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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. Nach seinem langjährigen Aufenthalt in München lebt er in Tschechien.

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Panorama | 9.5.2016

Gedenkstein für die Bombenopfer vom 8. Mai 1945

Anlässlich des 71. Jahrestags am 8. Mai 2016 wurde in Friedland in Böhmen (Frýdlant v Čechách) feierlich ein Gedenkstein für die Opfer des Bombenangriffs vom 8. Mai 1945 eingeweiht. Am Sonntag, um 10 Uhr, wurde das Denkmal für die gestorbenen Opfer von den Schülern der Grundschule enthüllt.

In einer Ansprache berichteten sie über die schrecklichen Stunden am Ende des Krieges, insbesondere über das Schicksal der Pferdefleischerei „Schütz“, an deren ehemaligen Standort sich das Denkmal befindet. Im Anschluss wurden Blumen niedergelegt und eine Kerze angezündet.

Musikalisch wurde die Feierstunde von Schülerinnen der Grundschule begleitet.    

Das schlichte Denkmal, das aus einem Granitstein und einer schwarzen Glastafel besteht, trägt die Inschrift "Den Bombenopfern von Friedland - 8.5.1945" (Obětem bombardování Frýdlantu - 8.5.1945) und befindet sich vor der ehemaligen Firma Landmaschinenfabrik H. Kaulfersch, wo die meisten Opfer zu beklagen waren. Es steht auf dem Grundstück, wo eine der Bomben niederging. Neben dem Gedenkstein befindet sich eine Informationstafel (leider nur in tschechischer Sprache) und zwei Sitzbänke.

Bomben am letzten Tag des Krieges

Während des Krieges blieb die Stadt von feindlichen Angriffen verschont. In erster Linie waren Großstädte das Ziel der Bomber. Am letzten Tag des Krieges - 8. Mai 1945 - wurde Friedland von russischen Flugzeugen bombardiert. An diesem Tag kam der erste Angriff.

Bei dem Überflug gerieten die russischen Bomber unter Abwehrfeuer der Flak, drehten um und bombardierten das Zentrum der Stadt.

Kurz vor Mittag fielen die ersten Bomben vom Himmel. Die Angst der Bevölkerung war riesengroß. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Am Nachmittag wurde die Stadt erneut bombardiert. Am Anfang konnte man vor Staub nichts sehen. Überall schwebten dichte Staubwolken.

Im Zentrum der Stadt wurden 20 Häuser in Schutt und Asche gelegt, 300 Häuser wurden schwer und viele leicht beschädigt. Auch in Ringenhain wurden zwei Häuser vernichtet. Die Gegend bei der ehemaligen Schwimmschule war mit Bombentrichtern übersät.

Getroffen wurde auch die Textilfabrik Eisenschimmel bei Tongrund. Noch zwei Tage nach dem Bombenangriff konnte man brennende Häuser sehen.

Die letzten Zeitzeugen schilderten mit bewegenden Worten ihre Erinnerungen. Eine Augenzeugin erinnerte sich: „Es war ein furchtbarer Anblick. Auf der Straße lagen nach dem Bombenangriff viele grausam verstümmelte Leichen und Schwerverletzte mit abgerissenen Armen und Beinen“.

Unter den Toten befand sich u. a. der Schulinspektor Florian Rieger aus Dittersbach (getötet in der Fischergasse) und der Oberlehrer Rudolf Winkler (getötet in der Gabelsbergergasse). 

Eine der vielen an diesem Tag über Friedland abgeworfenen Bomben traf das Haus Nr. 392 in der Schlossgasse.

Hier, zwischen der Wallensteinapotheke und dem Chudoba-Schuster-Haus wohnte der Dentist Anton Kratzer.

Das Gebäude wurde komplett durch einen Volltreffer zerstört.

Durch die ausgelösten Druckwellen der Explosionen wurden gleichzeitig Dächer abgedeckt und sämtliche Fenster und Türen umliegender Häuser zerstört. An diesen Tagen war Angst und Verzweiflung an der Tagesordnung.

Mehrere Frauen begingen Selbstmord, wie im Sterbebuch der Stadt Friedland eingetragen wurde.

Einen verhängnisvollen Volltreffer gab es in der Pferdefleischerei Schütz („Pferdeschütz“) in der Ostritzerstr. Nr. 267.

Hier waren die meisten Bombenopfer zu beklagen. Die Familie Hannig und Schütz traf es besonders hart.

Der vordere Teil des Gebäudes stürzte ein. In dem zerbombten Haus wurden sieben Leichen, einschließlich der Mütter der Kinder, gefunden.

Hilde Aigner, Marie Schütz, Else Schütz und das Kind Irene Schütz. Anna Hannig und die Kinder Annemarie Hannig und Manfred Hannig.

Die Opfer wurden auf dem Friedhof, in dem Familiengrab Schütz-Schrejma, bestattet

Vor dem Haus Nr. 267 starben durch die Explosion der Bombe auch zahlreiche Zwangsarbeiter aus Polen, Belgien, Frankreich und Italien, die in Friedland im Arbeitseinsatz waren. Sie haben ebenfalls ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Friedland gefunden.

Insgesamt wurden da 21 Menschen getötet. Einen Volltreffer bekam auch die Mädchenschule am Ufer der Wittig. Die Ruine wurde 1947 endgültig abgerissen.

Selbst die Kirche blieb von Bombenangriffen nicht verschont. Diese Angriffe haben das Zentrum der Stadt für immer verändert.

Die Bilanz nach dem verheerenden Bombenangriff war erschreckend. Die Stadt war schwer getroffen. Nach Schätzungen starben an diesem Tag mehr als 70 Menschen (Bürger der Stadt, ausländische Zwangsarbeiter, Soldaten, Flüchtlinge und Kriegsgefangene), viele wurden verwundet.

Die Gesamtzahl der Todesopfer ist nicht genau festzustellen. Es kann angenommen werden, dass sie tatsächlich noch größer war. Der 8. Mai 1945 ging als einer der schwärzesten Tage der Stadt Friedland in die Geschichte ein.

Über das Projekt

Das Projekt „Denkmal für die Bombenopfer“ wurde von den Schülern der 8. Klasse der Grundschule in Friedland - Purkyňova Straße ins Leben gerufen.

Mit einem großen Applaus wurde ihnen für ihre Arbeit gedankt.

An der Planung, Durchführung und an der Enthüllung des Denkmals hat sich die Stadt Friedland nicht beteiligt. Das Stiftungsfonds Tesco unterstütze das Projekt mit einer Summe von 18.500.- Kronen.

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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