schicksal seiner sieben Töchter, die zwischen 1945 und 1948 in Böhmen und Mähren ihr Zuhause verloren haben, gewidmet. Die meisten flohen nach Kapitulation und Wiedererrichtung der ČSR aus ihrer Heimat. Als Deutsche hatten es die Familienmitglieder nicht leicht – zum Beispiel Prinzessin Sophie von Auersperg, geborene Gräfin von Clam-Gallas, die 1945 mit ihrem Mann und drei Kindern in der Nähe des Bahnhofs in Haindorf lebte. Bewaffnete tschechische „Revolutionsgardisten“ trieben sie gewaltsam aus dem Haus, trennten die Kinder von den Eltern und plünderten die Villa. Die Familie flüchtete zum Großvater Fürst Eduard von Auersperg ins Salzburger Land. Ein Kapitel des Buches beschreibt auch das Leben des letzten Historikers und Archivars der Familie Clam-Gallas in Böhmen, Dr. Josef Bergl (*6. September 1874). Nach 1945 wurde auch er mit seiner Familie vertrieben. Er fand seine neue Heimat in Oettingen in Bayern, wo er am 31.Dezember 1952 starb.

Mehr als drei Millionen Sudetendeutsche wurden aus ihrer Heimat vertrieben oder in die Flucht geschlagen. Bestandteil der zweisprachigen Monographie mit vielen Bildern ist auch der Stammbaum der letzten Clam-Gallas-Familienmitglieder einschließlich der Nachkommen der Töchter von Franz Clam-Gallas. Mit seinem Buch hat der Historiker Milan Svoboda das Bild der Adelsfamilie Clam-Gallas in der Fachliteratur deutlich ergänzt.

In den vergangenen Jahren konnte man eine ausgesprochen positive Bilanz auf dem Gebiet der Denkmalpflege und der Familienforschung des Adelsgeschlechts Gallas und Clam-Gal-las vermerken. Zur Erinnerung an den Grafen Franz Clam-Gallas und seine Vorfahren wurde einiges unternommen. Großer Dank gilt vor allem Milan Svoboda. Neben seinen historischen Vorträgen hat er zwei Bücher zum Thema Gallas und Clam-Gallas geschrieben. 2012 verfasste er mit seinen Schülern die Biographie des Grafen Christian Clam-Gallas, und 2015 veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit Jan Heinzl die Publikation „Gallas, Clam-Gallas und Haindorf. Der Wallfahrtsort und seine Förderer“. Mit seinem Namen sind auch die folgenden Aktionen verbunden:

● Am 17.Mai 2014 wurde im Rahmen des 160. Jahrestages der Geburt von Graf Franz Clam-Gallas neben dem Jagdschloss Neuwiese im Isergebirge ein Ahorn gepflanzt. Neben dem Baum befindet sich ein einfaches steinernes Denkmal mit der lateinischen Inschrift „ACER PRO MEMORIA FRANCISCI COMITIS CLAM-GALLAS XVII MAII MMXIV“

● Das Jagdschloss, das sich vier Kilometer nördlich von Friedrichswald im einstigen Kreis Reichenberg befindet, wurde aus den Überresten einer alten Glashütte, die zuvor dem Glasbläser Riedel gehört hatte, 1844 von der Adelsfamilie Clam-Gallas umgebaut. 1930 wurde das Schloss Sitz der Clam-Gallasschen Forstverwaltung.

● Der kleine Park vor dem Grandhotel Goldener Löwe in Reichenberg, der sich nur wenige Meter vom Stadtzentrum entfernt befindet, hieß lange einfach Stadtpark. Seit dem 24.Mai 2017 trägt er den Namen „Clam-Gallas-Park“. „Die Adelsfamilie von Clam-Gallas stellt zwei Ehrenbürger in Reichenberg: Graf Eduard Clam-Gallas und seinen Sohn, Graf Franz Clam-Gallas. Bisher hatte diese bedeutende Familie keine bedeutende Gedenkstätte in Reichenberg. Aus diesem Grund freue ich mich, daß dieser Park ab heute an das Adelsgeschlecht Clam-Gallas erinnert. Dafür gehört der Dank vor allem den Historikern der Technischen Universität, die die Umbenennung vorgeschlagen haben“, sagte der damalige Oberbürgermeister Tibor Batthyány.

● In dem Clam-Gallas-Park dominiert seit dem 15.Oktober 2018 ein bronzefarbenes Denkmal des böhmischen Aristokraten Graf Franz Clam-Gallas. Es handelt sich um einen Abguss einer Büste von Franz Clam-Gallas des berühmten Bildhauers Heinrich Karl Scholz. Das Denkmal ist nicht nur eine würdige Erinnerung an den letzten männlichen Nachkommen des alten Adelsgeschlechts und Ehrenbürger der Stadt Reichenberg (Franz Clam-Gallas wurde 1914 zum Ehrenbürger von Reichenberg ernannt), sondern auch eine Anerkennung des Kunstwerks des Wiener Bildhauers Scholz, dessen Talent von Franz Clam-Gallas entdeckt und unterstützt wurde. Das Aufstellen des Denkmals ist durch die gemeinsamen Bemühungen der Stadt Reichenberg und des Clam-Gallas-Stiftungsfonds zustande gekommen. Das Denkmal wurde von der Urenkelin des Grafen Franz Clam-Gallas, Christine Winkelbauer-Kelly, enthüllt.

Bildnachweis:
Stanislav Beran

Auch interessant