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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Panorama | 19.6.2022

Wilhelm Haupt - Ein Friedländer Uhrmachermeister und Juwelier

  • Geschäft von Wilhelm Haupt, Schlossgasse Nr. 63 damals
  • Schlossgasse Nr. 63 heute
  • Friedhof Friedland 2004, Gruft ohne Tafeln

Zu den zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt Friedland in Böhmen gehört auch der Uhrmachermeister, Juwelier und Goldwarenhändler Wilhelm Haupt, der seine Uhren, Gold, Silber und optische Warenhandlung in der Schlossgasse 63 neben dem Café und der Konditorei Otto Hampel hatte.

Am 4. April 1860 kam Wilhelm Haupt als Kind einer alteingesessenen Friedländer Familie zur Welt. Der Name Wilhelm Haupt ist auch mit der Renovierung der Lusdorfer Kirche eng verbunden. Im Jahr 1905 erfolgten Renovierungsarbeiten am Kirchturm und an der Friedhofsmauer. Der Turm wurde mit größeren Fenstern und neuen Treppen versehen und erhielt eine neue Uhr, die der Friedländer Uhrmacher Wilhelm Haupt besorgte. Am 9. Juni 1913 fand um 11.00 Uhr in Friedland in der katholischen Kirche der Kreuzfindung – auch Dekanalkirche genannt – die Trauung der Josefine Haupt, Tochter des Wilhelm Haupt, mit Josef Hoffmann statt. Hoffmann war Stadtbuchhalter in Friedland und Leutnant im k. u. k. Infanterieregiment Freiherr von Schonaich Nr. 74.

Gemäß dem Beschluss der politischen Bezirksverwaltung in Friedland vom Januar 1923 wurden aus der Gruppe der Handels- und Gewerbetreibenden für das Jahr 1923 zwei Ersatzmänner für das damalige Wuchergericht beim Bezirksgericht in Friedland gewählt. Einer davon war Wilhelm Haupt aus der Schlossgasse. Der zweite Gewählte war der Kaufmann Rudolf Finke aus der Görlitzer Gasse. In den früheren Jahren war Wilhelm Haupt auch Mitglied mehrerer gemeinnütziger Vereine und Genossenschaften. Auch im Fachverband der Uhrmachergenossenschaft war er Mitglied. Hier wurde er für seine großen Verdienste um die Standesorganisation zum Ehrenmitglied ernannt. Als einer der ältesten Gewerbetreibenden in Friedland war er bis zu seiner tödlichen Erkrankung unermüdlich tätig und als tüchtiger Fachmann auf seinem Gebiet bekannt.

Da er 50 Jahre hindurch ununterbrochen gearbeitet hatte, konnte er bereits im Jahr 1932 sein goldenes Meisterjubiläum und ein halbes Jahrhundert Bestand seines best eingeführtem Fachgeschäftes feiern. Die Fachgenossenschaft der Uhrmacher in Friedland ehrte am 2. Oktober 1932 die zwei Mitglieder Wilhelm Haupt aus Friedland und Uhrmacher Franz Schmidt aus Heinersdorf an der Tafelfichte anlässlich ihres 50-jährigen Meisterjubiläums. Neben den beiden Jubilaren waren mehrere Mitglieder der Genossenschaft auch aus den Nachbargenossenschaften Reichenberg und Gablonz mit ihren Frauen zur Feier in das Friedländer Gasthaus „Zur Post“ gekommen.

Der Genossenschaftsverband der deutschen Uhrmachergenossenschaften in Böhmen mit Sitz in Teplitz-Schönau hatte ein Vorstandsmitglied entsandt. Der Obmann der Uhrmagengenossenschaft in Friedland war Josef Hauser, sein Uhrengeschäft in der Görlitzer Gasse 354. Er hieß eine große Anzahl Ehrengäste willkommen, beglückwünschte die beiden Jubilare Haupt und Schmidt zu ihrem Meisterjubiläum und überreichte beiden die Ehrendiplome der Handels- und Gewerbekammer in Reichenberg. Außerdem übergab er ihnen mehrere Glückwunschschreiben und Telegramme. Auch der Verband der deutschen Uhrmachergenossenschaften in Böhmen, der gemischte Genossenschaftsver-band, die Uhrmachergenossenschaft in Friedland sowie mehrere Kollegen und Firmen entboten Glückwünsche. 

Die gute Stimmung hielt die Teilnehmer recht lange beisammen. Zum Schluss wurde von den Berufskollegen eine Sammlung veranstaltet, die für die deutsche Jugendfürsorge in Friedland 50 Kronen erbrachte. Für die viele Glückwünsche bedankte sich W. Haupt anschließend in der Lokalpresse.

Wilhelm Haupt starb am 2. März 1935 in seinem 75. Lebensjahr. Am 5. März nahm man in tiefer Trauer Abschied vom Verstorbenen. Der Sarg mit seiner sterblichen Hülle wurde unter zahlreicher Beteiligung in der Familiengruft auf dem Friedhof in Friedland feierlich beigesetzt. Sein Arzt Hugo Liemer hatte bei ihm einen Leistenbruch (Hernie) diagnostiziert. Mit Wilhelm Haupt starb ein im ganzen Bezirk angesehener und allseits geachteter Mann. Als ehrenwerter Handwerksmeister war er bei allen, die ihn kannten, in bester Erinnerung geblieben.

Traurig ist, dass sich viele Gruften seit Jahren in einem erbärmlichen Zustand befinden. Manche sind kaum noch zu erkennen. Um ihren Zustand kümmert sich heute niemand. Welche Gruft der Familie Wilhelm Haupt gehört, ist heute leider nicht erkennbar, da die meisten Gruft-Tafeln zerschlagen wurden. 

Von dem Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit von 1992 hatte das Rathaus in Friedland mit Bürgermeister Jiri Stodulka und Martina Cerna von der Friedhofsverwaltung bis Februar 2022 – also 30 Jahre lang – angeblich keine Ahnung gehabt.

Im Februar schickte ich den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit dem jetzigen Bürgermeister Stodulka per E-Mail zu. Geholfen hat es wenig. Erst nachdem das Rathaus in Friedland von der Deutschen Botschaft im Mai angerufen worden war, besserte sich die angespannte Situation der deutschen Gruften auf dem Friedländer Friedhof angeblich. Nach dem Anruf von der Deutschen Botschaft teilte mir Martina Cerna mit, das die Gruften in Zukunft nicht mehr verpachtet und nicht mehr liquidiert werden. Ob sich in dieser Hinsicht in Friedland wirklich etwas andern wird? Lassen wir uns überraschen. Der Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit von 1992 bildet die Grundlage der deutsch-tschechischen Beziehungen.

Artikel 30 des Vertrags

  • Die Vertragsparteien erklären, dass deutsche und tschechoslowakische Gräber auf ihrem Gebiet in gleicher Weise geachtet und geschützt werden; ihre Pflege wird ermöglicht.
  • Die Gräber deutscher beziehungsweise tschechoslowakischer Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft, die sich auf ihrem Gebiet befinden, stehen unter dem Schutz der Gesetze und werden erhalten; ihre Erfassung und Pflege wird ermöglicht.
  • Die Vertragsparteien werden die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen, die für die Pflege dieser Gräber zuständig sind, unterstützen. 

In dem ehemaligen Haus vom Wilhelm Haupt in der Schlossgasse 63 befindet sich heute ein Geschäft, das den Kunden eine Reihe von Zucht-, Angel- und Aquarien Artikeln anbietet. Im Angebot sind Futter für Hunde und Katzen, Aquarienfische, Ziervogel, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Arzneimittel sowie Halsbänder für Hunde und Katzen gegen Parasiten. Verkauft werden außerdem Aquarienfische, Ziervogel und andere lebende Tiere.

Bildnachweis:
Stanislav Beran (Farbfotos)

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