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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. Nach seinem langjährigen Aufenthalt in München lebt er in Tschechien.

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Reise, Panorama | 27.8.2017

Die stillgelegte Eisenbahnverbindung nach Heinersdorf soll erneuert werden

  • Heinerdorf - alte Ansicht
  • Fahrplan 1944
  • Bhanhof Heinersdorf heute
  • Heintschel-Fabrik in Heinersdorf - alte Ansicht
  • Gelände der Heintschel-Fabrik in Heinersdorf heute

Nach den guten Erfahrungen mit dem grenzüberschreitenden Bahnverkehr von Harrachsdorf im heute tschechischen Riesengebirge ins heute polnische Schreiberhau (Kreis Hirschberg) will Polen auch den Bahnverkehr im ehemaligen Kreis Frýdlant v Čechách (Friedland in Böhmen) erneuern. Gegenwärtig beginnen die Verhandlungen.

Die Polen wollen die vor mehr als 70 Jahren stillgelegte Bahnverbindung vom heute polnischen Friedeberg/Mirsk in die heutige Tschechische Republik nach Heinersdorf an der Tafelfichte und weiter nach Friedland wiederbeleben. Die Züge aus Friedland, die seit 1945 in Heinersdorf an der Tafelfichte enden, sollen wieder über die Grenze fahren. Am 8. Mai 1945 besetzte die Rote Armee Friedeberg und den größten Teil Schlesiens. Anschließend wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt und umbenannt. „Vor einem Monat haben wir zum ersten Mal darüber gesprochen", bemerkte Martin Půta, Hauptmann der Region Liberec (Reichenberg). Bei der zweiten Verhandlung am 3. August wurde unter anderem diskutiert, was zur Wiederherstellung des Eisenbahnverkehrs erforderlich sei. Dafür sind große Investitionen notwendig.

Im Grenzbereich fehlen auf polnischer und tschechischer Seite Gleise in einer Länge von rund zwei Kilometern. „Die Polen haben bereits das Geld, das für die Erneuerung der Bahn notwendig ist. Wir müssen erst mit der Bahnverwaltung verhandeln, damit das benötigte Geld eingeplant wird", so Půta. Die internationale Bahnstrecke von Heinersdorf wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Am 2. August 1902 nahm die Friedländer Bezirksbahn die Lokalbahnstrecke nach Heinersdorf in Betrieb. Im darauffolgenden Jahr wurde die Strecke bis Friedeberg zum Anschluss an die Bahnstrecke nach Greiffenberg verlängert und im November 1904 eingeweiht. Heute ist der Heinersdorfer Bahnhof vernachlässigt. Seine Neugestaltung müsse im Mittelpunkt des Projektes stehen.

Vor 1945 wurde Heinersdorf auch Klein Wien genannt. Zur Zeit des größten Wohlstands lebten in der Gemeinde 2500 Einwohner, die meisten waren Deutsche. Die am 20. Mai 1852 in Heinersdorf gegründete Textilfabrik E. Heintschel & Co. war die modernste Fabrik in der weiteren Umgebung und beschäftigte 3000 Arbeiter. Der Bahnhof in Heinersdorf mit sechs Gleisen war ein bedeutender Verkehrsknoten-punkt zwischen Österreich, Preußen und dem Baltikum.

Im Mai 1945 hatte Heinersdorf 1720 Einwohner, davon waren 1679 Deutsche und 41 Tschechen. Heute hat der Ort 670 Einwohner, von denen jeder zehnte arbeitslos ist. Mittlerweile gilt Heinersdorf als ein Ort, in dem der sprichwörtliche Fuchs dem Hasen „gute Nacht" sagt.

Nach der Meinung des niederschlesischen Woiwodschaftsmarschalls Cezary Przybylski würde die Erneuerung der grenzüberschreitenden Eisenbahnverbindung zur Entwicklung des Tourismus und dem Wirtschaftswachstum auf beiden Seiten der Grenze beitragen. Dieses Projekt sei auch ein Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Deutschland und die Tschechische Republik könnten davon profitieren.

Die Reichenberger Kreisverwaltung hatte bereits 2010 mit der Woiwodschaft Niederschlesien die Eisenbahnlinie von Harrachsdorf nach Schreiberhau eröffnet. Auch hier war der Verkehr nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt worden. In der Hauptsaison fahren heute auf dieser Strecke acht Züge, die täglich Tausende von Touristen befördern.

Der Wiederherstellung des Bahnverkehrs ging eine Rekonstruktion der Bahnstrecke voraus, die 138 Millionen Kronen kostete und weitgehend von der Europäischen Union bezahlt wurde. „Wir müssen die Zeit abwarten oder unsere eigene Geldquellen benutzen. Auch die Kreisverwaltung in Reichenberg ist bereit, dieses Projekt zu unterstützen", ergänzte Martin Půta. 

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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