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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. Nach seinem langjährigen Aufenthalt in München lebt er in Tschechien.

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Panorama | 24.11.2017

Enthüllung des Gefallenendenkmals in Raspenau-Mildenau

  • Enthüllung des Denkmals am 22. Oktober 2017
  • Jan Heinzl aus Haindorf
  • Brotzeit
  • Botschaftsrat Antal Disztel
  • Kaplan Petr Šabaka
  • Milan Svoboda
  • Schützen der Schützengesellschaft 1860 aus Sohland an der Spree

Der Sonntag, 22. Oktober 2017, galt dem Gefallenendenkmal in Raspenau-Mildenau. Nach Jahrzehnten des Zerfalls wurde das Kreuz für die sieben Opfer des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) erneuert.

Die Geschichte dieses Denkmals beim Geiersberg beginnt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auch an Mildenau war dieser Krieg nicht spurlos vorübergegangen. Hier fand eine der vielen Tragedien jenes Krieges ihr blutiges Ende: Ein ungarischer Husarenleutnant, drei Fuhrwesensoldaten, eine Soldatenfrau und zwei Kinder starben 1760 beim Überfall einer preußischen Abteilung auf eine österreichische Transportkolonne und wurden nahe des Denkmals begraben.

1875 wurde das erste Gedenkkreuz auf dem Grund des damaligen Besitzers des Bauernhofs in Mildenau Nr. 108, Josef Bergmann, errichtet. 1905 wurde es restauriert. Über die näheren Umstände und den Errichter fehlen beglaubigte Angaben.

Einst schmückten eine auf Blech gemalte Christus Gestalt und ein Engel die Totenstätte. Laut allgemein zugänglichen Quellen verlief die Einweihung des restaurierten Denkmals am 22. Juni 1905 so: Das auf einem Steinsockel ruhende, unter dem Schutz zweier alten und mächtigen Linden stimmungsvoll sich erhebende Kreuz wurde von Seiner Hochwürden Dechant und Vikar Stefan Neumann aus Friedland festlich eingeweiht.

Dazu trug die Anwesenheit des Generalstabschefs Freiherr von Beck, begleitet von mehreren Generälen und Generalstabsoffizieren, bei. Außerdem waren erschienen Generalmajor der Infanterie Michael Tišljar mit Deputationen des 74. Infanterieregimentes und Feldjägerbataillons Nr.1 und den dienstfreien Offizieren aus Reichenberg, der Bezirkshauptmann und Bezirksobmann Josef Hirsch aus Friedland, Vertreter des Frauenhilfsvereins vom Roten Kreuz, der Graf Clam-Gallassche Oberdirektor Wenzel und Verwalter Metzka. Auch die Veteranenvereine des Bezirkes waren anwesend, zusammen etwa tausend Mann.

Als Freiherr von Beck mit zahlreichen Militärs angekommen war, eröffnete der Mildenauer Gemeindevorsteher Wenzel die Feier mit einer Begrüßungsrede. Daran schloss sich der kirchliche Weiheakt an, welchem der Dechant eine begeisterte und ergreifende Rede hinzufügte. Nach einem kurzen Gebet und Beethovens Weihelied „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“, vom Friedländer Männergesangverein gesungen, hielt der Obmann des Lokalvereines, Hermann Richter, die Festrede.

Ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den geliebten Kaiser schloss diese Rede. Schließlich ergriff der Generalstabschef das Wort, dankte den Veranstaltern und legte einen Kranz mit Schleife zum Andenken nieder. Auch der Präsident des Zentralvereines zur Errichtung und Erhaltung der Kriegerdenkmale, Josef Jahn von Vonau, legte einen Kranz im Namen des Vereines nieder. Dann folgten Kränze der Garnison Reichenberg, des Frauenhilfsvereins vom Roten Kreuz Friedland, des Gefallenendenkmalvereins Reichenberg und der Gemeinde Mildenau.

Mit der Defilierung vor dem Generalstabschef schloss die Feier. Dieses Kreuz renovierte der Zentralverein zur Erhaltung der Kriegerdenkmale in Böhmen. Um die Erneuerung des damaligen Denkmals machte sich insbesondere der Großindustrielle Gustav von Richter aus Raspenau verdient. Das Kreuz mit dem goldenen Corpus Christi trägt auf seinem unteren Teil eine Blechtafel mit den letzten Worten des Heilands: „Es ist vollbracht!“

An der Vorderseite des Sockels steht in goldenen Buchstaben das Bibelwort: „Wenn mir jemand nachfolgen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Jesus bei Matthaus 16, 24. Renoviert im Jahre 1905 vom Zentralverein zur Erhaltung der Kriegerdenkmale in Böhmen.“
Unten auf dem Sockel der aus Granit gearbeiteten Kreuzsäule lesen wir die auf dieses Kreuz bezugnehmenden Daten seiner Errichtung und wem es zur Erinnerung aufgestellt wurde.

„Hier neben diesem Kreuze begrub man im Jahre 1760 vom k. k. Militär einen ungarischen Husarenleutnant, drei Fuhrwesenknechte und eine Soldatenfrau mit zwei Kindern. Erneuert von Josef Bergmann im Jahre 1875.“

Die Arbeiten an dem bereits 1875 und 1905 restaurierten Kreuz begannen im Mai. Im Sommer und Frühherbst wurden der Granitsockel restauriert und das ursprüngliche Gusseisenkreuz erneuert. Das Programm eröffnete Jan Heinzl, Vorsitzender des Vereins Frydlantsko, und begrüßt Antal Disztel, Botschaftsrat der Ungarischen Botschaft in Prag,

Květa Vinklatová als Vertreterin des Reichenberger Kreises, Gräfin Agathe Szechenyi von Sarvar-Felsovidek und ihre Brüder Sandor und Jenő, Alena Dvořáková, die Schützengesellschaft Sohland an der Spree 1860 und Raspenaus Vizebürgermeister Jaromir Hanzl.

Gedenkredner war der Reichenberger Historiker Milan Svoboda. Es folgten Grußworte und aus dem Johannesevangelium die Lesung des Kapitels: „Siehe, das ist deine Mutter!“ Anschließend segnete der Reichenberger Kaplan Petr Šabaka das Denkmal. Danach sprach Botschaftsrat Disztel und die Schützengesellschaft 1860 aus Sohland feuerte eine Ehrensalve.

Das Gefallenendenkmal wurde von der Wirtschafts- und Forstwirtschaft-Fachmittelschule Friedland sowie dem Verein Frydlantsko dank finanzieller Unterstützung vom Reichenberger Kreis, der Stiftung Burgerinitiative und der Gräfin Agathe Szechenyi von Sarvar-Felsovidek erneuert.

Das Denkmal - eines der schönsten Kreuze im Isergebirge - neben dem alten zugewachsenen Wanderweg wurde so gestaltet wie das alte. Neben ihm stehen Bänke für Spaziergänger und Wanderer mit Blick auf die ruhige Landschaft. Neu sind zweisprachige Informationstafeln.

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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